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Testbericht

Patrick Broich/SP-X, 26. Juli 2019
SP-X/Turin. „Heritage Hub“ steht vorsorglich schon einmal über den großen Pforten jener alten Fiat-Produktionsstätte in Turin-Mirafiori, wo früher vor allem Getriebekomponenten gefertigt wurden. Ergänzt wird der teils in alter Schreibschrift gehaltene Schriftzug von historischen Abarth-, Fiat- und Lancia-Emblemen mit dem Zusatz „Classiche“. Man ahnt es schon, hier findet der geneigte Besucher alte Schätzchen aus dem Hause Abarth, Fiat und Lancia. Doch es gibt noch ein Problem – derzeit hat das Museum gar nicht geöffnet für das Publikum. Außer Gruppen, die sich vorher anmeldet, haben nur Journalisten gesehen, was Italiens Automobilgigant hier angesammelt hat. Doch das soll nicht so bleiben, bis zum Herbst möchte FCA gerne eine Lösung finden, um das Museum für den Publikumsverkehr zu öffnen.Das Charmante an dieser riesigen Sammlung ist, dass man nicht nur unbezahlbare Rallyelegenden, Rennwagen oder Spezialanfertigungen betrachten kann, sondern auch bodenständige Kost aus den Fiat- und Lancia-Programmen der letzten Jahrzehnte. Dabei macht es die Mischung. Für eine reine Fiat Cinquecento-Ansammlung würde man vielleicht nicht den weiten Weg nach Turin auf sich nehmen, aber wenn daneben interessante Aerodynamik-Studien aus den Achtzigern stehen und beispielsweise ein Fiat 850 City Taxi Concept, dann macht das schon Appetit.Wer durch die heiligen Hallen des ehemaligen Werks Mirafiori stapft, erhascht einen Eindruck davon, wie die Fiat-Ingenieure auch an den kleinen Fahrzeugen mächtig getüftelt haben. Sie scheinen sich lange damit beschäftigt zu haben, wie der heute mit Hassliebe konfrontierte Multipla der Neunziger auch ausgesehen haben könnte. Oder wie eine offene Panda-Variante gewirkt hätte. Diverse Konzepte von Klein- und Kompaktfahrzeugen sind dort ebenso zu sehen wie ehemalige Massen-Autos, die man heute zu den Kuriositäten auf der Straße zählen würde, weil sie mittlerweile schlicht weggerostet sind und in Deutschland vielleicht nicht unbedingt Verkaufsschlager waren.Wann sieht man denn schon noch einen Ur-Uno oder einen Autobianchi A112 als Abarth-Ausführung? Dazwischen wiederum entdeckt der aufmerksame Betrachter frühe Cinquecento aus den Neunzigern und frühe Cinquecento der Fünfziger mit Selbstmördertüren. Und wer noch nicht wusste, dass auch Fiat sich ab den Fünfzigerjahren an urigen Geländewagen versuchte, kann hier im alten Werk diverse Campagnola kennenlernen. Noch bis weit in die Achtziger lieft der robust scheinende Geländewagen als Nuova Campagnola vom Band und erinnert optisch an die Legenden à la Land Rover oder Land Cruiser aus der Zeit.Wer ein paar Gänge weiterläuft, kann sich ein Bild davon machen, welch prächtige Marke Fiat in den automobilen Pionierjahren einmal war – diverse Balilla-Modelle lassen ahnen, dass man selbst vor dem zweiten Weltkrieg kommod unterwegs sein konnte, wenn die entsprechenden Mittel vorhanden waren. Die Mobilität für Massen kam erst deutlich später, und das ist es, wofür Fiat insbesondere stand, wie die vielen Cinquecento, Uno und Punto jeglicher Couleur belegen.Wer Ruhm und Reichtum besaß, konnte das Modellprogramm kurzerhand anpassen: So wurde der oberklassige Fiat 130 mit großem Sechszylinder einfach zum Kombi umgebaut, eigentlich fast ein bisschen stillos von der Familie Agnelli, die den entsprechenden Auftrag erteilte.Wer Stil hatte, ging vielleicht ohnehin zu Lancia. Auch hier bietet das Museum neben den schier unbezahlbaren Preziosen bodenständige Kost. Y10 und Ypsilon sind die Stichwörter – Lancias ewiger Kleinwagen, der seit den Achtzigern produziert wird und immer noch zu kaufen ist. Ganz tot ist die Marke also noch nicht. Darüber hinaus kann man sich im Heritage Hub den zivilen Delta der Achtziger ebenso anschauen wie die heißgemachten Rallye-Versionen alias Integrale, für die Liebhaber heute mehrere zehntausend Euro hinblättern.Gleich daneben stehen mehr oder weniger exotische Kandidaten wie Fulvia Coupé, Trevi, Gamma und Thema – hier kann man sich durchaus anregen lassen und vielleicht selbst mal in den einschlägigen Börsen suchen, teuer sind solche Autos nicht. Zu Lebzeiten handelte es sich, sieht man von der Fulvia ab, um glücklose Vertreter von der Kompakt- bis zur gehobenen Mittelklasse.Doch zugegeben, das Salz in der Suppe bei solchen Museen sind natürlich Sehnsuchts-Automobile vom Schlage eines Lancia Flaminia Coupé Loraymo oder Abarth 1000 Monoposto. An solchen Exponaten mangelt es dem Heritage Hub freilich auch nicht – diverse Sonderausstellungen präsentieren viele verschiedene Fahrzeugarten von der raren Studie bis zum kostbaren Rennwagen. Insgesamt kann man über 250 Autos bestaunen.Schlendert man weiter durch die Gänge in Richtung Hallenende, findet man fast beiläufig fünf oder sechs Alfa 8C sowohl als Coupé und Spider in den Reihen stehen, fast ein bisschen lieblos – immerhin Klassiker, die auf den Schönheitswettbewerben der Oldtimer-Scene glänzen. Offiziell stehen im Heritage Hub ja keine Alfa, Ferrari oder Maserati – dafür gibt es schließlich eigene Museen in Arese und Maranello. Einen 8C Spider prominent am Eingang zu platzieren, konnten sich die Macher des Hub dann aber doch nicht verkneifen. Der rare und teure Achtzylinder-Alfa Romeo ist vielleicht einfach zu schön, um zu fehlen.Der FCA Heritage Hub, eine alte Produktionsstätte, die der italienische Konzern zum Museum für alte Abarth-, Fiat- und Lancia-Modelle umgebaut hat, beherbergt spannende Exponate rund um die Firmengeschichte. Bald soll die Kollektion auch für die Öffentlichkeit zugänglich sein, die hier nicht nur Traumautos finden kann.
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Fazit
Der FCA Heritage Hub, eine alte Produktionsstätte, die der italienische Konzern zum Museum für alte Abarth-, Fiat- und Lancia-Modelle umgebaut hat, beherbergt spannende Exponate rund um die Firmengeschichte. Bald soll die Kollektion auch für die Öffentlichkeit zugänglich sein, die hier nicht nur Traumautos finden kann.

Quelle: Autoplenum, 2019-07-26

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