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Testbericht

28. Oktober 2015

Eigentlich ist ein Audi A4 Avant bislang immer ein Lifestyler gewesen. Einer, der vor der Oper eine bessere Figur machte als vor dem Baumarkt. Ob auch die siebte Ausgabe dieser Tradition treu bleibt, hat autoplenum.de für Sie überprüft.

Damals in den 90ern warb Audi in einem einprägsamen Werbespot mit dem Slogan: „Schöne Kombis heißen Avant“. Das traf zu! Seit dem ersten Audi A4 Avant von 1995 hat sich auch daran nicht viel geändert, denn noch immer betitelt die Volkswagen-Tochter ihre Kombis mit der Zusatzbezeichnung Avant, wenngleich hin und wieder auch mal die Bezeichnung Sportback irritierend dazwischenfunkt. Im Falle des jüngst vorgestellten Audi A4 unterbleibt eine solche Irritation und der Kombi heißt tatsächlich Avant. Und er ist auch noch schön. Audi gelang es, das Design ebenso unauffällig wie prägnant zu gestalten, wobei es durchaus Perspektiven gibt, aus denen der Neue seinem Vorgänger schon erheblich ähnelt. Dass das die Kundschaft aber nicht verschreckt, ist ebenfalls gute Tradition bei Audi: Schließlich muss ja nicht gleich jeder Nachbar sehen, dass man sich mal was Frisches gegönnt hat.

Teure Kombis heißen auch Avant
Womit wir bei Punkt zwei der Avant Tradition wären, denn dass die Avant-Modelle immer etwas teurer sind als die Limousinen, ist ebenfalls guter Brauch bei Audi. Im Falle des neuen Audi A4 Avant liegt das zusätzliche Entgelt bei 1.850 Euro und damit in etwa auf dem Niveau des Vorgängers. Im Vergleich zum Konzernbruder VW Passat kosten die vier Ringe allerdings ein deutliches Aufgeld, denn Volkswagen verlangt für den 150 PS TDI Passat Variant mit der großen Heckklappe rund 8.000 Euro weniger. Viel Geld, für das der Kunde neben einem besseren Image natürlich auch mehr erwartet. Das bekommt er am Ende auch. Aber erst, nachdem er die verlockend lange Aufpreisliste abgefrühstückt hat, die vor allem eines vermittelt: Umsonst gibt es bei Audi nichts.

Avant der praktische?
Ein Kombi sollte gemäß seiner ursprünglichen Bestimmung vor allem eines bieten: Raum. Das tut der A4 Avant, zumindest, wenn es um das Sitzen geht. Vorne kommt man sich dabei schon fast etwas verloren vor, so viel Bewegungsfreiheit bietet der A4. Keine Frage, er ist in dieser Beziehung dem A6 dicht auf den Fersen und lässt diesen auch auf der zweiten Reihe etwas eng aussehen. Unter der schicken, bei Bedarf jetzt auch elektrisch per Fußbewegung zu öffnenden Heckklappe, entfaltet der Audi A4 Avant dann sein Lastenabteil. 505 Liter Kofferraum sind bei aufgestellter Rückbank im Angebot, die zudem teilbar ist. Klappt man die Lehne um, sind es gar 1.510 Liter. Es wären noch ein paar Liter mehr, würde sich dem Hobbyspediteur eine ebene Ladefläche bieten, doch leider bleibt ein Buckel. Womit wir bei den Unzulänglichkeiten im Ladebereich wären. Einen verschiebbaren Ladeboden zum Herausnehmen schwerer Gegenstände gibt es nicht, ebenso wenig wie einen integrierten Skisack. Und auch eine adäquate Lösung zum Transport von Fahrrädern sucht man beim Audi A4 Avant vergeblich. Hier bleibt nur die Investition in eine teure Anhängerkupplung samt eines Tandemträgers. Ansonsten kommt man nicht drumherum, den vermodderten Mountain Bikes die Vorderräder abzuschrauben und dann die beiden schmutzigen Räder im Laderaum zu verstauen. Ein innovatives Fahrradträgersystem, welches sich aus dem hinteren Wagenboden falten ließe, wäre dem technischen Anspruch der Marke gerecht gewesen. Doch im Heck sitzen bereits die Batterie und das Reserverad, das gegen 90 Euro Aufpreis bestellt werden kann.

