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Testbericht

Sebastian Viehmann, 17. Januar 2011
Der aufstrebende Autobauer BYD wurde von der Realität eingeholt. Der Absatz brach 2010 ein, die Stromer-Revolution stockt. Doch der Konzern hat weiterhin ambitionierte Ziele, und der Fahreindruck im Hybridmodell F3 DM ist immerhin faszinierend.

BYD will weiter voran stromern. Das neueste Produkt der Chinesen ist der S6 DM, ein Geländewagen mit Hybridantrieb. Ein 140 PS starker Zweiliter-Benziner und zwei Elektromotoren teilen sich die Antriebsarbeit. Im Stadtverkehr genügt der Elektromotor an der Hinterachse zur Fortbewegung. Seit Ende 2008 baut BYD zudem den Plug-In-Hybriden F3 DM (Dual Mode). Der Wagen wird von einem 68 PS starken Dreizylinder-Benzinmotor mit einem Liter Hubraum, von einem 50 kW starken Elektromotor oder von beiden Motoren zusammen angetrieben. Allein mit der in den Batterien gespeicherten Energie habe der Wagen eine Reichweite von rund 96 Kilometern, sagt BYD-Ingenieur Patrick Duan. Zusammen mit dem Benzinmotor steige die maximale Reichweite auf 560 Kilometer.

Die kleine Kompaktlimousine lässt sich simpel bedienen. Mit einem Hebel wählt man die Fahrstufen vorwärts oder rückwärts, mit zwei Schaltern auf der Mittelkonsole bringt man den Antrieb entweder in den rein elektrischen Modus (EV) oder in den Hybridmodus (HEV). Bei einer kurzen Probefahrt konnte der F3 DM beeindrucken: Im reinen Elektromodus ist selbst eine Beschleunigung mit Vollgas möglich, ohne dass der Benzinmotor einspringen muss. Im Hybridmodus sorgt die Kombination beider Motoren für einen enormen Anzug, wobei der Start des Verbrennungsmotors kaum spürbar ist. Ein farbiges Diagramm am Instrumentenbrett informiert den Fahrer über die aktuelle Energieverteilung des Hybridsystems.

„Im Elektromodus fährt der Wagen so lange wie möglich allein mit seinen Batterien“, sagt Patrick Duan. Im Hybridmodus oder wenn die Batterie bis zu einem bestimmten Punkt entladen ist, springt der Verbrenner an. Er lädt über einen Generator die Batterie auf und hilft auch beim Antrieb. Die ruckfreie Beschleunigung und das reibungslose Zusammenspiel beider Motoren gefallen, die gefühllose Lenkung des Wagens weniger. Mit 4,5 Metern Länge bietet der F3 DM vier Passagieren recht bequem Platz, der Kofferraum ist allerdings ziemlich klein. In den USA will BYD den Wagen zum Preis von 28.800 Dollar pro Stück verkaufen. Die Wohnungsbaubehörde der Stadt Los Angeles hat bereits zu Testzwecken zehn China-Hybride in ihren Fuhrpark aufgenommen.

Beim Export von Elektroautos hat BYD allerdings stark auf die Bremse getreten. Ursprünglich für 2010 geplant, soll der 4,5 Meter lange Stromer E6 nun erst 2012 in die USA kommen. Die Mischung aus Minivan und Kombi wird von einem 75 kW starken Elektromotor angetrieben und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h. Für die US-Version habe man für bessere Crash-Sicherheit die Konstruktion des Wagens verstärkt, sagt BYD-Manager Paul Lin. Zudem wurde die Anordnung der Batteriepakete verändert, um mehr Platz im Innenraum zu schaffen. Was der Wagen in den USA kosten soll, verrät Paul Lin nicht.

