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Testbericht

Elfriede Munsch/SP-X, 18. Januar 2017

Wer bislang in Deutschland ein großes SUV aus dem Hause Ford fahren wollte, schaute in die Röhre. Anders als in den USA war das hiesige Angebot an 4x4-Fahrzeugen sehr übersichtlich. Oberhalb des Kompaktmodells Kuga gab es in Deutschland nur noch den Pickup Ranger. Doch seit Mitte 2016 ist nun der in den USA seit 2014 erhältliche Edge auch hier zu Lande verfügbar. Wir baten den VW Tuareg-Wettbewerber mit dem 154 kW/210 starken Diesel zum Alltagstest. Mindestens 50.100 Euro werden so in der gehobenen Titanium-Ausstattung fällig.

Januar 2017: Schnee satt bis in tiefe Lagen, dazu viel Wind und Gefrierschranktemperaturen - endlich Wetter- und Straßenbedingungen, bei denen ein SUV zeigen kann, dass es zu mehr als Mama- oder Papa-Taxi-Einsätzen taugt. Vorausgesetzt man fährt keinen Pseudo-Geländewagen, der nur die Optik imitiert und auf Allrad verzichtet. Beim Edge gehört der 4x4-Antrieb aber serienmäßig dazu. Sein Allradsystem verteilt bei Bedarf die Motorleistung auf alle vier Räder. Bei normalen Straßenbedingungen werden nur die Vorderräder angetrieben. Auf jeden Fall hatte er keine Mühen, sich durch Schneeverwehungen auf steilansteigenden Straßen durchzuwühlen und dabei sicher in der Spur zu bleiben. Und auch die nicht zu hohen Schneehügel, die ein Schneepflug um das parkende Fahrzeug geschoben hat, waren kein großes Hindernis. Sie wurden einfach platt gefahren und schon war ausgeparkt. Im Vorfeld überzeugte schon die schnell arbeitende Frontscheibenheizung, die für flotte Enteisung und somit für freie Sicht sorgte. Angenehm waren auch die Lenkrad- und die kraftvolle Sitzheizung, die wohlige Wärme vermittelten und es so leicht machten, auf unhandliche Jacken und Handschuhe während der Fahrt zu verzichten.

Aber auch abseits von Eis und Schnee machte der Edge eine gute Figur. Die Leistung von 210 PS der uns gefahrenen Topmotorisierung klingt auf dem Papier für ein fast zwei Tonnen schweres SUV nicht besonders üppig: Der Standardspurt ist in 9,4 Sekunden geschafft, die Höchstgeschwindigkeit bei 211 km/h erreicht. Der Zweiliter-Diesel konnte jedoch im Alltag mit seiner Laufruhe und seiner Durchzugskraft überzeugen. Innen kamen die typischen Bauartgeräusche dank guter Dämmung und aktiver Geräuschkompensation nur sehr verhalten an. Und auch draußen vor dem noch erst warm werdenden Motor stehend, hörte man wenig vom Diesel. Das maximale Drehmoment von 450 Nm reichte, um zwischen Gelassenheit und Spontanität zu pendeln. Das Sechsgang-DSG-Getriebe passte sich entsprechend der Fahrweise an. Auch wenn das Sportfahrwerk (Aufpreis 300 Euro) mit unnötigen Härten sportives Gefühl vermitteln sollte, ist der Edge jedoch kein Sportler.

Er eignet sich vielmehr als prima Reiseauto. Wer entspannt auf der Autobahn oder Landstraße unterwegs ist, wird mit Verbrauchswerten um 7,5 Litern belohnt. Durchschnittlich flossen bei uns – bei nicht immer relaxten Fahrabschnitten – 7,8 Liter durch die Leitungen, zwei Liter mehr als der Normwert vorgibt. Dank der adaptiven Lenkung (Aufpreis 490 Euro) ließ sich das 4,81 und 1,93 Meter breite Fahrzeug spielerisch leicht in engen Parkhäusern manövrieren.