Heißen schnelle Kombis Avant?
Klare Antwort: Ja. Wie auch in der Limousine bietet Audi eine Vielzahl von attraktiven Motor- und Getriebeversionen an, bei denen für jeden etwas dabei ist. Doch es gibt auch Nieten. Zu denen gehört der 252 PS Vierzylinder-Turbo, der seltsam blutarm wirkt und nicht den Fahrspaß vermittelt, den er auf dem Papier verspricht. Da ist der Einstiegsbenziner mit 190 PS ebenso gut. Oder man wählt gleich den Diesel. Von 150 bis immerhin 272 PS reicht hier das Angebot und macht Vielfahrer ebenso wie Sportfahrer wunschlos glücklich. Vor allem in Sachen Drehmoment bieten die A4 Selbstzünder mehr als genug, insbesondere wenn der Sechszylinder Topmotor montiert ist, der es immerhin auf 600 Nm bringt. Anhänger alternativer Antriebe werden beim A4 Avant allerdings kaum fündig. Teilelektrische E-tron Modelle, derzeit das Umweltfeigenblatt der Audianer, sucht man beim Audi A4 vergeblich. Inwieweit der für 2016 eingeplante Erdgasantrieb (Audi A4 CNG) mit 170 PS auf Kundenresonanz stoßen wird, bleibt angesichts der geringen Anzahl von Tankstellen abzuwarten. Doch egal, welcher der derzeit verfügbaren Antriebe im Audi A4 Avant auch montiert wird, am Ende stellt einen das Gesamtergebnis zufrieden, weil es den Ingolstädtern gelungen ist, ein harmonisches Gesamtfahrzeug auf die Räder zu stellen. Der A4 federt gut, lenkt sich bestechend präzise und bietet auch bei extrem sportlicher Fahrweise eine gelungene Mischung aus Fahrspaß und Fahrsicherheit. Wer mag, greift zum einstellbaren Dynamic Fahrwerk und der direkter agierenden Dynamiklenkung, mit denen aus dem Audi A4 bei Bedarf dann fast ein Go-Kart wird. Der permanente Allradantrieb quattro ergänzt den Wunsch nach sportlicher Fortbewegung und wird vor allem bei den Drehmoment-starken Dieselmodellen zum Pflichtprogramm.

Komfortable Kombis heißen Avant!
Komfort heißt heutzutage vor allem Connectivity, also das Vernetzen des Fahrzeuges mit der Umwelt. Nur darüber kann sich in der Premiumklasse noch die Spreu vom Weizen unterscheiden. Denn in diesem Punkt zeigt sich, wie nah ein Hersteller bei seinen Kunden ist. Im Falle des Audi A4 Avant glänzen zunächst einmal 13 Assistenzsysteme mit ihrer möglichen Anwesenheit. Nahezu alles ist lieferbar – bis hin zum teilautonomen Fahren – und funktioniert völlig problemlos. Dazu kommt die MMI Navigation, deren Bedienung zwar etwas umständlich ist, die einen aber ans Ziel bringt. Weniger gelungen präsentiert sich dagegen die Verbindung nach außen. Denn einen echten und vollwertigen Assistenzservice hat man in Ingolstadt bis heute nicht auf die Beine gestellt. Es sind zwar via Internet verschiedene Informationen über Start- oder Zielort abrufbar, die „myService“ genannte Hotline kann aber weder einen Tisch im Restaurant noch ein Flugticket reservieren. Ein Fauxpas, den vor allem der Geschäftsreisende mit Verärgerung registrieren dürfte. Schließlich ist für ihn der unkomplizierte Umgang mit dem Auto ein wesentliches Kaufargument.

Heißen Sieger Kombis Avant?
Jein. Der A4 Avant ist auch in seiner neuesten Fassung ein bestechender Allrounder. Zu seinen Antriebsqualitäten kommt eine Fülle von optionalen Ausstattungsmöglichkeiten, die das Auto zu einem Luxuslaster machen können. Allerdings hat der Audi A4 vor allem im Hinblick auf die Variabilität noch Luft nach oben. Hinzu kommt, dass Audi auch in Sachen Infotainment hinter dem Erzrivalen BMW hinterherläuft, denn das AUDI Connect Assistenzsystem kann mit der Call Center Lösung der Münchner nicht einmal im Ansatz mithalten. Schade eigentlich, denn neu und unbekannt sind die Wünsche der Kunden nicht. Hinzu kommt, dass der Audi A4 auch nur dann zum Traumkombi des Familienoberhauptes wird, wenn ordentlich in der Preisliste angekreuzt wird. Dann allerdings rollt ein Kombi vor die Tür, der kaum mehr einen Wunsch offen lässt.

Fazit
Audi bringt mit dem neuen A4 die Mittelklasse sicher nicht durcheinander. Zu hoch ist das Gesamtniveau der Wettbewerber. Doch die umfangreichen Nachbesserungen an dem Auto vor seinem Stapellauf machen aus dem A4 wieder einmal ein überzeugendes, wenn auch teures Angebot.

Pro: Exzellente Verarbeitung, hohe Individualisierung, sparsame Motoren, ausgewogenes Fahrverhalten, großzügiges Platzangebot.
Contra: Hoher Anschaffungspreis, ausbaufähige Connectivity, kein Hybridmodell im Angebot, nur zwei Jahre Garantie, hohe Werkstattkosten.

Technische Daten Audi A4 2.0 TFSI quattro
Maße und Gewichte

Länge/Breite/Höhe: 4.72/1,84/1,43 m
Radstand: 2,82 m
Leergewicht: ab 1.540 kg (5-tg)
Zuladung: 590 kg
Anhängelast (gebr./12 %): 1.500
Kofferraumvolumen: 505-1.510 l
Tankinhalt: 58l 58 l

Benziner 2,0 TFSI quattro

2,0: Leistung: 185 kw/252 PS, max. Drehmoment 370 Nm bei 1.600-4.500/min, 0–100 km/h in 6,0 s, Spitze 250 km/h; Testverbrauch 8,9l S/100 km, CO2-Ausstoß (Werksangabe) 139-177 g/km; ab € 46.300,- . Versicherungseinstufung: KH/VK/TK  14/23/23
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Testwertung
3.5 von 5
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