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Testbericht

Benjamin Bessinger/SP-X, 5. Oktober 2011

Bond, immer wieder dieser Bond! Für eine kleine Handvoll Kinobesucher mag das ja ein berühmter Geheimagent sein. Doch für jemanden wie Johnny English zählen allenfalls die ersten beiden Ziffern seiner Personalkennung 007: eine doppelte Nullnummer. Denn der wahre Held des britischen Geheimdienstes ist – Bescheidenheit hin, Understatement her – natürlich er selbst. Und nun , wo er für den Film „Johnny English - Jetzt erst recht“ (Kinostart: 6. Oktober) aus dem tibetanischen Exil zurück kehrt, wird er das aller Welt auch endgültig beweisen.

Wie immer in solchen Spionage-Thrillern ist der Held nicht allein auf sich gestellt – selbst wenn es nur eine groteske Komödie ist. Sondern genau wie Bond hat auch Johnny English eine gut gefüllte Rüstkammer mit allerlei Spezialwaffen und natürlich ein passendes Agenten-Auto. Wo sich der arme Bond mit einem Aston Martin begnügen und zwischendurch sogar mal BMW oder gar Ford fahren musste, ist für Johnny English das Beste gerade gut genug. Daher kutschiert er mit einem Rolls-Royce über die Leinwand. Da passt es gut, das Schauspieler Rowan Atkinson, den alle Welt als Mr. Bean kennt, begeisterter Autosammler ist, selbst einen Rolls-Royce fährt und einen engen Draht zum Rolls-Royce-Chefdesigner Ian Cameron hat.  

Allerdings kann es für einen außergewöhnlichen Agenten kein gewöhnliches Auto geben. Deshalb hat Rolls Royce eigens für Johnny English einen ganz speziellen Phantom entwickelt. Zwar sind die Briten auch sonst für alle Sonderwünsche offen, weil die Kunden dafür gerne oft noch einmal den kompletten Kaufpreis zusätzlich bezahlen. Doch so anders wie das Film-Auto war noch kein Phantom. Denn statt des 6,75 Liter großen V12-Motors steckt unter der Haube nun der erste 16-Zylinder der Firmengeschichte. Und wenn man Insidern aus Goodwood glauben darf, dann fährt der Wagen damit sogar. Wie stark der neun Liter große Motor ist und wie schnell das Auto damit unterwegs ist, darüber verlieren die Briten natürlich kein Wort. Schließlich ist der Phantom mit dem Kennzeichen „JE 1“ das geheime Auto eines geheimen Agenten. „Schnell wie der Wind, nur leiser“, das ist alles, was sie sich dazu entlocken lassen.

Genauso wenige Worte machen sie über die Spezialausstattung des blauen Coupés mit der verführerischen weiblichen Stimme, gegen die Miss Moneypenny klingt wie eine alte Vettel. Klar, dass der Wagen kugelsicher ist, kann man sich denken. Und den Trick mit den Wechselkennzeichen kennt man schon von diesem anderen Stümper aus dem britischen Geheimdienst. Doch wie sie den Autopiloten mit Sprachsteuerung hinbekommen haben, oder wie sie kurz vor dem ersten Abschlag einen Satz Golfbälle in die Mittelablage zaubern, das bleibt wohl ein ewiges Geheimnis aus der Rüstkammer ihrer Majestät.

Nicht minder eindrucksvoll sind die Tricks mit der Sprachsteuerung und dem Autopiloten, die sich selbst von Johnny Englishs wirren Kommandos nicht aus der Fassung bringen lassen. Und wenn sich der Rolls-Royce mit einem Laserstrahl aus den Augen der Kühlerfigur „Spirit of Ecstasy“ den Weg durch die Wände freischneidet, dann versteht man, warum Atkinson von einem „guten Kumpel“ spricht: „Dieses Auto eilt seinem Besitzer zur Hilfe, wenn ihn alle anderen schon aufgegeben haben.“ Es hat einen Charakter, es spielt eine eigene Rolle und es hat am Ende eine wichtige Aufgabe, sagt der Schauspieler: „Wenn man so will, dann rettet dieser Rolls-Royce sogar die Welt – zumindest in unserem Film.“

Ob der 16-Zylinder-Phantom den Film am Ende heil übersteht und damit ein besseres Schicksal erleidet als die meisten Bond-Autos, das wird die Kinopremiere zeigen. Doch die Chancen stehen nicht gerade günstig. Denn erstens stolpert Johnny English mehr durch seine Abenteuer, als dass er sie wirklich meistert. Und zweitens ist Rowan Atkinson zwar auf der Leinwand ein begnadeter Komiker und im echten Leben ein absoluter Autonarr. Doch hinter dem Lenkrad hatte der Rolls-Royce-Fan und Rennwagensammler gerade ziemliches Pech. Denn die letzten PS-Schlagzeilen jedenfalls machte er als Bruchpilot am Steuer eines McLaren F1. Auch ein britisches Auto, ebenfalls extrem schnell – und genau wie der Phantom vor allem sündhaft teuer.

Ein Aston Martin ist offenbar doch nur was für Arme – zumindest unter den britischen Geheimagenten. Wer wirklich etwas auf sich hält im Dienste Ihrer Majestät, für den kann es nur einen Dienstwagen geben: einen Rolls-Royce. Deshalb fährt Johnny English in seinem neuesten Film einen Phantom – aber natürlich keinen ganz gewöhnlichen.

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Fazit
Ein Aston Martin ist offenbar doch nur was für Arme – zumindest unter den britischen Geheimagenten. Wer wirklich etwas auf sich hält im Dienste Ihrer Majestät, für den kann es nur einen Dienstwagen geben: einen Rolls-Royce. Deshalb fährt Johnny English in seinem neuesten Film einen Phantom – aber natürlich keinen ganz gewöhnlichen.

Quelle: Autoplenum, 2011-10-05

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