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Testbericht

Stefan Grundhoff, 27. Juni 2014
Mit dem A3 Clubsport Quattro präsentierte Audi auf dem GTI-Treffen am Wörthersee vor wenigen Wochen das krawalligste Serienmodell seiner Geschichte. Und so fährt sich die Frühgeburt des nächsten Audi RS3.

Bei diesem Auftritt rissen nicht nur Audi-Fans ihren trockenen Mund auf. Um auf dem GTI-Treffen, der heiligsten Zusammenkunft aller Volkswagen-Jünger, zu punkten, muss man schon etwas zu bieten haben - gerade als vermeintlicher Wörthersee-Statist namens Audi. Doch beim A3 Clubsport hätten viele GTI-Anhänger den teuer aufgemöbelten Sport-Golf am liebsten gleich in den Kärntner Urlaubssee geschoben. Denn so scharf wie der A3 Clubsport hat noch kein Audi Asphalt verbrannt. Und wer der seriennahen Studie in LED-Augen und aufs Hinterteil blickt, weiß genau, dass hier der neue Audi RS3 steht. Der dürfte spätestens im Herbst nächsten Jahren auf den Markt kommen und kaum dezenter seine Backen aufblasen, als das A3 Clubsport Quattro Concept. Audis Technikvorstand Ulrich Hackenberg: "Mit diesem Showcar gehen wir in jeder Beziehung ans Limit: Power, Dynamik, Klang, Design."

Die Entscheidung, am Wörthersee einen krawalligen Audi A3 zu präsentieren, fiel erst spät im Februar dieses Jahres. Das Entwicklungsteam mit seinen gerade einmal zwölf Leuten nahm sich eine Karosse des brandneuen Audi S3 und legte kräftig Hand an. "Wir haben den unteren Teil der C-Säule abgeflext, um die mächtigen Kotflügelverbreiterungen zu ermöglichen", erinnert sich Ernst Scharl aus dem Entwicklungsteam, "auch die Türaußenbleche haben wir neu gemacht." Nur so gelang es, die fetten Walzen so imposant wie geplant in Szene zu setzen. Im Vergleich zum stehenden Showcar mit seinen 21-Zöllern rollt der Zukunfts-RS3 hier auf einem 20-Zoll-Radsatz. Die Arbeitsschichten wurden länger, erst Abende und dann Nächte kürzer. Die Entscheidung über den Motor war schnell gefallen und einen Allradantrieb gab es sowieso. Ein Fünfzylinder sollte es sein. Der 2,5 Liter große Turbo-Direkteinspritzer im A3 Clubsport leistet mächtige 386 kW / 525 PS und damit deutlich mehr als der alte RS3 mit seinen 340 Pferden. Selbst das doppelte Kraftpaket aus RS4 / RS5 ist mit 450 PS ein Mauerblümchen gegen den neuen RS3-Vorläufer. Fest steht, dass der Fünfzylinder locker über 600 PS locker machen könnte, doch der Abstand zu der nächsten Generation RS4 soll gewahrt bleiben. Daher bleibt die Frage, was das Serienmodell im kommenden Jahr an Leistung eingeimpft bekommt. Und von einer Leistung von knapp 500 PS dürfte man allemal ausgehen.

Wie scharf sich das fährt, zeigen ein paar Runden auf der hauseigenen Audi-Teststrecke in Neuburg deutlich. Der Turbo des brummig brabbelnden Fünfzylinders bläst spontan an, als gäbe es kein Morgen. 0 auf 100 km/h in 3,6 Sekunden ermöglichen 600 Nm maximales Drehmoment, Allradantrieb und Doppelkupplungsgetriebe, die an die erhöhte Motorleistung angepasst wurden. Doch es ist nicht nur die Leistung, der grandiose Anzug und die 310 km/h in Aussicht gestellte Höchstgeschwindigkeit, die sich hier auf dem Testoval sowieso nicht realisieren lässt. Es sind die geänderten Fahrwerkskomponenten, denn mit dem 300 PS starken Serien-S3 hat der RS3-Vorläufer nicht viel gemein. Die mächtigen Walzen krallen sich durch die breitete Spur vorne und hinten in den Asphalt wenn die 275er Pneus erst einmal Temperatur gezogen haben. In den engen Kehren des Handlingkurses würde man sich noch mehr Kraftfluss an die Hinterachse wünschen, denn bei einem derart scharfen Kraftmeier darf das Heck im Grenzbereich durchaus einmal vor Freude zucken. Eine etwas straffere Lenkung? Gerne.

Vor der Kurve zeigt der 1,5 Tonnen schwere Allradler, dass er auch ganz anders kann. Dank der Keramikvorderbremse mit einem Durchmesser von 370 Millimetern, entliehen vom Audi RS5, sind Anbrems- und Scheitelpunkt problemlos abzupassen. Die mäßige Bremse des allzu schweren RS3-Modells aktueller Baureihe ist vergessen. Hinten bremst aktuell die Stahlserienbremse des S3 dezent mit. Bei herausbeschleunigen knallt es aus der Auspuffanlage schon wieder. Einmal, zweimal - hochschalten will da keiner. Der Audi A3 Clubsport macht Krawall und jede Menge Laune. Hoffentlich bekommt das 20015er-Serienmodell vor Marktreife keine Beruhigungsmittel eingeschmissen. Der Innenraum des Probanden dürfte sich bereits auf Serienniveau befinden. Das normale S3-Paket wurde um eng anliegende Sportstühle und ein schmuckes Sportlenkrad erweitert, bei dem man nicht nur den zukünftigen RS3 zum Leben erwecken, sondern auch die Fahrmodi anwählen kann. Auf der Rennstrecke gibt es heute nur einen Modus: dynamic.

Wenn der Audi RS3 wohl im Frühjahr nächsten Jahres seine Messepremiere feiert, dürfte nach aktuellem Vorbild eine fünftürige Schrägheckversion als Sportback den Anfang machen. Doch wer die guten Verkaufszahlen der A3 / S3 Limousine sieht, dürfte kaum an einer viertürigen RS3-Variante zweifeln. Schließlich wurde die beim Clubsport-Einzelstück mit einer Luftbremse (Airbreak) spektakulär inszeniert. Auf der langen Geraden zeigt sich das durchaus sinnvolle Stilelement, das bei Sportwagen von Mercedes oder McLaren bereits seit Jahren verbaut ist, eindrucksvoll. Kräftig durchbeschleunigt auf 185 km/h, dann voll in die Bremse und der mächtige Heckspoiler klappt sich je nach Verzögerung wie ein Bügelbrett im 90-Grad-Winkel nach oben. "Tests haben ergeben, dass die Airbreak den Bremsweg aus Tempo 250 um bis zu 15 Meter reduziert", ergänzt Ernst Scharl. An der Unterseite des Heckspoilers sorgen wild blinkende LED-Inseln dafür, dass der nachfolgende Verkehr die Ernsthaftigkeit der Vollbremsung erkennt. Beim Serienmodell dürfte das noch Zukunftsmusik sein. Doch wie man hört arbeitet auch die hauseigene Quattro GmbH für kommende Modelle an einer solchen Luftbremse.
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Quelle: Autoplenum, 2014-06-27

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