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Testbericht

7. Oktober 2010
Bonn, 7. Oktober 2010 - Was haben Christoph Kolumbus und der neue Suzuki Kizashi gemeinsam? Die Erkundung eines unbekannten Terrains. Doch speziell im automobilen Bereich ist es nicht immer einfach, wenn angestammte Pfade verlassen werden. Beste Beispiele für die schwierige Erschließung neuer Segmente sind die Mercedes A-Klasse und der VW Phaeton. Nun wagt Suzuki also den Vorstoß in die Mittelklasse. Erfüllt der Kizashi die Erwartungen? Größe zeigen Der Name ist beim Kizashi Programm, denn übersetzt heißt er "Vorgeschmack auf etwas Großes". In der Tat ist die Limousine der bislang längste Suzuki, mit 4,65 Meter wird sogar der Grand Vitara übertroffen. Die Hauptabsatzmärkte für den Kizashi sind Russland, Japan und die USA. In den Staaten macht der Wagen bereits 23 Prozent des Verkaufsvolumens aus. Warum kommt der Kizashi nun auch nach Deutschland, wo der Mittelklasse-Markt heiß umkämpft ist? Suzuki sieht potenzielle Käufer in markentreuen Kunden, die wachsen wollen und bei "konservativen Rebellen", deren Markentreue zu irgendeinem Fabrikat gegen Null strebt und die somit gerne wechseln. Gelungene Optik Als wir dem Kizashi das erste Mal begegnen, sind wir angenehm überrascht: Der Wagen sieht in natura deutlicher besser als auf den bekannten Bildern aus. Während uns am Heck kräftige Endrohre und ein kurzer Überhang erwarten, mündet die sanft geschwungene Dachlinie in eine Frontpartie mit Ähnlichkeiten zum 3er-BMW, was gewiss keine schlechte Inspiration ist. Die einzige Verspieltheit leistet sich Suzuki unserer Meinung nach bei den überflüssigen Chromleisten am unteren Türrahmen. Nach dem Öffnen des Kofferraumdeckels mit integriertem Spoiler erwartet uns ein mit 461 Liter gut bemessenes Gepäckabteil. Abzüge gibt es für störende Scharnierbügel und die recht schmale Öffnung. Bei Bedarf können die Lehnen der Rücksitze umgeklappt werden, jedoch bleibt dann eine Stufe zurück.

Kein Platzriese Um das Platzangebot des Kizashi in Augenschein zu nehmen, können wir den Autoschlüssel in der Tasche lassen, denn ein schlüsselloses Zugangssystem inklusive Startknopf ist serienmäßig an Bord. Ebenfalls serienmäßig sind Ledersitze inklusive elektrischer Verstellung vorne. Diese bieten zwar guten Seitenhalt, doch es fehlt an Beinauflage. Zudem sind sie nicht genügend in der Höhe verstellbar, sodass größere Personen mit stark angewinkelten Beinen sitzen müssen. Die Kopffreiheit ist ausreichend, aber nicht üppig. Hier fordert die schnittige Karosserieform in Verbindung mit dem serienmäßigen Schiebedach ihren Tribut. Gut sind die großen Außenspiegel. Positiv überraschen die Qualität und Verarbeitung der Cockpitmaterialien, lediglich das Plastik in der Mittelkonsole fällt recht schlicht aus. Keine Probleme gibt es bei der Bedienung, alles ist leicht erkennbar und in Griffnähe. Für das Radio oder der Tempomat gibt es zudem Tasten im Lenkrad. Geschmackssache bleibt die Skalierung des Tachos: Wir empfinden diese als zu kleinteilig, auch die Zahlen sollten klarer ablesbar sein. Benziner ohne Biss Die US-Auslegung des Kizashi wird nicht nur an der Meilen-Skalierung im Innenkreis des Tachos sichtbar, sondern auch am Motor unter der Haube. Einzig verfügbares Aggregat ist ein Vierzylinder mit 2,4 Liter Hubraum und 178 PS. Wir fuhren ihn in Verbindung mit Frontantrieb und Sechsgang-Schaltgetriebe, im Winter 2010 folgt noch eine Variante mit Allrad und CVT-Automatik. Schnell zeigt sich, dass der große Benziner die ruhige Gangart bevorzugt, ideal ist ein Tempo zwischen 120 und 130 km/h. In diesem Bereich ist der Motor laufruhig, nur ein leicht brummiger Unterton dringt an die Ohren der Insassen. Bei höheren Geschwindigkeiten zeigt sich die Schwäche der Maschine: Oberhalb von 160 km/h vollzieht sich die Beschleunigung äußerst träge, obwohl man voll auf dem Gas steht. Gezähmte Kraft Insgesamt betrachtet ist der große Benziner nicht lahm, es fehlt ihm aber der Punch moderner Turbomotoren. Der Blick in die Daten klärt auf, denn erst bei 4.000 Touren steht das maximale Drehmoment von 230 Newtonmeter an. Als Folge muss man den Motor bisweilen "ausquetschen", mit entsprechenden Folgen für Geräuschentwicklung und Verbrauch. Auf unserer gut 180 Kilometer langen Etappe erreichten wir trotz langer Tempo-120-Passagen auf der Autobahn einen Schnitt von wenig zeitgemäßen 10,7 Liter. Suzuki selbst gibt den Durchschnittsverbrauch mit 7,9 Liter an. Überzeugend ist die exakte Sechsgang-Schaltung.

