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Testbericht

Sebastian Viehmann, 18. Dezember 2009
In Dubai und Abu Dhabi hat man es nicht nur auf der Straße gern größer. Vom gigantischen Ferrari-Freizeitpark bis zum Jeep von der Größe eines Einfamilienhauses findet man Superlative en masse. Wer Spuren der Krise sehen will, muss schon danach suchen.

Falls Schumi in der nächsten Formel 1-Saison wirklich im Mercedes-Cockpit auf dem Grand Prix-Kurs von Abu Dhabi seine Runden drehen sollte, hätte er seine Vergangenheit stets vor Augen. Denn nicht weit entfernt von der Strecke steht der ultimative Tempel für Schumis ehemaligen Rennstall: Die Ferrari World, ein Freizeitpark der Superlative, neben dem die Erlebniswelt Nürburgring wie ein lahmes Kinderkarussell wirkt. Auf 200.000 Quadratmetern und mit dem größten jemals kreierten Ferrari-Logo auf dem Dach soll die Ferrari World ab 2010 Fans der Kultmarke aus aller Welt anziehen.

Zu den Highlights zählt laut einer Pressemitteilung die mit mehr als 200 Km/h schnellste Achterbahn der Welt, bei der die Züge ins Dach der gigantischen Halle eintauchen und dann auf einem verschlungenen Kurs durch die Wüste flitzen. Dazu kommen eine Wildwasserbahn, die durch die Nachbildung eines Ferrari 599-Motors fährt, Rennsimulatoren aus der Formel 1 und natürlich zahllose Geschäfte, in denen sich alles um die italienische Kultmarke dreht. Allein das riesige Gebäude aus Stahl und Glas mit dem knallroten Dach und dem 65 Meter langen Ferrari-Logo überspannt 86.000 Quadratmeter, das entspricht etwa 21 Fußballfeldern. 2010 soll der größte Indoor-Freizeitpark der Welt die Pforten öffnen. Gebäude und Achterbahn stehen schon, auf der Baustelle herrscht reger Betrieb.

Der überdimensionale PS-Tempel befindet sich auf Yas Island in Abu Dhabi und soll gemeinsam mit dem 5,5 Kilometer langen Grand Prix-Kurs (Yas Marina Circuit) zum Mekka für Touristen werden. Park und Rennstrecke liegen 10 Minuten vom Internationalen Flughafen und eine knappe Autostunde vom Emirat Dubai entfernt, das mit Superlativen auch nicht gerade knausert. Die größte Shopping-Mall der Welt mit 1200 Geschäften und zahllose weitere Bauprojekte wurden in den vergangenen Jahren im Rekordtempo aus dem Boden gestampft. Dazu gehört auch der höchste Turm der Welt, der 818 Meter hohe Burj Dubai, der vor allem nachts eine hell erleuchtete Landmarke ist. Der Bau-Boom war so rasant, dass selbst die Navigationssysteme neuer Autos manchmal ganze Straßenzüge noch nicht verzeichnet haben.

Bei längerer Betrachtung stehen viele Kräne allerdings verdächtig still, und nachdem das Nachbaremirat Abu Dhabi dem in finanzielle Nöte geratenen Dubai mit einer kräftigen Finanzspritze aus der Patsche helfen musste, dürften in Zukunft auch die Uhren am Golf etwas langsamer gehen. „Die Aufträge in der Bauindustrie sind um 20 Prozent zurückgegangen, doch gleichzeitig steigen die Gewinnspannen“, sagt Abdul Jabbar Gargash, Bauunternehmer und Mercedes-Importeur in Dubai. „Dies ist immer noch eine reiche Region. Und wo findet man schon eine Stadt, die so gut ausgestattet und so sicher ist wie Dubai?“ meint Gargash.

Während manche Berichterstattung fast den Eindruck erweckt, als würden sich bald verarmte Scheichs um brennende Tonnen versammeln, spricht das Straßenbild Dubais jedenfalls eine andere Sprache: Supersportwagen und Luxuslimousinen rollen im Akkord über die Boulevards. Der Markt der Luxusautos bleibt stark, manche Hersteller verkauften trotz Krise im Jahr 2009 sogar mehr Autos als 2008. Wer allerdings in Dubai seinen Arbeitsplatz verliert, hat nichts zu lachen: Nach 30 Tagen ohne Job müsse man das Land verlassen, erzählen „Expats“ – so nennt man im Emirat die ausländischen Gastarbeiter. Angeblich haben Krisenflüchtlinge zu Tausenden ihre Autos nicht mehr rechtzeitig vor der Abreise verkaufen können und ließen sie herrenlos am Flughafen zurück.

Auf einem kleinen Parkplatz in Flughafennähe und einem weiterem, deutlich größeren Platz direkt neben der Polizeiakademie in Jumeirah findet man tatsächlich zahlreiche staubbedeckte Autos, oft älteren Baujahrs und ohne Nummernschild. Doch bei wie vielen davon es sich tatsächlich um Autos von Wirtschaftsflüchtlingen handelt, lässt sich kaum sagen, offiziell gibt es dazu kein Statement. „Es gab Fälle, in denen Leute ihr Auto zurückgelassen haben und Entschuldigungsbriefe ins Handschuhfach legten“, meint Fremdenführer Yaqoob Hafiz vorsichtig. Doch es könnten auch Autos darunter sein, die Leute nach einer Unfallflucht abgestellt hätten. Außerdem kann die Polizei Autos nicht nur wegen Sicherheitsmängeln aus dem Verkehr ziehen – in Dubai muss jeder Wagen einmal pro Jahr zum TÜV – sondern schon dann, wenn sie wegen vieler Dellen und Kratzer besonders unansehnlich sind.

Wie auch immer sich die Krise in der Zukunft noch auswirken wird, die Lust der Scheichs an ihrer XXL-Autowelt dürfte Bestand haben. Da wundert es auch nicht, wenn mitten in der Wüste plötzlich ein Jeep Willys auftaucht – als naturgetreues Modell von der Größe eines Einfamilienhauses. Direkt dahinter parkt ein ausrangiertes Verkehrsflugzeug der Marke Lockheed Tristar. Ein Scheich macht mit diesen Preziosen auf sein Automuseum aufmerksam. Sicher, ein Schild hätte es auch getan. Aber das haben schließlich alle.
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Quelle: Autoplenum, 2009-12-18

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