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Testbericht

Stefan Grundhoff, 9. Oktober 2019
Endlich spielt BMW wieder ernsthaft in der ersten Liga der besten Luxuscoupés. Der 8er BMW muss sich gegen imposante Konkurrenten wie Bentley Continental GT, Mercedes S-Klasse Coupé oder Aston Martin DB11 nicht verstecken. Statt eines imageträchtigen V12-Triebwerks lässt das Topmodell als M8 eher den potenten Sportler raushängen.

Diesmal will man keine halben Sachen machen; diesmal nicht. In unseren Breiten ist der BMW M8 - wahlweise als Coupé, Cabriolet und viertüriges Gran Coupé angeboten - nur als Competition-Version auf dem Markt. Dann leistet der doppelt aufgeladene 4,4-Liter-V8 mächtige 460 kW / 625 PS und gewaltige 750 Nm maximales Drehmoment ab 1.800 U/min. Nur einige Märkte bieten den Kunden die 4,87 Meter lange 600-PS-Version ohne Competition-Annex an, die nicht nur etwas weniger Leistung und Ausstattung bietet, sondern bei 250 km/h abgeregelt ist. Der BMW M8 Competition darf mit seinem Hightech-Triebwerk nebst Zauberfahrwerk und einer nahezu perfekten Symbiose aus V8-Doppelturbo, Allradantrieb, adaptiven Dämpfern und Achtgang-Automatik 305 km/h schnell donnern. Das drohende Tempolimit der Neidgesellschaft wird mit einem grollenden Auspuffdonnern einfach hinweggeballert. Der Durchzug aus niedrigen Drehzahlen ist ein Traum, auch wenn der Bayer ein winziges Turboloch nicht vollends überspielen kann.

Das sonor brabbelnde Achtzylinder-Triebwerk ist ein wahrer Genuss. TwinPower Turbo Technologie mit zylinderbankübergreifendem Abgaskrümmer, TwinScroll-Twin-Turbo-Aufladung, indirekte Ladeluftkühlung, Benzin-Direkteinspritzung namens High Precision Injection mit einem maximalen Einspritzdruck von 350 bar, vollvariable Ventilsteuerung und variable Nockenwellensteuerung - wer das liest und sich etwas auskennt, dem werden die Hände nass und der Mund trocken. Hightech, Wahnsinn und was für ein Aufwand, um den über 1,9 Tonnen schweren Allradler mit seinen 2+0-Sitzen selbst auf der Rennstrecke zu einem Volltreffer werden zu lassen. Das Fahrgefühl: schlicht spektakulär. Nicht mehr und auf gar keinen Fall weniger. Man kann sich über die zerklüfteten Schürzen des 8ers aufregen, die überlange Nase monieren und sich am nicht zu übertünchenden Leergewicht von knapp zwei Tonnen stören, die in engen Kehren nach außen drückt, doch auf der Rennstrecke von Portimao zeigt das Coupé eine ebenso große Glanzleistung wie auf Autobahnen und kurvenreichen Landstraßen in der Umgebung.

So wünscht man sich ein Luxuscoupé: bullig, kraftvoll und elegant im Auftritt. Dazu eine tolle Kombination aus Antrieb und Fahrwerk, die den Fahrer in seinem belederten Sportgestühl träumen lässt. Die Möglichkeiten scheinen schier unbegrenzt. Lenkung, Bremsen, die feine Fahrwerksabstimmung und der bullig drehende Achtzylinder, der auch in hohen Drehzahlen noch Feuer hat. Doch genau der tolle V8 bietet einen kleinen Makel. Dieser ist klein - sehr klein, doch man spürt es beim Fahren durchaus. Denn der Unterschied zum bereits mehr als prächtigen kleinen Bruder dem BMW M 850i Coupé ist in der Realität nicht wirklich groß. Wer nicht im absoluten Grenzbereich unterwegs ist, wird es spüren. Vielleicht etwas zu klein. Das gleiche Triebwerk leistet im sehr ähnlichen Auto bereits 530 PS und 700 Nm. Okay abgeregelt wird bei Tempo 250, es fehlt etwas Spoilerornat, Details im Innern und das Fahrwerk federt anders an.

Doch wirklich gigantisch sind die Unterschiede gerade im Sport- / Sport-Plus-Programm nicht. Wir bei seinem viertürigen Bruder, dem kaum schlechteren BMW M5, wird der Allradler auf Knopfdruck zu einer Heckschleuder, indem die Vorderachse abgekoppelt wird. Macht in der Realität kein Mensch und ist daher absolut entbehrlich. Stattdessen sollte man jeden Meter genießen, dass der Koloss aus Bayern seine allzu üppige Motorleistung im Grenzbereich über alle vier Walzen auf den Boden bannt. Das aktive Sperrdifferenzial und eine Compound-Bremse lassen sich auf Wunsch um eine Karbon-Keramik-Bremsanlage erweitern. Dass sich die einzelnen Fahrmodi erstmals auch in zwei Bremsmodi unterscheiden lassen, braucht kein Mensch. Eine Bremse sollte genauso kalkulierbar wie eine Lenkung sein. Hier geht es um Vertrauen, Gefühl und eine erwartete Rückmeldung, um im Fall der Fälle die rechten Entscheidungen zu treffen

Aus dem Stand beschleunigt das BMW M8 Competition Coupé, das ebenfalls als schickes Sportcabrio mit nahezu identischen Leistungsdaten zu bekommen ist, in 3,2 Sekunden auf Tempo 100. Der Normverbrauch liegt zwischen 10,5 und 10,6 Liter auf 100 Kilometern. Leicht abgewandelt zeigt sich der Innenraum mit differenziertem Instrumentenpanel, konturierten Sportsitzen und einem Getriebewählhebel ohne Kristallauswüchse - angenehm. Die Sitze: toll. Das Leder: chic. Das Platzangebot: klasse - so lange sich niemand in den engen Fond zwängen muss. Der Laderaum fasst 420 Liter. Das hat seinen Preis: das BMW M8 Competition Coupé startet bei 168.000 Euro; das BMW M8 Competition Cabrio kostet mindestens 176.000 Euro. Und wer den M8 als viertüriges Gran Coupé will, muss noch mehr drauflegen.
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Technische Daten
Antrieb:Allrad
Getriebe:Achtgang-Automatik
Motor Bauart:V8 mit doppelter Turboaufladung
Hubraum:4395
Preis
Neupreis: 168.000 € (Stand: 2019-10-09)
Testwertung
5.0 von 5

Quelle: Autoplenum, 2019-10-09

Getestete Modelle
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