BYD setzt im E6 und im Hybrid F3 DM Lithium-Eisenphosphat-Akkus ein. Diese Weiterentwicklung der Lithium-Ionen-Akkus gilt als sehr sicher für den Betrieb in Fahrzeugen, weil sich das Material nicht zersetzen kann. Allerdings ist die Kapazität etwas geringer als bei anderen Lithium-Ionen-Akkus. Im Stadtverkehr soll der E6 eine Reichweite von 300 Kilometern erzielen.In China ist das Elektroauto als Taxi in der Großstadt Shenzhen unterwegs, laut BYD wurden mit der Testflotte mehr als zwei Millionen Kilometer im Alltagsbetrieb ohne Probleme abgespult. „Die Taxen sind täglich im Schnitt 22 Stunden und 500 Kilometer lang unterwegs. Sie laden daher einmal am Tag an einer Schnellladestation auf“, so Paul Lin. Der Ladevorgang dauere 40 Minuten. 2011 will man die Taxen-Flotte angeblich auf 1000 Fahrzeuge aufstocken.

Der Automobilsektor ist für den Akku-Produzenten BYD nur ein Teil seiner Aktivitäten. Der Konzern entwickelt auch eine Reihe „grüner“ Produkte wie Solarzellen, Wechselrichter, solarbetriebene Straßenlaternen oder Energiesparlampen. BYD will sich in den drei Bereichen Solarenergie, Stromspeicherung und Elektromobilität als Anbieter von Systemlösungen etablieren. Auch einen rein elektrischen Bus haben die Chinesen im Angebot. Für den K9 suchen sie Käufer in den USA. In Los Angeles habe man bereits Interessenten gefunden, sagt Paul Lin.

Doch die Expansionspläne der Chinesen haben im vergangenen Jahr stark an Spannung verloren. Konnte sich der Daimler-Partner BYD 2009 noch über ein Verkaufsplus von 162 Prozent im Vergleich zum Vorjahr freuen, sackte das Wachstum im vergangenen Jahr auf 16 Prozent ab. „Die ursprüngliche Prognose von 800.000 Autoverkäufen mussten wir im Lauf des Jahres 2010 auf 600.000 nach unten korrigieren“, sagt Paul Lin. Letztlich wurden es 520.000 Autos, darunter waren lediglich 417 Fahrzeuge mit Elektroantrieb. Viele Händler reagierten sauer, einige lösten ihre Verträge auf.Im vergangenen Jahr wurde BYD auch noch wegen angeblich illegaler Landnutzung von der chinesischen Regierung gemaßregelt. Wie die Zeitung China Daily berichtet, habe der Konzern nicht alle nötigen Genehmigungen zum Bau von Fabriken auf Farmland eingeholt. Die Stadtverwaltung in Peking hat zudem der gesamten Autobranche in China einen Dämpfer erteilt: Im Jahr 2011 will man nur 240.000 neue Nummernschilder vergeben, was gleichbedeutend ist mit einer Beschränkung der PKW-Neuzulassungen. Denn ohne ein Pekinger Nummernschild darf man viele Stadtgebiete nur eingeschränkt befahren. Zum Ende jedes Monats werden 20.000 Lizenzen an Autokäufer verlost.

Mit den drastischen Maßnahmen will man das Verkehrschaos in den Griff bekommen. 2005 rollten in Peking 2,6 Millionen Autos, 2010 waren es schon fast doppelt so viele. Einige Autobauer haben für den Schritt der Stadtverwaltung sogar Verständnis geäußert. Auch Paul Lin hält ihn grundsätzlich für richtig: „In China werden zu viele Autos produziert, die Infrastruktur kommt da einfach nicht hinterher“, sagt der BYD-Manager. Wirklich geschockt vom Signal aus Peking waren vor allem die auf stetes Wachstum gepolten ausländischen Autobauer, die in China eine nie versiegende Quelle neuer Kunden sehen und das Riesenreich fest in ihre Expansionspläne integriert haben.
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Quelle: Autoplenum, 2011-01-17

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