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Testbericht

Sebastian Viehmann, 26. März 2011
Italien feiert 150 Jahre Staatsgründung, die Autobauer feiern mit. In Turin erstrahlt das Automobilmuseum in neuem Glanz. Die Designschmiede Pininfarina hat ein paar ihrer größten Schätze beigesteuert.

„Jetzt haben auch wir ein Facelift bekommen“, freut sich die Leitung des Museo Nazionale dell’Automobile di Torino. 33 Millionen Euro hat der Auto-Tempel in den vergangenen Jahren in die Restaurierung und Erweiterung investiert. Der bekannte Architekt Cino Zucchi und der Filmset-Designer Francois Confino haben das 19.000 Quadratmeter große Ausstellungsgelände umgekrempelt. 200 Fahrzeuge von 85 verschiedenen Marken werden aufwändig in Szene gesetzt, das älteste Exponat stammt aus dem Jahr 1769.

Auch wenn vom Trabi über den berühmten Willys Jeep der amerikanischen Armee bis hin zur Ente die automobilen Ikonen aus aller Welt vertreten sind, machen die italienischen Klassiker natürlich die eigentliche Faszination des Museums aus. Der ziemlich abgedroschene Begriff „Bella Macchina“ ist denn auch wirklich gerechtfertigt. Es beginnt ganz volksnah mit Autos wie dem ersten Fiat aus dem Jahr 1899 oder dem ersten Exportmodell Fiat 12/16 HP. Das Kontrastprogramm dazu bilden fast vergessene Preziosen wie der Isotta Fraschini 8A. Der italienische Schauspieler Rodolfo Valentino, ein großer Star der Stummfilm-Zeit, kaufte sich einst diese luxuriös ausstaffierte Limousine.

Ebenfalls zu sehen ist der Cisitalia 202, eines der schönsten Modelle des ehemaligen Sportwagenbauers. Der Wagen wurde auch „fahrende Skulptur“ genannt und in mühevoller Kleinarbeit bei der Designschmiede Pininfarina restauriert. Das Coupé mit Stahlrahmen und Aluminiumkarosserie wurde nur 170 mal gebaut. Battista Pinin Farina, Gründer des legendären Designbüros, erlangte durch den Cisitalia weltweite Beachtung. Selbst ins New Yorker Museum of Modern Art hat es das zeitlos elegante Coupé geschafft. Auch Francois Confino zeigte sich von dem Wagen beeindruckt: „Wenn ich ein Auto aus der Sammlung stehlen müsste, dann würde ich den Cisitalia nehmen“, so der Gestalter des neuen Museums.

Pininfarina steuert aber noch andere Schätze aus der eigenen Historie zur Turiner Sammlung bei. Dazu gehört der Lancia Flaminia Presidenziale von 1960. Nur vier Exemplare der Präsidentenlimousine wurden gebaut, noch heute kommt sie bei großen Paraden zu Ehren. Der ehemalige Präsident Giovanni Gronchi persönlich hatte den Wagen bei Pinin Farina in Auftrag gegeben. Das in Turin gezeigte Exemplar wurde zum ersten Mal 1961 beim Staatsbesuch von Queen Elizabeth eingesetzt.

„Das neue Museum ist ein wichtiges Lebenszeichen für Turin“, sagt Paolo Pininfarina, Chef des Designbüros. Für ihn sei Turin immer noch die „unbestrittene Hauptstadt des Automobils“. Damit auch in Zukunft die schönsten Formen in Italien in Blech gegossen werden, betreibt das Museum Nachwuchsarbeit. In einer speziell für Schüler und Studenten gedachten Abteilung können Autoschöpfer in spe Interviews mit berühmten Designern lauschen.

Der schönste Lebensbeweis für italienisches Design war zuletzt der Pininfarina 2uettottanta, der 2010 zum 80. Geburtstag des Unternehmens entstand. Es war im vergangenen Jahr der Publikumsmagnet auf dem Genfer Salon und heimste den Preis „Car Design of the Year“ ein. Der 2uettottanta ist ein Tribut an Alfa Romeo und erinnert nicht nur im Namen an den Duetto Spider von 1966. Die leicht geschwungene, aber völlig schnörkellose Seitenlinie läuft in einer dezenten Falz nach hinten, zwei schmale LED-Scheinwerfer blitzen unter der breiten Haube hervor. Das Heck erinnert an ein schnittiges Motorboot und geht in Richtung Cockpit fließend in zwei Höcker über, die vor den Kopfstützen abschließen.
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Quelle: Autoplenum, 2011-03-26

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