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Testbericht

Wolfgang Gomoll, 6. November 2012
Ein bulliger und doch seidenweicher V12-Motor und ein BMW 7er, der in der Langversion 14 Zentimeter länger ist. Das sind die wesentlichen Zutaten des 760 Li. Ist das Top-Luxus-Modell seinen hohen Preis wert?

Preisfrage: Wo steigt man in der Langversion einer Luxusklassen-Limousine ein? Klar, hinten!. Doch die Antwort muss sich jeder noch einmal überlegen, der in einem BMW-760-Li gesessen ist. Bevor falsche Vermutungen aufkommen, sei gesagt, dass es sich in dem 5,22 Meter langen Top-Modell der Münchner im Fond ganz hervorragend reisen lässt. Schließlich wird das Längenplus von 14 Zentimetern gegenüber der Kurz-Version des 7ers direkt in die Beinfreiheit. Die Luftfederung an der Hinterachse tut ihr Übriges, um das Reisen zum Komfort-Gleiten zu machen.

Doch bei aller Beinfreiheit und bei allem Business-Class-Feeling möchte wohl jeder das Lenkrad in die Hand nehmen, sobald der V12-Zylinder seine 544 PS und 750 Newtonmeter Drehmoment von der Leine lässt, stürmt der 544-PS-starke-Zwölfender mit einer Vehemenz nach vorne, die manchen Sportwagen alt aussehen lässt: Nach 4,6 Sekunden ist die 100-km/h-Marke erreicht. Allerdings muss man bei solchen Spurts immer ein Auge auf den Tacho werfen, da das real gefahrene Tempo nie beim Fahrer ankommt. Schließlich hat BMW einiges in die Geräuschdämmung investiert.

Der butterweich laufende Zwölfzylinder schnurrt gemütlich vor sich hin, ehe der beherzte Tritt auf das Gaspedal den Tiger weckt. Dann schwillt das zurückhaltende Säuseln zu einem sonor-vollmundigen Stakkato bestehend aus Verbrennung und Ausatmen aus zwölf potenten Kehlen an. Der Verbrauch ist angemessen: Der lange 7er genehmigt sich 12,9 l/100 km, das sind 0,1 Liter mehr als die Kurzversion. Im Vergleich mit der Konkurrenz schneidet die Münchner Top-Businessklasse durchaus noch gut ab. Ähnlich wie in Ingolstadt und Stuttgart bekennt man sich auch in der bayrischen Landeshauptstadt klar zum Zwölfzylinder und plant den Motor auch in der nächsten Modellgeneration einzusetzen. Märkte wie USA, Japan und China wollen genau eines: zwölf Brennkammern für die absolute Luxusklasse.

Bei aller kultivierten und im Überfluss vorhandenen Kraft, fährt sich der knapp 2,3 Tonnen schwere 760 Li durchaus agil. Nur bei wirklich schnell gefahrenen Kurven merkt man den Unterschied zur Kurz-Version. Da verhält sich der 760 Li etwas träger und springt nicht ganz so freudig um die Ecken. Der Passagier im Fond goutiert die Luftfederung an der Hinterachse. Der lange 7er ist vor allem fürs Gleiten gemacht und filtert zuverlässig alle Unebenheiten weg.

Deswegen ist auch der Wohlfühlfaktor entscheidend. Auch da punktet der stattliche Münchener. Das edle Leder und die bequemen Sitze machen den 7er zu einem schmucken rollenden Büro, in dem es sich gut arbeiten und reisen lässt. Während sich die äußeren Veränderungen im Rahmen halten, gibt es bei der Technik doch einiges Neues zu bestaunen: Je nach eingestelltem Fahrmodus verändert sich das TFT-Display. Geht es sportlich voran, werden die Rundinstrumente rot hinterlegt, bei ökologischer Fahrweise schimmern die Anzeigen blau und zeigen, wie spritsparend man dahinrollt. Wie bei der Kurz-Version sind auch die neue E-Mail-Diktierfunktion und der BMW-Nachtassistent (2.200 Euro Aufpreis), der auch Personen bei Dunkelheit anzeigt, zu haben.

Der Preis für das Vergnügen: 147.900 Euro, 9.800 Euro mehr als für die kurze Variante. Viel Geld für 14 Zentimeter, aber ein angemessener Aufpreis für die statusbewussten BMW-760-Li-Käufer in China. Allerdings lässt sich BMW auch beim Top-Modell viele begehrte Extras teuer bezahlen, sodass die 160.000-Euro-Marke schnell geknackt ist.
Testwertung
5.0 von 5

Quelle: Autoplenum, 2012-11-06

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