Japanischer Dynamiker Während der Kizashi also beim Verbrauch eher amerikanisch ist, macht sein Fahrwerk einen sehr europäischen Eindruck. Gut abgestimmt bügelt es fast alle Unebenheiten weg, nur bei kurzen Wellen ist es etwas unterdämpft und reicht die Stöße weiter. Praktisch ohne störende Einflüsse des Frontantriebs präsentiert sich die exakte Lenkung. Mit diesem Zusammenspiel lassen sich auch höhere Kurvengeschwindigkeiten realisieren. Der Preis ist heiß Suzuki bleibt bei der Absatzprognose für den Kizashi auf dem Teppich und rechnet für 2011 mit gut 1.000 Fahrzeugen, wobei es natürlich auch gerne mehr sein dürfen. Ein wichtiges Argument ist dabei der Preis: Der handgeschaltete Kizashi steht mit Frontantrieb für 26.990 Euro beim Händler, die noch folgende Allradversion mit Automatik kostet 29.990 Euro. Auf den ersten Blick klingt das nach viel Geld, doch die Serienausstattung ist, abgesehen von Fahrerassistenzsystemen, so gut wie komplett. Im Preis inklusive sind unter anderem eine Lederausstattung mit Sitzheizung vorne, Parkpiepser vorne und hinten, ein CD-Radio mit USB-Anschluss, ein elektrisches Schiebedach, Xenon-Scheinwerfer, eine Klimaautomatik, sieben Airbags und 18-Zoll-Alus. Einziges Extra ab Werk ist die 490 Euro teure Metalliclackierung, jedoch macht der Kizashi auch im serienmäßigen Rot eine prima Figur. Wer ein Navi möchte, bekommt im Zubehör für 1.700 Euro ein Gerät von Pioneer. Individuelle Konkurrenz Welche Alternativen bieten sich dem Kizashi-Freund? In den USA ist der Hauptgegner der neue, fast gleich große VW Jetta, dessen Preisgestaltung in Deutschland aber noch nicht bekannt ist. Hierzulande will Suzuki speziell bei den Importmarken fischen. Mit Blick auf den Preis könnte das gelingen: Der 160 PS starke Seat Exeo 1.8 TSI Sport kostet ausstattungsbereinigt 32.700 Euro, mindestens 32.500 Euro müssen Individualisten für den Saab 9-3 2.0t Scandic mit 175 PS ausgeben.
Technische Daten
Antrieb:Frontantrieb
Anzahl Gänge:6
Getriebe:Schaltgetriebe
Motor Bauart:Reihenbenziner mit variabler Ventilsteuerung
Hubraum:2.393
Anzahl Ventile:4
Anzahl Zylinder:4
Leistung:131 kW (178 PS) bei UPM
Drehmoment:230 Nm bei 4.000 UPM
Preis
Neupreis: 26.990 € (Stand: Oktober 2010)
Fazit
Der Suzuki Kizashi hat das Potenzial, viele nicht markengebundene Autokäufer positiv zu überraschen. Pluspunkte sammelt die Limousine mit einem schnittigen Design und dem hochwertigen Innenraum. Gut gefallen hat uns auch das Zusammenspiel von Fahrwerk und Lenkung. Getrübt wird die Bilanz durch den großen Benziner unter der Haube, der sowohl in der Leistungsentfaltung als auch beim Verbrauch keine Maßstäbe setzt. Wer aber nicht zwingend einen Diesel oder Fahrerassistenzsysteme braucht, ist mit dem Kizashi gut beraten. Dafür sorgt unter dem Strich schon das überragende Preis-Leistungs-Verhältnis.
Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-news, 2010-10-07

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