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Testbericht

Wolfgang Gomoll / Stefan Grundhoff, 6. Januar 2015
Nicht zum ersten Mal ist eines der großen Themen auf der CES das autonome Fahren. Kein Messestand eines Autobauers, an dem nicht irgendein Vehikel ohne Fahrer durch die Gegend rollt. Doch was ist wirklich neu?

Um Autos sich selbst zu überlassen, ist eine aufwendige Software nötig, die das Verhalten von Menschen vorhersieht. Diese elektronische Empathie ist ein Schritt hin zur künstlichen Intelligenz. Ende des Jahrzehnts soll es soweit sein. Dann sollen sich Autos von selbst durch den Verkehr kämpfen. Egal ob in der Stadt, auf der Landstraße oder auf der Autobahn. Die ersten Schritte zu diesem autonomen Fahren sind bereits gemacht. Der Stauassistent, wie er in der Mercedes-S-Klasse zu haben ist, übernimmt im Stopp-and-Go-Verkehr bereits das Steuer.

Mercedes bereitete sich mehr als eineinhalb Jahre auf die Consumer Electronic Show 2015 vor. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, brachten die autonomen Schwaben doch ein eigens kreiertes Forschungsfahrzeug mit nach Las Vegas. 5,22 Meter lang bietet es Platz für vier Personen und nahezu unbegrenzte Innovationen. Die zwei Elektromotoren mit einer Maximalleistung von 200 kW / 272 PS, von einer Brennstoffzelle gespeist, stehen dabei ebenso im Hintergrund wie 200 km/h Spitzentempo oder ein Verbrauch von 0,6 Kilogramm Wasserstoff auf 100 Kilometern. Selbst die maximale Reichweite von 1.100 Kilometern interessiert bei dem silbernen Zukunftstraum auf 26-Zoll-Rädern allenfalls am Rande. Der Mercedes F 015 Luxury in Motion kann sich in mittlerer Zukunft völlig eigenständig durch den Verkehr bewegen. Für alle Fälle gibt es Pedale und ein Lenkrad; real werden die Insassen jedoch allein das Ziel eingeben und sich auf Drehstühlen dann Arbeit, Entspannung oder Telefongesprächen widmen. Der Innenraum ist übersäht mit mächtigen Displays. Fahrspaß war gestern; die Freude am Fahren von morgen ist der reale Zeitgewinn während der Fahrt. "Wer nur an die Technik denkt, hat noch nicht erkannt, wie das autonome Fahren unsere Gesellschaft verändern wird. Das Auto wächst über seine Rolle als Transportmittel hinaus und wird endgültig zum mobilen Lebensraum", unterstreicht Daimler-Chef Dieter Zetsche.

Um diese ehrgeizigen Ziele erreichen zu können, geht Daimler eine Kooperation mit dem südkoreanischen Technologie-Konzern LG ein. LG stellt Flachbild-Fernseher, Smartphones, Display und Kameras für Automobile her. Ergänzend zu dieser LG-ADAS (Advanced Drive Assistance System)-Technik bringt Daimler seine 6-D-Technologie in die Partnerschaft ein. Gemeinsam wollen LG und Mercedes-Benz neue Kameras und Sensoren entwickeln, um der Vision vom automatisierten Fahren ein Stück näher zu kommen.

Aber auch die Premium-Konkurrenz aus München und Ingolstadt legt die Hände nicht in den Schoß. Vor zwei Jahren zeigte Audi bereits, wie man sein Auto per Smartphone im Parkhaus abstellt und wieder abholt, ohne dass ein Fahrer nötig wäre. BMW zieht jetzt nach. Der "Valet Parking Assistent" im i3 findet sich im Parkhaus ganz ohne Fahrer zurecht. Basis für dieses Orientierungsvermögen sind vier Laserscanner, die die Umgebung rings um das Auto ständig überwachen und ein digitalisierter Lageplan des Parkhauses. Da diese Technik auch zur Kollisionsvermeidung dient, reagiert das führerlose Fahrzeug auf unvermittelt auftretende Hindernisse, wie etwa stehende Autos oder Menschen, die zu ihren Fahrzeugen eilen, umfährt diese oder bremst ab. Damit müssen die Parkhäuser nicht mit Sensoren, die bei der Führung des Vehikels helfen, nachgerüstet werden, da das Automobil die nötige Technik schon an Bord hat. Der große Öffnungswinkel der Laserscanner und die Genauigkeit des Abtastens auch auf eine größere Entfernung hinweg, sprechen für diese Art der Sensoren. Um das vollständig automatisierte Fahren Realität werden zu lassen, ist aber eine Kombination aus mehreren Abtaster-Arten nötig. Zum Beispiel eignen sich 3-D-Kameras, um Bewegungen von der Seite zu erfassen.

Wie einst Michael Knight in der 80er Jahre-Kult-Serie "Knight Rider" seinen schwarzen Auto-Kumpel KITT per Uhr mit den Worten "KITT; hol\\\' mich hier raus" anforderte, fährt auch der BMW auf das Kommando per Smart Watch selbstständig wieder vor. Mit dem Fahrer an Bord, stellt sich den Ingenieuren die Frage des Eingriffsdilemmas: Wann übernimmt die Elektronik das Steuer, ohne den Piloten zu bevormunden. Um dies zuverlässig vorhersagen zu können, ist eine immense Rechenpower und eine ausgefeilte Software nötig, die die Entscheidungen des Faktors Mensch richtig vorhersagt. Diese Art der Empathie kannte man bisher von Maschinen nicht.

Interessant ist auch, dass dieser Parkvorgang ganz ohne GPS-Signal, mit dem Navigationssysteme den Standort des Autos ermitteln, möglich ist. Mit digitalisierten Karten, wie sie in jedem Navigationssystem vorliegen, wäre dies ebenfalls denkbar. Dann könnte das automatisierte Fahren auch funktionieren, wenn das GPS-Signal einmal ausfallen sollte. Dieser Technologie gehört offenbar die Zukunft. Audi setzt auf einen Laserscanner, der mit fast 100.000 Infrarot-Lichtimpulse die Fahrtstrecke vor dem Auto bis zu einer Weite von 80 Metern abtastet.

Auch bei Volkswagen tastet man sich an das automatisierte Fahren heran. Wenn auch mit kleineren Schritten. Der "Trained Parking Assist" ist in Zukunft in der Lage, sich ein Einpark-Manöver zu merken und dieses dann selbstständig auszuführen. Audi ließ einen Prototypen-A7 die rund 900 Kilometer lange Strecke von San Francisco nach Las Vegas autonom und ohne Zutun eines Fahrers zurücklegen. Fahren, abbremsen, ausscheren und überholen - alles wie von Geisterhand. Nur noch eine Frage der Zeit, wenn die Innovationen nicht allein auf der CES in Las Vegas zu bestaunen sind.
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Quelle: Autoplenum, 2015-01-06

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