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Testbericht

Stefan Grundhoff, 14. Oktober 2019
Cadillac lässt seinen Ankündigungen Taten folgen und nimmt zunehmend die deutsche Premiumkonkurrenz ins Visier. Beste Beispiel ist der neue Cadillac XT6, der sich gegen SUV-Stars BMW X5, Mercedes GLE und Audi Q7 nicht verstecken muss.

Die deutsche SUV-Macht hat in der Oberklasse jüngst mächtig aufgerüstet. Der Audi Q7 bekam gerade erst Technik und Innenraum vom Q8, während BMW X5 und Mercedes GLE sogar komplett neu entwickelt wurden. Da will General Motors nicht zurückstehen und kontert die teutonischen Edelhochsitze mit dem neuen Cadillac XT6. Der trifft mit einer Länge von 5,05 Metern, bis zu sieben Sitzplätzen und seinem selbstbewussten Design ins Herz des Segments, das in den USA, China und Europa gleichermaßen hoch im Kurs steht. Allerdings hat der geneigte Cadillac-Interessent beim Antrieb keine Wahl. Aktuell ist der Luxusoffroader allein mit einem 3,6 Liter großen V6-Motor im Angebot verfügbar. Der Direkteinspritzer ohne Turboaufladung ist souverän, laufruhig und mit 229 kW / 310 PS allemal ausreichend kraftvoll. Doch ohne Aufladung liegt das maximale Drehmoment von 373 Nm erst bei üppigen 5.000 U/min an, weshalb sich der 2,1 Tonnen schwere Allradler aus niedrigen Drehzahlbereichen bei ambitionierten Leistungsabfragen etwas schwertut. Hat er erst einmal Drehzahlluft geschnuppert und die Nadel im analogen Cluster dreht sich über die 3.000er-Marke sieht es schon besser aus und es geht kraftvoll voran. Reifenbedingt liegt die Höchstgeschwindigkeit in den USA beim 180 km/h. Der 3,6-Liter-V6 sollte an sich jedoch Höchstgeschwindigkeiten jenseits der 220 km/h ermöglichen. Ein Sparwunder ist der Cadillac mit einem Realverbrauch von 12,5 Litern Super auf 100 Kilometern nicht; doch ein Schluckspecht ist der kleine Bruder des Escalade beim besten Willen nicht. Was in Europa fehlt, ist ein Diesel, während sich die Amerikaner über eine Plug-In-Version freuen würden.

Das Fahrwerk des XT6 ist mit Fokus auf den Heimatmarkt USA betont komfortabel, aber nicht zu schwammig ausgelegt. Das gilt auch für die Servolenkung, wobei die Bremsen gerade aus höheren Tempi bissiger zupacken könnten. Nicht überspielen kann der Allradler jedoch seine spürbaren Nick- und Wankbewegungen, die sich trotz McPherson-Federbeinen vorn und Mehrlenkerachse hinten gerade bei höheren Kurventempi im Innenraum bemerkbar machen. Wer ambitionierter unterwegs ist, sollte auch bei den vier anwählbaren Fahrprogrammen eine gewissen Vorausschau walten lassen. Der Zweiradmodus bedient ausschließlich die Vorderachse mit Motorleistung und das Fahrverhalten wird unharmonisch, indem die bis zu 310 PS nicht artgerecht auf den Boden gebracht werden. Deutlich besser, weil ausgewogener, sieht es im Allradmodus oder in den Fahrprogrammen Sport und Offroad aus, die jeweils alle vier Räder antreiben. Der Kraftfluss vom Sechszylinder an die beiden Achsen geschieht dabei über eine dezent im Hintergrund arbeitende Neungang-Automatik, die von dem Direkteinspritzer selbst bei engagierten Leistungsabfragen nicht vor große Aufgaben gestellt wird. Wer will, kann am Gangwahlhebel oder Lenkradtasten am Steuer manuell in die Gangwahl eingreifen. Macht in der Realität kein Mensch.

Überzeugen kann der über fünf Meter lange SUV aus Spring Hill / Tennessee mit seinem variablen Platzangebot. Vorne wie hinten sind die Platzverhältnisse mehr als großzügig und wenn es tatsächlich sein muss, lassen sich im Laderaum elektrisch auf Knopfdruck zwei zusätzliche Notsitze aus dem Boden herausfahren. Das Ladevolumen liegt zwischen 356 und 2.228 Litern. Der Ein- wie Ausstieg in die Reihe drei ist für alle beschwerlich und bereiten allenfalls kleinen Kindern bei der kurzen Wochenendpartie eine gewisse Freude. In der Reihe zwei können dagegen auch groß gewachsene Personen bequem sitzen und zugleich die Sitze beheizen lassen oder die Lufttemperatur nach Gusto variieren. Für Mobilgeräte aller Art gibt es im Innenraum eine Vielzahl praktischer Ablagen und Lademöglichkeiten; zwischen den Vordersitzen sogar eine induktive Ladeschale. All das passt zur guten Serienausstattung des Cadillac XT6, der in der mindestens 54.995 Dollar teuren Basisausstattung unter anderem beheizte Ledersitze, LED-Scheinwerfer, 20-Zoll-Radsatz, elektrische Ladeklappe, schlüssellosen Zugang und ein vernetztes Navigationssystem bietet, dessen Touchscreen mit acht Zoll jedoch deutlich größer sein dürfte. In Verbindung mit dem optionalen Premiumpaket (ab 71.585 Dollar) wird die Ausstattung um Details wie Luxusleder, elektrische Dämpferkontrolle, Head-Up-Display, klimatisierte Sitze und ein Bose-Soundsystem erweitert. Angenehm bei Nachtfahrten sind die lichtstarken LED-Scheinwerfer, deren Fernlicht sich bei Gegenverkehr jedoch komplett ausschaltet und nicht zeitgemäß ausrastert, wie das die Matrixmodule der Konkurrenz durchgängig können.

Letztlich bleiben bei dem neuen Amerikaner keine Wünsche offen und angesichts der Kombination aus Preis, Design, Platzangebot, Variabilität und Ausstattung kann man nur hoffen, dass der Cadillac XT6 bald auch den Sprung über den Atlantik nach Europa schafft, denn auch hier wäre er eine klasse Alternative zu den bekannten Premiummodellen aus Deutschland, Italien, England und Schweden. Was er bräuchte wäre jedoch mindestens eine zwei Motorvariante und da an einen Diesel wohl nicht zu denken ist, könnte ein Plug-In-Hybrid den ein oder anderen Kunden locken. Dann müsste man sich jedoch ebenso wie bei der Konkurrenz von der dritten Sitzreihe wohl verabschieden. Irgendwo müssen Batterien und Tank ja hin.
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Technische Daten
Antrieb:Allrad
Getriebe:Neungang-Automatik
Motor Bauart:V6 Motor
Hubraum:3596
Testwertung
4.0 von 5

Quelle: Autoplenum, 2019-10-14

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