Seine Reisetauglichkeit wird auch durch das gute Platzangebot unterstrichen. vier Insassen kommen bequem unter, für kürzere Strecken kann auch der mittlere Sitz auf der Rückbank belegt werden ohne dass es zu unnötigen Rangeleien im Fond kommen muss. Punkten kann der Ford hinsichtlich seines Kofferraumvolumens. Zwischen 602 und 1.847 Liter fasst das Abteil. Gegenstände bis zu einer Länge von 1,92 Metern passen hinein.

Zum entspannten Fahren trägt auch das Arsenal an Fahrerassistenzsystemen bei, die bei unserem Testauto zum Einsatz kamen. Serienmäßig unterstützen die klassenüblichen Helfer wie Spur-, Fernlicht- Verkehrsschild- und Müdigkeitsassistenten den Fahrer. Im zusätzlichen Businesspaket für 2.000 Euro war unter anderem neben adaptiven LED-Scheinwerfern noch ein Parkassistent mit an Bord. Letzterer erleichtert das Ein-und Ausparken - bei engen Standardparkplätzen eine große Hilfe.

Störend fanden wir die Überfrachtung des Lenkrads mit 22 Knöpfen. Zumal die Bedienung der Multimediaeinheit via Sprachsteuerung oder über den großen Touchscreen funktioniert. Das sollte sie auch, denn die vielen kleinen Bedieneinheiten drum herum sind beim Fahren nur schwer zu identifizieren. Und wo wir gerade beim Meckern sind: Das Display für die relevanten Fahrdaten ist mit vielen kleinteiligen Informationen überladen und bietet deshalb keinen schnellen Überblick.

Hinsichtlich der guten Serienausstattung bei Titanium- unter anderem mit Navi, Rückfahrkamera, Klimaautomatik und Lenkradheizung - braucht sich der Edge nicht zu verstecken. Mit allen Extras kostet das SUV knapp 55.000 Euro. Damit liegt er preislich deutlich unter den deutschen Wettbewerbern. Allerdings muss man im direkten Vergleich Abstriche bei der Materialanmutung machen. Angesichts des Preis-Leistungsverhältnisses lässt sich das verschmerzen.

Ford Edge - Technische Daten
Fünftüriges, fünfsitziges SUV der Mitteklasse, Länge: 4,81 Meter, Breite: 1,93 Meter (Breite mit Außenspiegeln: 2,18 Meter), Höhe: 1,71 Meter, Radstand: 2,85 Meter, Kofferraumvolumen 602 bis 1.847 Liter

2,0-Bi-Turbo-Diesel, 154 kW/210 PS, Sechsgang-DSG, Allrad, maximales Drehmoment: 450 Nm bei 2.000 U/min, Vmax: 211 km/h, 0-100 km/h: 9,4 s, Durchschnittsverbrauch: 5,8 l/100 km, CO2-Ausstoß: 149 g/km, Effizienzklasse A, Abgasnorm Euro 6, Testverbrauch: 7,8 Liter
Preis: ab 50.100 Euro
Testwagenpreis: 54.540 Euro

Kurzcharakteristik:
Warum: weil er ein angenehmer Reisebegleiter ist
Warum nicht: weil nicht immer Winter ist
Was sonst: BMW X5, Kia Sorento, Hyundai Grand Santa Fe, VW Touareg

Ford hat aufgerüstet und bietet nun auch in Deutschland ein großes SUV an. Der Edge will mit viel Platz und Technik punkten. Und setzt auf viele Knöpfe, wie wir im Alltagstest bemerkten.

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Fazit
Ford hat aufgerüstet und bietet nun auch in Deutschland ein großes SUV an. Der Edge will mit viel Platz und Technik punkten. Und setzt auf viele Knöpfe, wie wir im Alltagstest bemerkten.
Testwertung
4.0 von 5

Quelle: Autoplenum, 2017-01-18

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