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Testbericht

Sebastian Viehmann, 1. Juli 2010
Die Zulieferindustrie bereitet sich auf eine riesige Nachfrage für einfache und günstige Autos vor. Während deutsche Autobauer noch auf ihre Hochpreis-Politik schwören, hat der Siegeszug der „Affordable Cars“ längst begonnen.

Und plötzlich war er weg: Unbemerkt ist das berühmte Billig-Stufenheck Dacia Logan vom deutschen Markt verschwunden. „Die Limousine hatte zwei wesentliche Funktionen: Zum einen war sie der Türöffner für die Marke, zum anderen war sie einzigartig, was das Preis-Raum-Verhältnis des Fahrzeugs betrifft“, sagt Dacias Brand-Managerin Nadine Meier. Beide Funktionen seien nun nicht mehr notwendig. Die Renault-Tochter Dacia hat sich in Deutschland etabliert, die Stufenhecklimousine überlässt nach 15.500 Neuzulassungen das Feld ruhigen Gewissens dem Kombi Dacia Logan MCV, der Schräghecklimousine Sandero und dem SUV Duster.

Der Erfolg des Logan und die Abwrackprämie haben eine Lawine ins Rollen gebracht, in der die europäischen Autobauer bald straucheln könnten. Die Kunden sind an Niedrigpreise gewöhnt, und Dacia wird nicht der einzige Billigheimer bleiben. Der chinesische Hersteller BYD will ab 2011 seine Autos nach Europa bringen. Auch Brilliance plant nach dem Reinfall mit den Modellen BS6 und BS4 nun mit weiteren Modellen einen Neustart in Europa.

Konkurrenz könnte Dacia auch aus Indien bekommen. Gunter Benthaus vom Unternehmen Green Rent hat nach eigenen Angaben seit 2009 mehr als 1000 Fahrzeuge des indischen Herstellers Tata Motors nach Deutschland importiert. Der 4,1 Meter lange Kombi Indigo SW zum Beispiel kostet 12.290 Euro, hat einen Benzinmotor mit 85 PS unter der Haube, der die Abgasnorm Euro-4 erfüllt, und ist unter anderem mit Servolenkung, Klimaanlage, ABS und elektrischen Fensterhebern ausgestattet. „Das ist kein minderwertiges Produkt“, sagt Gunter Benthaus und verweist auf den großen Anteil von Technikkomponenten, die von renommierten Zulieferbetrieben stammen. Er kann sich auch gut vorstellen, den Tata Nano ins Programm zu nehmen, wenn in einigen Jahren die von Tata angekündigte Europa-Version des Kleinstwagens anrollt. Der Preis werde sich ungefähr bei 5000 Euro bewegen, schätzt Benthaus.

Schon in der aktuellen Version des Nano, die in Indien umgerechnet knapp 2000 Euro kostet, steckt viel Technik von Zulieferern wie Bosch, ZF oder Continental. Neue Ausschreibungen an die Zulieferer laufen bereits, berichtet Continental-Ingenieur Thomas Corell: „Es wurden Komponenten wie Motormanagement, ABS und ESP angefragt.“ Corell ist bei Continental für den Bereich „Affordable Cars“ zuständig, also für „leistbare“ Autos, die auch für Menschen mit schmalem Geldbeutel erreichbar sind.

Vor allem in Asien, aber auch in Afrika und Südamerika müssen die Hersteller ihr Angebot den Einkommensverhältnissen anpassen. Da auch in Europa die Schere zwischen Arm und Reich auseinander und die Bedeutung des Autos als Statussymbol gerade bei jungen Menschen zurückgeht, stehen die Chancen für Dacia und Co. ausgezeichnet. Thomas Corell sieht in Europa bei Autos mit Preisen unterhalb von 9000 Euro ein großes Wachstumspotenzial. „In diesem Marktsegment muss die Elektronik auf ein Minimum reduziert werden: Motorsteuergerät, ein sogenannter Body-Controller, Sensoren für ABS, Airbag und ESP“, zählt Corell die wichtigsten Elemente auf.

Auch Bosch mischt auf dem Markt der Affordable Cars tüchtig mit. Seit kurzem fertigt das Unternehmen ein spezielles Airbag-Steuergerät. „Die neue Variante wurde nach den Erfordernissen kostengünstiger Fahrzeuge entwickelt, deren Zahl insbesondere in aufstrebenden Ländern wie China, Indien oder Brasilien stark wächst“, teilt der Zulieferer mit. Die ersten Geräte kommen in Fahrzeugen des chinesischen Herstellers Dongfeng zum Einsatz. Bosch erwartet eine rapide steigende Nachfrage von Sicherheitssystemen vor allem bei Klein- und Kleinstwagen. „Standardisierte Crashtests unterschiedlicher Organisationen sowie gesetzliche Regelungen werden die Verbreitung weiter verstärken“, heißt es in einer Pressemitteilung des Unternehmens. In Brasilien und Argentinien zum Beispiel sollen ab 2014 ABS und Frontairbags für alle neuen PKW und Kleintransporter zur Pflicht werden.

In Deutschland gibt es zwar bei jedem Auto ohne ESP einen panischen Aufschrei, aber nur wenige Neuwagen unter 10.000 Euro. Stattdessen wird bei den Preisen immer weiter zugelangt. Ein Golf kostet mindestens 16.825 Euro, im Jahr 1974 bei der ersten Golf-Generation waren es noch 8000 D-Mark. Audi hat für seinen Kleinwagen A1 mehr Vorbestellungen als jemals zuvor in seiner Firmengeschichte, obwohl der Wagen schon in der Grundausstattung 15.800 Euro kostet – Klimaanlage nicht inbegriffen. Viele Kunden scheinen sich an den galoppierenden Preisen nicht zu stören: Selbst teure Geländewagen und Spritfresser lassen sich als Dienstwagen absetzen, und wo statt Barzahlung oder Ratenkauf bevorzugt das Leasingverfahren angewandt wird, bleibt der Kunde nicht einmal auf dem gewaltigen Wertverlust eines Premium-Autos sitzen.

Vielleicht muss man aber gar nicht auf eine Billig-Invasion aus Fernost warten, bis die Hersteller ihre Preise nach unten korrigieren. Schon jetzt pressen viele ihre Autos mit Rabatten und Tiefpreisen in den Markt. Das Auslaufmodell des Nissan Micra zum Beispiel kostet nur 8670 Euro. Peugeot verkauft den 206 mit leichtem Lifting als 206 Plus ab 9990 Euro, obwohl es schon längst den Nachfolger 207 gibt. Als zeitlich begrenztes Sondermodell bietet Opel den Kleinwagen Corsa mit 70 PS für 8990 Euro an – ein Preisvorteil von mehr als 2000 Euro.
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Quelle: Autoplenum, 2010-07-01

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