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Testbericht

Marcel Sommer, 25. April 2016
Wenn Chinesen auf den Putz hauen wollen, spielen sie gern die ganz großen Karten aus. Ein As in diesem Prahlhans-Spiel ist der zwölf Tonnen schwere Armadillo Conquistador F.

"Unsere Kunden bezahlen eigentlich immer sofort. Na gut, rund 10.000 Euro wollen sie damit den Preis noch drücken. Aber bei einem Preis von aktuell über 1,2 Millionen Euro, spielt das auch keine Rolle mehr", verrät Alex Qian, Geschäftsführer von Armadillo. Die Rede ist aber nicht von einer kleinen Segelyacht, einem Supersportwagen oder einem schicken Anwesen mit Meerblick. Alex Qian verkauft ultimativen Wohnmobil-Luxus im Offroadkleid. Aber er verkauft sie nicht nur, er produziert sie auch. Oder besser gesagt lässt produzieren. Von seinen 70 Mitarbeitern sind allein 40 für die Produktion eines 6x6- oder 8x8-Gefährts zuständig. Letzteres sprengt nicht nur dank seines exorbitanten Preises, sondern letzten Endes auch durch alles andere sämtliche Vorstellungskraft. Wenn allerdings sein Preis in Relation zu seinem Gewicht gesetzt wird, kommt der 19.000 Kilogramm schwere Luxus-Allradler gar nicht mehr so wahnsinnig überteuert daher. 63 Euro pro Kilogramm werden Sportwagenfahrer auch los.

Der Unterschied zwischen einem Sportwagen und dem Armadillo Conquistador F, was frei übersetzt so etwas wie Eroberer im Gürteltierkleid bedeutet, könnte aber kaum größer sein. Zum einen ist die Karosserie des 11,18 Meter langen Acht-Radlers für ein Gesamtgewicht von 43 Tonnen ausgelegt. Zum anderen können in ihm locker fünf und auf Wunsch auch mehr Personen ziemlich autark wohnen. Denn der 2,50 Meter breite Straßenschreck bietet nahezu alles, was des Superreichen Herz begehrt. Ein Klo, eine Dusche, zwei Fernseher, drei Kühlschränke und eine Terrasse. Ja, richtig gelesen. Nach einer kurzen aber durchaus intensiven Nutzung der gesamten Schalter-Klaviatur oberhalb der Einstiegstür, darf die innenliegende Treppe zum rund 15 Quadratmeter großen Sonnendeck genutzt werden. Oben angekommen erwartet den Kunden eine Sitzlounge mit herausfahrbarem Tisch, einer Liegefläche von gut fünf Quadratmetern, eine ebenfalls aus dem Boden emporkommende Musikanlage und das Gefühl "Ihr könnt mich alle mal gern haben - ihr da unten."

3,94 Meter tiefer greifen die je 150 Kilogramm schweren acht Räder des Armadillo nach Traktion. Aus seinem zwölf Liter großen V8-Dieselmotor holt er 480 PS. Bis Tempo 150 soll er ohne Probleme spurten. Einen großen Anteil daran hat natürlich das 2.350 Newtonmeter starke Drehmoment. "Unsere Kunden wollen ihrem stressigen, wenn auch ertragreichen, Alltag entfliehen. Und mit Entfliehen meine ich auch Entfliehen. Sie wollen dahin fahren, wo kein anderen hinkommt", erklärt der Geschäftsführer weiter. Und mit was für einem Gefährt wäre das einfacher, als mit dem 12-Gang-Automatik-Monster? 38,5 Zentimeter Bodenfreiheit, 1,20 Meter Wattiefe und eine Reichweite von bis zu 2.300 Kilometer lassen die Suche nach einer technischen Achillesferse nahezu endlos werden. Na gut, die 2.300 Kilometer Reichweite schafft er nur, wenn er ganz sanft bewegt wird und dann nur 35 Liter auf 100 Kilometern aus den beiden 400 Liter fassenden Treibstofftanks nippt. Aber weder dieses noch die nur erreichte Euro5-Norm stört hier in China irgendeinen Superreichen.

Dass dem Armadillo-Team das genauso egal sein darf, liegt auch daran, dass von den drei verkauften Exemplaren pro Jahr, kein einziges das Land verlässt. "Unsere Kunden kommen bislang ausschließlich aus China. Natürlich gibt es auch Anfragen aus Europa. Aber dabei bleibt es dann eigentlich auch. Ein großes Problem würde der After-Sales-Bereich darstellen. Soll heißen, wir können schlecht in Europa einen Service anbieten, sollte mal was mit dem Fahrzeug sein. Das wäre schlicht zu teuer", gibt Alex Qian zu bedenken. Dabei kennt der größte Teil der Monstrosität den Weg aus dem rund 8.800 Kilometer entfernten Österreich nur zu gut. "Nach der Unterschrift dauert es acht Monate, bis der Kunde sein fertiges Gefährt in Empfang nehmen kann. Allein fünf Monate braucht die 300.000 Euro teure Karosserie, um in Österreich produziert und innerhalb eines Monats über den Seeweg nach Shanghai verschifft zu werden. Wir erledigen in Huzhou, 150 Kilometer westlich von Shanghai, den Rest, sprich den Aufbau und alles weitere", sagt Alex Qian, zu dessen Team auch der deutsche Ingenieur Michael Mohnwell zählt.

"Michael lebt seit neun Jahren in China und ist, genauso wie wir alle, ziemlich positiv verrückt. Doch scheint es genau das zu sein, was unser Karosserie-Lieferant und Partner MAN so an uns schätzt. Von Anfang an haben sie uns mit Geld und Messeauftritten unterstützt. Gleichzeitig gehören wir zu 30 Prozent Unimog und beziehen eine Menge Bauteile sowohl aus Deutschland als auch aus den Niederlanden." Sollte es einer der solventen Kunden tatsächlich mal darauf anlegen, dem Armadillo Conquistador F sein Ursprungsland zu zeigen, braucht er immerhin nur knapp vier Mal an der Tankstelle halten. Außer, die gewaltigen Photovoltaikanlage auf dem vorderen Dach bekommt nicht genug Sonne ab. Dann könnte, da ein separater Dieselmotor ebenfalls zur Stromerzeugung genutzt wird, doch der eine oder andere Tankstopp hinzukommen. Da ist es schon fast einfacher, sich gleich einen Tankwagen hinten dranzuhängen - ein Problem hätte der Eroberer der Einöde sicher nichts.
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Quelle: Autoplenum, 2016-04-25

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