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Testbericht

Stefan Grundhoff, 17. Juli 2019
BMW stellt die neue Generation seines Einstiegsmodells Einsers auf eine Frontantriebsplattform. Auch wenn die BMW-Puristen stöhnen und meinen, die Bayern verkaufen ihren Markenkern: stören wird der neue Frontantrieb keinen, denn kaum jemand wird es merken.

BMW stieg spät und alles andere als konsequent in der europäische Kompaktklasse ein. Zunächst versuchte man es in den 90ern mit einer Kurzversion des BMW E36, der als Dreier Compact mit Pummelheck und Modulen des Vorgängers E30 zwar in Sachen Image passte, aber keine großen Lorbeeren erntete. Ähnlich wenig von Erfolg gekrönt war seinerzeit die Generation zwei, die als Ableger des E46 zwar technisch besser auf der Höhe war, aber ein Design bot, das viel Potenzial nach oben ließ. Als 2004 der erste echte Einser BMW gegen VW Golf, Mercedes A-Klasse, Alfa 147 oder Audi A3 kämpfte, setzten sich die Bayern mit ihren beiden Kernwerten in Szene. Der neue Einser BMW mit seinem Hinterradantrieb in dieser Klasse ein einzigartiges Fahrverhalten und zumindest in den Topversionen den exzellenten Reihensechszylinder, der Kunden verzückte und die Konkurrenz zur Verzweiflung brachte.

Beim neuen 1er, optisch knackiger und sportlicher denn je mit seiner stark ansteigenden Seitenlinie, hat sich BMW von diesen beiden Eigenschaften verabschiedet. Der Aufschrei war groß, aber kurz und verließ eher die Münder von eingefleischten BMW-Fans, denn die von echten Kunden. Grund: der Einsteiger-BMW ist in erster Linie in den schwachen Motorisierungen 118i und 118d ein Bestseller. In Sachen Fahrdynamik setzen beide Modelle kaum Maßstäbe und die ausgezeichneten Reihensechszylinder kennen beim 1er ohnehin die meisten nur vom hören sagen.

Vermeintlichen Kunden wird dagegen gefallen, dass der 1er BMW jetzt kraftvoller wirkt, innen auf dem Niveau des neuen 3ers rangiert und die Frontantriebsplattform ein paar Zentimeter mehr Beinraum in den Fond zaubert. Genau das war den Vorgängermodellen ebenso immer wieder vorgeworfen worden wie der schwere Einstieg in Reihe zwei. Jetzt alles kein großes Thema mehr, denn in der Tat gibt es im Fond etwas mehr Platz, denn der Knieraum wächst um 33 Millimeter, die Ellbogenfreiheit hinten um 13 Millimeter, wobei es vorn sogar mehr als vier Zentimeter mehr Innenbreite sind, die die neue Plattform offeriert.

Doch es sei einmal dahingestellt, ob am Platzangebot im Fond in der Historie wirklich derart viele vermeintliche Käufe gescheitert sind. In jedem Fall sitzt es sich ordentlich im neuesten Bayernmodell, der jedoch mit den Frontsitzen des 2er Active Tourers unterwegs ist und die könnten gerade im Schulterbereich mehr Unterstützung und Kontur bieten. Ansonsten gibt es einen großen Bildschirm, die bekannt einfache Bedienung und ein prall gefüllter Mitteltunnel, denn schließlich ist der 1er auf Wunsch als Allradler zu bekommen und gerade bei den leistungsstärkeren Varianten ist die Allradoption eine gute. Nahezu unverändert fasst der Laderaum 380 Liter (20 Liter mehr als bisher) und bei umgeklappter Rückbank sind es 1.200 Liter. Deutlich wichtiger ist da das sinnvolle Extra einer elektrischen Heckklappe, die man sonst nur von SUV und Kombis kannte.

Der BMW 118d kommt als Einsteigerdiesel mit 110 kW / 150 PS fraglos ohne Allradantrieb aus, wenngleich er beim starken Beschleunigen oder aus engen Kehren heraus spürbare Antriebskräfte auf Lenkung und Steuerrad nicht überspielen kann. Er ist nunmehr eben ein Fronttriebler. Zwar ein dynamischer, aber eben doch einer, dessen muntere 350 Nm ab niedrigen 1.750 U/min sich allemal spürbar an der Vorderachse bemerkbar machen. Nicht zu aufdringlich präsentiert sich das Geräuschniveau des zwei Liter großen Commonrail-Diesels, der den knapp 1,5 Tonnen schweren Frontriebler in aus dem Stand in 8,4 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigt und eine Höchstgeschwindigkeit von beachtlichen 216 km/h ermöglicht. Das sollte die meisten Kunden ebenso zufriedenstellen können wie das Fahrwerk, das nicht nur mit einer strammen, aber nicht zu straffen Abstimmung und einer nach wie vor sehr guten Lenkung erfreut. Der Normverbrauch des BMW 118d, der wahlweise mit Sechsgang-Handschaltung oder Achtgang-Automatik zu bekommen ist. Im Gegensatz dazu ist der schwächere BMW 116d mit seinen 116 Diesel-PS entweder mit sechs manuellen Gängen oder einem siebenstufigem Doppelkupplungsgetriebe unterwegs. Grund: er wird nur von einem Dreizylinder mit 1,5 Litern Hubraum angetrieben.

Wer sich schon nicht für den 190 PS starken 120d entscheidet, sollte es jedoch zumindest den mindestens 32.400 Euro teuren BMW 118d werden lassen. Das garantiert mehr Laufruhe des Motors, einen sparsamen Verbrauch und entsprechend gute Fahrleistungen, denn der 4,32 Meter lange BMW 1er ist schließlich weder ein kleines, noch ein leichtes Auto und da sollte es nicht zu wenig des Guten sein. Das gilt auch für die Serienausstattung, denn hier patzt der gute BMW 1er. Selbstverständlichkeiten wie LED-Scheinwerfer, 17-Zöller oder Navigationssystem gibt es weiterhin nur als teure Extras. Großer Beliebtheit dürften sich Optionen wie Head-Up-Display oder das große Panoramadach erfreuen. Vom größeren Dreier hat sich der neue BMW 1er verschiedenen Fahrerassistenzsysteme entliehen, die einen bei der Fahrt oder dem Parken unterstützen.
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Technische Daten
Antrieb:Frontantrieb
Getriebe:Achtgang-Automatik
Motor Bauart:Vierzylinder Commonrail-Diesel
Hubraum:1997
Preis
Neupreis: 32600 € (Stand: 2019-07-17)
Testwertung
4.0 von 5

Quelle: Autoplenum, 2019-07-17

Getestete Modelle
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