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Testbericht

Stefan Grundhoff, 15. April 2014
BMW führt mit der Modellpflege des X3 eine neue Motorengeneration ein. Ansonsten sieht der Bestseller X3 aus, wie sein Vorgänger.

Die bayrischen Modellpflegen der vergangenen Jahre waren zumeist optisch dünner denn je. Da macht auch der weltweit überaus volumenträchtige Crossover BMW X3 keine Ausnahme. Ein leicht verändertes Gesicht, optionale LED-Scheinwerfer und neue Innenraumdetails machen es den Kunden schwerer denn je, ihn ab Mai von der ausgelaufenen Modellgeneration zu unterscheiden. Auch bei den Triebwerken sind die Überarbeitungen allenfalls Feinarbeit - außer beim Zweiliter-Diesel. "Wir haben den B47-Motor komplett neu entwickelt", erklärt Dr. Niklas Fichtmüller, Projektleiter des X3, "effizienter ist in dieser Klasse kein anderer." Das unterstreicht auch Christian Bock aus der Antriebsentwicklung bei BMW: "Der Vierzylinder-Diesel ist schon noch als solcher zu erkennen, doch er ist deutlich leiser und sparsamer als bisher. Zudem zwei Kilogramm leichter."

Beim Kaltstart des zwei Liter großen Commonrail-Diesels, der mit 140 kW / 190 PS und 400 Nm maximalem Drehmoment nur marginal mehr leistet als die allemal effiziente Vorgängergeneration mit ihren 184 PS ist kaum ein Unterschied zu erkennen. Im Fahrbetrieb sieht das schon anders aus. Der Vollaluminium-Selbstzünder arbeitet deutlich vibrationsärmer und runder als bisher. Das Triebwerk des 4,66 Meter langen Bayern-Amerikaners arbeitet bis zu sechs Kraftstoffeinspritzungen von 2.000 bar. "Es ist eng mit der neuen Benzinergeneration verwandt und ist wahlweise in Längs- oder Querbauweise verwendbar", ergänzt Christan Bock. Die geringe Mehrleistung ist dem Euro6-Vierzylinder im Realbetrieb nicht anzumerken. Die Fahrleistungen sind mit 0 auf Tempo 100 in 8,1 Sekunden und einer Höchstgeschwindigkeit von 210 m/h zumindest etwas besser als zuvor.

Wichtiger waren den Entwicklern die Verbesserungen beim Verbrauch. "Hier setzen wir neue Maßstäbe in dieser Klasse", sagt Dr. Niklas Fichtmüller, "der X3 sDrive 18d kommt mit rollwiderstandsoptimierten Reifen auf fünf Liter oder 131 Gramm / CO2." Der Volumendiesel BMW X3 20d mit artgerechtem Allradantrieb ist mit 5,2 Litern kaum durstiger. Perfekt auf den Vierzylinder-Diesel abgestimmt zeigt sich bei den Testfahrten die Achtstufenautomatik aus dem Hause ZF. Das Start-Stopp-System funktioniert ebenfalls sanfter als bisher, könnte jedoch gerade beim Ampelstart noch weniger mucken. Neben den frei anwählbaren Fahrmodi, die auf Motorelektronik, Dämpfung, Lenkung und Nebenaggregate einwirken, trägt die Segelfunktion mit Leerlaufdrehzahl zwischen 50 und 160 km/h zu dem geringen Verbrauch bei. Hier wird der Antriebsstrang von der Achtgang-Automatik abgekoppelt, wenn der Fahrer den Fuß vom Gas nimmt.

Doch so sehr die Europäer auf den 190 PS starken Diesel des X3 20d und seine beiden stärkeren Brüder 30d und 35d mit 258 und 313 PS schauen; weltweit hat im BMW X3 längst der 245 PS starke xDrive 28i die Königsrolle inne. Dr. Niklas Fichtmüller: "Der macht weltweit insbesondere durch die USA und Asien rund 45 Prozent aller X3-Motorisierungen aus." Auf eine M-Performance-Sportversion insbesondere als Antwort auf den als Diesel und Benziner erhältlichen Audi SQ5 warten die dynamischen Bayern-Fans weiter vergeblich. Hier kämen bei den starken Sechszylindern nicht genug Stückzahlen zusammen. Vielleicht aber eben gerade weil eine solche Variante seit Jahren fehlt. Zumindest für die fast zeitgleich auf den Markt kommende Coupévariante des BMW X4 scheint eine Performance-Modell gesetzt. Das Fahrwerk das gut 1,8 Tonnen schweren X3 zeigt sich ausgewogen, jedoch auch im Komfortmodus unverändert stramm und bisweilen etwas hölzern gefedert. Vorbildlich: Geräuschniveau, Lenkung und Bremsen.

Im Innenraum gibt es nach der Modellpflege ebenfalls leichte Überarbeitungen. So blicken die Insassen auf geänderte Oberflächen, neue Innendekors und neue Details an Armaturenbrett, Sitzen und Ablagen. Unverändert gut blieb das Platzangebot. Im Fond finden zwei Personen ausreichend und eine dritte Person auf kürzeren Strecken genügend Platz. Der Laderaum fasst 550 bis 1.600 Liter. Im Gegensatz zu den zuletzt vorgestellten BMW-Modellen gibt es beim überarbeiteten X3 aus Spartanburg die elektrische Heckklappe nur gegen Aufpreis. Der Basispreis für den dünn ausgestatteten BMW X3 xDrive 20d mit Handschaltung liegt bei 41.100 Euro. Sinnvoll sind neben dem Gesamtpaket an Fahrerassistenzsystemen unter anderem die optionalen LED-Scheinwerfer und das Navigationssystem, das mit Echtzeit-Verkehrsmodus, seinen Connected-Drive-Funktionen und Apps nicht nur in dieser Klasse unverändert seinesgleichen sucht. Ein gut ausgestatteten BMW X3 mit dem 190 PS starken Diesel ist so jedoch kaum unter 55.000 Euro zu bekommen.
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Quelle: Autoplenum, 2014-04-15

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