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Testbericht

Wolfgang Gomoll / Stefan Grundhoff, 10. März 2013
Mit dem Cayenne S Diesel will Porsche dem bulligen BMW X6 M50d den Rang bei den ultrastarken Selbstzündern im SUV-Segment ablaufen. Als schlagendes Argument führen die Zuffenhausener dabei den aufgebohrten V8-Bi-Turbodiesel mit 382 PS ins Feld.

\"Lass Dich niemals mit einem harten Puncher auf einen Schlagabtausch ein\", lautet eine der Grundregeln für technisch versierte Boxer. Wenn es nur immer so einfach wäre. Denn manchmal geht es einfach nicht anders und dann fliegen die Fäuste. Ohne Wenn und Aber. Genau mit dieser Attitüde steigen der BMW X6 M50d und der Porsche Cayenne Diesel in den Ring. Kein langes Geplänkel, kein abwartendes Abtasten. Der K.O-Schlag ist das Ziel. Dynamit haben beide genug in den Fäusten beziehungsweise unter der Motorhaube. Nominell sind die beiden Kombattanten absolut auf Augenhöhe: der Porsche hat 382 PS und ein Drehmoment von 850 Newtonmeter und der Bayer hält mit 381 PS und 740 Nm dagegen. Doch die Kraft kommt beim Zuffenhausener SUV aus acht Zylindern mit doppelter Turbo-Zwangsbeatmung, während es beim BMW deren sechs sind, die mit drei Ladern versehen sind. Durch eine elaborierte Abstimmung und den knackigen maximalen Einspritzdruck von 2.200 bar teilen sich die drei Lader die Arbeit auf und versorgen so den Reihensechszylinder-Selbstzünder mit Kraft.

Auch wenn beide Aggregate auf dem Papier fast identische Werte haben, zeigt sich einmal mehr der Wahrheitsgehalt der alten Weisheit: \"Hubraum ist durch nichts zu schlagen, als durch mehr Hubraum\". Der Porsche V8 liefert eine souveräne Leistung ab und beschleunigt das 2,2-Tonen-Gefährt fast schon mühelos bis zur Höchstgeschwindigkeit von 252 km/h während der Tacho 264 km/h zeigt. Die sämige Leichtigkeit des Vortriebs wird dabei von einem volltönigen, imposanten und bisweilen heißer röchelnden Klang untermalt. Nur wenn sich das 4,2 Liter-Aggregat bei hohen Drehzahlen anstrengt, merkt man, dass ein Selbstzünder am Werk ist.

Der X6 M 50d dreht rund 700 Umdrehungen höher als der Porsche-V8 und kann bei den Fahrleistungen durchaus mit dem Cayenne mithalten, aber der Münchener Sechszylinder wirkt deutlich angestrengter - auch akustisch. Das Triebwerk klingt brummig und auch die Kraftentfaltung ist bei weitem nicht so harmonisch wie beim Konkurrenten. Klar, der Triple-Turbo-Diesel aus Bayern ist und bleibt ein Klasse-Triebwerk, aber der Cayenne-Diesel ist eben besser. Der X6 schafft laut Tacho 254 km/h. Die größere Mühe mit dem 2,3 Tonner merkt man den X6 M 50d auch auf der Tankuhr an: Mit einem Durchschnittsverbrauch von 12,7 Litern, ist der Münchener um 0,5 Liter durstiger als der Zuffenhausener. Auch wenn der BMW in 5,3 Sekunden die 100-km/h-Marke passiert und daher auf dem Papier 0,4 Sekunden schneller ist als der Cayenne, wirkt der Porsche leichtfüßiger - und bulliger.

Bei der Agilität bewegen sich die Wettbewerber wieder auf Augenhöhe, da beide auf eine exzellente Getriebeautomatik, einen permanenten Allradantrieb mit einer elektronisch gesteuerten Lamellenkupplung setzen. Lediglich an der Hinterachse gibt es Unterschiede. Porsche erzeugt Einlenkdynamik durch Bremseingriffe am Rad, das durchzudrehen droht und indem mehr Drehmoment auf das kurvenäußere Rad geleitet wird. Bei BMW sorgt das Torque-Vectoring durch eine elektronisch geregelte aber mechanisch agierende Überlagerungskupplung für Querdynamik. Und das ist auch gut so. Eine alte Ingenieursweisheit sagt: Was man mechanisch machen kann, sollte man auch mechanisch machen.\" Das zählt auch beim Torque-Vectoring. Das Porsche-Bremseingriff-System macht einen so guten Job, dass die Unterschiede nur kurz vor dem Beginn des Grenzbereichs spürbar sind. Da hat aber BMW einen Vorteil. Auf der Vorderachse wirkt der Zuffenhausener agiler. Unterm Strich ist das luftgefederte Fahrwerk des Cayenne S Diesel, das sich bei Bedarf auch während der Fahrt absenken lässt, ein guter Kompromiss zwischen Komfort und Dynamik.

Im Innenraum punktet der Porsche mit einer hochwertigen Verarbeitung, die den BMW in den Schatten stellt. Vor allem im Bereich der Klima- und die Radioblende ist das Plastik nicht immer premium-like. Dafür punktet der Bayer beim iDrive-Bedienkonzept, das nach wie vor der Maßstab an Intuition ist. Dagegen erfordert die Knöpfe-Vielfalt, die im Porsche bis in den Dachhimmel reicht, erfordert zusätzliche Einarbeitungszeit. Hat man sich erst einmal mit dem Flugzeug-ähnlichen Cockpit vertraut gemacht, findet man auch die Funktionen schneller. Außerdem liegt das dickere BMW-Lenkrad deutlich besser in der Hand als der dünne Zuffenhausener Kranz. Besser sind dagegen die Sportsitze die Cayenne Diesel S, die sich deutlich variabler einstellen lassen. Nur hier sind Seiten- und sogar Oberschenkelwangen variabel anzupassen. Für einen Preis von 100.000 Euro darf man eben einiges erwarten. Der breite Kardantunnel sorgt beim Münchner für eine gewisse Enge. Da ist der Porsche luftiger. Das gilt konzeptbedingt auch für den Rest des Platzangebots. Im Fond spielt der konventionell geschnittene Cayenne seine Vorteile gegenüber dem SUV-Coupé mit der stark abfallenden Dachlinie aus. Bei Personen ab 1,80 Metern wird es im X6-Fond eng. Auch beim Kofferraumvolumen spielt der Bayer mit 570 bis 1.450 Liter gegenüber den 670 bis 1.780 Liter des Porsche die zweite Geige. Platz genug bieten aber beide.

Mit einem Grundpreis von 78.874 Euro ist der Porsche Cayenne S Diesel um 7.526 Euro billiger als der BMW. Der bietet dann auch solche Schmankerln, wie eine Niveauregulierung an der Hinterachse. Vernünftig ausgestattet, kosten beide um die 100.000 Euro. Auch wenn sich der konzeptionell ältere BMW X6 M50d mit dem modernen Triple-Turbo-Diesel kraftvoll einschlägt, hat der Cayenne S Diesel letztendlich aufgrund der Agilität und des grandiosen V8-Motors die Nase vorn.
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Testwertung
5.0 von 5

Quelle: press-inform, 2013-03-10

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