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Testbericht

Wolfgang Gomoll, 14. Februar 2014
BMW betritt mit dem 2er Active Tourer Neuland. Um im umkämpften Kompaktvan-Segment Erfolg zu haben, müssen den Münchener den anspruchsvollen Spagat zwischen Praktikabilität und Fahrdynamik hinbekommen.

Vor fünf Jahren glühten die Telefondrähte zwischen der BMW-Technikschmiede FIZ und der Konzernzentrale. Eine Telefonkonferenz jagte die nächste, gefolgt von ellenlangen Sitzungen. Die Frage, an der sich die Gemüter erhitzten, war eine Grundsätzliche, die die Strategie des Autobauers maßgeblich beeinflussen sollte: "Ist ein Kompakt-Van mit Frontantrieb noch ein echter BMW?". Optisch ist die Antwort klar: Äußerlich reiht sich der 4,34 Meter lange B-Klassen-Konkurrent nahtlos in die Modellpalette der Münchener ein. Die Front mit der typischen Niere und den verchromten Lufteinlässen sieht schnittig aus, ebenso wie das Heck, das in der Luxury-Version eine Chromleiste ziert.

Doch ein schicker Anzug ist nicht alles. Bei einem Familien-Gefährt geht es vor allen Dingen auch um Praktikabilität. "Ich bin immer wieder mit einer 1,5-Liter-PET-Flasche zu den Interieur-Designern gegangen und habe ihnen gesagt, dass sie die unterbringen müssen", gibt der Leiter des Produktmanagements "untere Modellreihe" Dr. Frank Niederländer, einen Einblick in die tägliche Entwicklungsarbeit. Die Beharrlichkeit hat sich ausgezahlt: Die geforderten Plastikbehälter passen in alle vier Türablagen. Unterm Strich summiert sich das Fassungsvermögen im Innenraum auf über 35 Liter.

Dazu kommt ein Kofferraum mit einem Volumen von 468 bis 1.510 Liter. Auch wenn der Münchener Autobauer Neuland betritt, haben Sie ihre Variabilitätshausaufgaben gut gemacht: Van-Pflichtübungen, wie ein doppelter Ladeboden, eine niedrige Ladekante, eine verschiebbare Rückbank, einen umklappbaren Beifahrersitz und eine weit aufschwingende Heckklappe sind kein Thema. Darüber hinaus gibt es praktische Extras. Ein nach oben klappendes Gurtschloss in der Rückbank, erleichtern das Befestigen des Kindersitzes. Außerdem bietet BMW noch einen maßgeschneiderten Fahrradträger an, der Platz für bis zu drei Drahtesel bietet. Wenn es mit dem Active Tourer vollbesetzt auf eine Reise geht, wären vier besser.

Der zweite Teil der Turnübung, die Fahrdynamik, war laut Frank Niederländer leichter zu bewerkstelligen - auch wenn es sich beim Active Tourer um einen Van mit Frontantrieb handelt. "Da haben wir die Technikkompetenz im Haus", sagt der Produktmanager. Die Sitzposition ist zehn Zentimeter höher als beim 1er BMW. Dem Interieur ist das Ringen der Münchener um Wertigkeit deutlich anzumerken: Das Lenkrad liegt gut in der Hand, dazu verbreiten Klavierlack und feines Leder Wohlfühlatmosphäre. Das Head-Up-Display wird nicht wie BMW-gewohnt auf die Windschutzscheibe projiziert, sondern wie bei Peugeot Co. auf ein ausklappbares Display. Grund sind die schräge Windschutzscheibe, die eine technische Umsetzung des etablierten Systems schwer gemacht hätte und natürlich die Kosten.

Ein Schnäppchen ist der Active Tourer mit einem Einstiegspreis von rund 27.000 Euro nicht. Zur Markteinführung, die Ende September, Anfang Oktober über die Bühne gehen wird, stehen ein Dreizylinder-Benziner mit 136 PS (218i), ein Vierzylinder Benziner mit 231 PS (225i) sowie ein Vierzylinder-Diesel mit 150 PS (218d) zur Auswahl. Alle Aggregate sind Neuentwicklungen aus dem Motorenbaukasten. Später im Herbst kommen noch ein Dreizylinder-Diesel (216d), ein Vierzylinder-Selbstzünder (220d) und ein Vierzylinder-Benziner (220i). Für die Top-Versionen ist auch ein Allradantrieb vorgesehen. Im nächsten Jahr wird ein Plug-in-Hybrid folgen. Bei den Ausstattungslinien haben die Käufer die Wahl zwischen einer Luxury- und einer Sport-Linie, bei der die Sportsitze serienmäßig sind. Wem das noch nicht genug ist, der bekommt gegen Ende des Jahres noch das M-Paket mit strafferem Fahrwerk serviert. Damit ist eine weitere zentrale Vorgabe des Lastenheftes erfüllt: Nämlich die immer älteren Autofahrer und junge Familien an BMW zu binden.
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Quelle: Autoplenum, 2014-02-14

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