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Testbericht

Stefan Grundhoff, 11. September 2009
Das Projekt hat rund ein Jahr länger gedauert als geplant. Doch mittlerweile hat Thomas Bell in seinem Erstling die ersten Kilometer zurückgelegt. Der Bell Aurens Longnose ist fit für den ersten Afrika-Trip. Die Wüste bebt.

Zwei Männer hatten eines Tages eine wahnwitzige Auto-Idee. Thomas Bell und Holger Kalvelage, seit Jahren beide ausgemachte Land-Rover-Fans, wollten einen Geländewagen kreieren, wie es noch keinen gab. Viele Bekannte fanden die Idee einer Mischung aus Geländewagen und Wüstenroadster spektakulär – andere schüttelten nur ungläubig den Kopf. Drei Jahre nach den ersten abgehobenen Strichzeichnungen sitzt Thomas Bell nun am Steuer des ersten Prototypen. Sandfarben, rustikal und puristisch – genauso wie sich der Franke seinen eigenen Land Rover immer erträumt hatte. Der Mann ist zufrieden – das sieht man. Der TÜV hat gerade genickt. Es kann losgehen.

Die Windschutzscheibe ist schmal und Bell hat sie gleich nach vorne geklappt. Von einem Windschutz will man bei den beiden dünnen Roadstergläsern vor dem Armaturenbrett gar nicht erst reden. Die sind allenfalls schmückendes Beiwerk. Unter der fast zwei Meter langen Motorhaube brummt ein 4,6-Liter-V8 aus dem alten Range Rover. Geschaltet wird manuell über einen Cricketball und die einzig sinnvolle Informationsquelle im Cockpit ist ein Tachometer. Der stammt aus der britischen Smith-Manufaktur und dreht sich stilecht nach links. „Die Basis für diesen Wagen war ein Linkslenker; ein Land Rover der Serie III von 1967“, erzählt Initiator Thomas Bell, „aber ich wollte natürlich gerade bei dem ersten Modell einen Rechtslenker.“ Unten am Einstieg glänzt ein kleiner Union-Jack. Der Bell Aurens macht aus seinen britischen Genen keinen Hehl. Eineinhalb Jahre Planung und mehr als ein Jahr Bauzeit bei einer fränkischen Spezialfirma für Karosseriebauten hat es gedauert, ehe aus einem alten Serie-III-Modell ein kompletter Neuwagen wurde. Effektive Bauzeit: 3.500 Stunden.

Beim Bell Aurens Longnose beziehungsweise seinem Teileträger Land Rover III blieb keine Schraube dort, wie sie einmal war. So spartanisch wie das Cockpit zeigt sich der gesamten Wüstenfuchs. Mächtige Stollenreifen von Mickey Thomson nebst ebensolchen Spezialfelgen aus gleicher Produktion, dazu zwei rotbraune Lederschalen für Fahrer und Beifahrer – viel mehr bietet der Bell Aurens Nummer eins neben dem lederumflochteten Steuer seinen Insassen nicht. Heizung, Radio, Servolenkung oder Fahrhilfen hält Bell ebenso wie Dach oder Seitenscheiben für überflüssig. Folglich bietet der Land Rover mit der längsten Nase der Welt nichts von alledem. Wer mit ihm Gas gibt, dem stürmt es wild ins Gesicht. Ohne Brille geht ab Tempo 50 nichts und die Frisur hat sich bereits beim Anblick des offenen Wüstengefährts aus Ehrfurcht verabschiedet. Die Detailliebe der langen Nase ist aufreizend. Jede kleine Schraube, jede Mutter und jede Verbindung wirkt, als sei Leidenschaft das einzige, was bei diesem ungewöhnlichen Autoprojekt gezählt hätte. Die äußeren Türgriffe sind ebenfalls mit diesem robusten Leder aus Schweizer Produktion bezogen. Noch griffiger sind die rot-braunen Spanngurte über der geriffelten Motorhaube. Die haben Bell und sein Team gerade noch bei einem Sattelhersteller anfertigen lassen.

Immer wieder fällt der Blick auf das sehenswerte Bootsheck und die teils außen anliegende Auspuffanlage. Eine Einzelanfertigung, die die Skulptur des Vergasertriebwerks gekonnt nach außen fortführt. Der Klang des Achtzylinders – zum Niederknien. Ungewöhnlich unwichtig ist beim Bell Aurens Longnose übrigens die Motorisierung. Bereits das Basispaket ist mit dem gründlich überholten V8, seinen 235 PS und über 400 Nm mehr als flott unterwegs. „Tempo 200 sind damit auf jeden Fall drin“, so Bell. Wer es spektakulärer und noch lauter mag, dessen automobiler Traumverwirklichung stehen Tür und Tor offen. Panzer- und selbst Flugzeugtriebwerke bis 1.500 PS sind unter der langen Motorhaube ebenso machbar wie schwachsinnig – nur der Himmel ist die Grenze – und der Geldbeutel.

Denn bei einer Bauzeit von vier bis sechs Monaten interessiert es allzu wenig, wie teuer der betagte Land Rover der Serie 109 ist. Kostet der selbst im ordentlichen Pflegezustand kaum mehr als 5.000 Euro, so startet der charismatische Bell Aurens Longnose bei 150.000 Euro – zuzüglich Mehrwertsteuer. „Konkrete Anfragen kommen bereits aus der ganzen Welt“, so Thomas Bell, „zum Beispiel aus Australien, England, Deutschland und den USA. Aber gerade auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten wollen wir den Wagen ins Gespräch bringen. Er ist schließlich genau das richtige für lange Geradeauslaufpisten in der Wüste.“
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Quelle: Autoplenum, 2009-09-11

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