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Testbericht

Stefan Grundhoff, 8. Februar 2012
Luxuscoupés von einst drängen zunehmend in niedere Fahrzeugklassen. Das fahraktive Dreier-Coupé ist längst auch mit einem 184 PS starken Basisdiesel zu bekommen - auf Wunsch sogar mit Allradantrieb. Nicht nur im Winter eine interessante Kombination.

Der Winter kam in den europäischen Alpen dieses Jahr spät, aber heftig. Meterhohe Schneewände, Temperaturen von unter minus 20 Grad Celsius und verschärfte Straßenvorschriften in den winterlichen Alpenländern lassen die häusliche Frage nach einem Allradmodell in diesen Wochen präsenter denn je werden. Sportlich, elegant und dynamisch stehen die 3er Coupés von BMW in der Kundengunst bei vielen Interessanten ganz oben an. War der Allradanrieb auch bei BMW vor Jahren noch obligatorisch an die Topmodelle geknüpft, so lässt sich der 4x4-Antrieb mittlerweile quer durch alle Modellreihen auch mit kleineren Motoren kombinieren. Wieso nicht gleich das Coupé-Basismodell BMW 320d xDrive?

Wer zum Skifahren regelmäßig nach Österreich oder in die Schweiz aufbricht, wird es bemerkt haben: An immer Straßen in den Alpenregionen weisen Schilder darauf hin, dass eine Passage bei Eis und Schnee obligatorisch einzig mit Allradantrieb oder Schneeketten erlaubt sei. Wer allein mit Winterpneus auf dem rutschigen Terrain erwischt wird, muss bei Kontrollen tief in die Tasche langen. Die lokalen Ordnungsbehörden wollen so verhindern, dass sich Fahrzeuge bereits an kleinen Anstiegen fest fahren und den Verkehr zum Erliegen bringen. Für diejenigen, die diese Probleme in den letzten Jahren mitbekommen haben, kein abwegiger Gedanke.

Doch niemand zieht gerne Schneeketten auf und über den Komfort, mit aufgezogenen Ketten im Straßenverkehr unterwegs zu sein, muss man kein Wort verlieren. Mit einem Allradantrieb schlägt man im Gegensatz dazu gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe und sichert sich so weit mehr als einen stressfreien Wochenendausflug in die winterlichen Berge. Wer sich für einen Allradler interessiert, muss dabei nicht zwangsläufig zu einem SUV greifen. Wieso kein ordentlich motorisiertes Mittelklassecoupé wie den BMW 320d? Mit seinem Vierzylinder und munteren 135 KW / 184 PS ist der zwar kein Leistungswunder, aber allemal solide motorisiert. Der Commonrail-Diesel gaukelt einem nicht nur bei kaltem Wetter gar nicht erst vor, ein Benziner zu sein. Doch das Geräusch ist angenehm und die Drehfreude des Triebwerks erfreut nicht nur Fahrdynamiker.

Der Zweiliter-Diesel ist längst zum zentralen Triebwerk der bayrischen Modellpalette geworden. 1er, 3er, 5er, X1 oder X3 – fast alles, was bei BMW Rang und Namen im volumenträchtigen Produktportfolio hat, lässt sich auch mit dem Zweiliter-Diesel in Leistungen von 143 bis 218 PS bekommen. Der Selbstzünder hat seine Anfahrschwäche vergangener Zeiten im Laufe der letzten Überarbeitungen überwunden und ist mit 380 Nm Maximaldrehmoment ab 1.750 U/min kraftvoll unterwegs. Auch die Fahrleistungen sind mit 0 auf 100 km/h in 7,8 Sekunden und einer Höchstgeschwindigkeit von 232 km/h allemal sportlich nicht zu nennen. Wenn ihm etwas zusetzt, dann ist es das um rund 100 Kilogramm gestiegene Leergewicht der Allradversion. Denn statt der 1,5 Tonnen des 320d Coupés bringt das xDrive-Modell 1,6 Tonnen auf die Waage. Das reduziert die Höchstgeschwindigkeit um fünf km/h und erhöht den Verbrauch von 4,7 schmerzhaft auf 5,2 Liter. Doch diese Nachteile sind schnell vergessen, als es an Innsbruck vorbei Richtung Kühtai geht. Die Straße zum Hochplateau hinauf ist eisig und größtenteils mit Schnee überdeckt. Das 320d xDrive Coupé zieht mit stoischer Ruhe seine Bahn als am Straßenrand der Fahrer eines Peugeot 407 SW im leichten Schneetreiben mit klammen Händen die Ketten aufzieht.

Es geht steiler bergan und hier empfiehlt sich ein Druck auf den DTC- / DSC-Taster am Armaturenbrett. Im DTC-Modus lässt der optisch fast schon peinliche 16-Zoll-Winterradsatz des 3er Coupé mehr Schlupf zu. Mit deutlich mehr Dynamik geht es fortan hinauf ins 2.020 Meter hohe Kühtai. Gewohnt stark zeigen sich das straffe Fahrwerk, die präzise Lenkung und die stimmige Handschaltung. So viel Spaß kann ein Vierzylinder-Diesel machen. Die optionale Getriebe-Automatik kann man sich dabei getrost sparen. Das Paket aus Motor, Getriebe und Allradantrieb mit variabler Kraftverteilung passt prächtig, auch wenn man sich gerade in höheren Drehzahlbereichen mehr Leistung wünschen würde. Hier fehlt dem 320er die Souveränität eines Sechszylinders. Gerade bei kalten Temperaturen ist mit dem in Aussicht gestellten Normverbrauch von 5,2 Litern Diesel nichts zu machen. Im Praxistest verbrauchte der BMW 320d xDrive zwischen 7,3 und acht Litern – trotz Allradantrieb und 1,6 Tonnen viel zu viel für einen Vierzylinder-Diesel. Immerhin stand der Allradler gut im Futter und knabberte sich auf der Autobahn ohne große Probleme an die 240-km/h-Marke. Das ist Sechszylinderniveau.

So verlockend die Kombination aus einem sparsamen Vierzylinderdiesel und einem Allradantrieb ist – auch das Basismodell des 320d xDrive ist kein günstiges Fahrzeug. Im Gegenteil: denn der Basispreis von exakt 40.000 Euro (2.600 Euro Aufpreis für xDrive) erhöht sich mit der normalen Komfortausstattung aus beheizten Ledersitzen (ab 1.820 Euro), Bildschirmnavigation (teure 2.840 Euro), Bluetooth (300 Euro) und der nur optionalen Klimaautomatik (770 Euro) an die 50.000er-Marke. Serienmäßig gibt es immerhin Xenonlicht, eine manuelle Klimaanlage, Alufelgen und die geteilt umlegbare Rückbank. Der Sitzkomfort der 3er-Sportsitze ist vorbildlich, Bedienung und Anzeigemodule gehören zu den besten im Premiumsegment. Hier lässt es sich auch auf längeren Strecken aushalten. Und für 200 Euro gibt es die sinnvolle Skidurchreiche. Schließlich geht es gleich ab auf die Piste.
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Testwertung
4.5 von 5

Quelle: Autoplenum, 2012-02-08

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