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Autoplenum, 2011-01-23

Absatzturbo China - Ende offen

Testbericht

Stefan Grundhoff

Die großen Autochefs Winterkorn, Zetsche und Reithofer hatten 2010 ein Krisenjahr für die Automobilindustrie befürchtet. Doch schneller als erwartet, drehte sich das Blatt zum Guten – China sei Dank. Doch Chancen bedeuten auch Gefahren.

Vor ein paar Wochen grollte ein Scheckgespenst durch die Nachrichten. Chinas Regierung plane, die Autoverkäufe in den großen Zentren des Landes zu reglementieren. Grund: Nicht nur in Megacities wie Shanghai oder Peking steht der tägliche Verkehr kurz vor einem Kollaps. Die aufstrebenden Chinesen haben einen gigantischen Hunger auf neue Autos. Besonders die europäischen und allen voran die deutschen Autobauer profitieren davon seit längerer Zeit mächtig. Wer in China etwas auf sich hält, will keinen lokales Produkt fahren. BMW, Mercedes, Audi und VW geben im neuen Land der unbegrenzten Möglichkeiten auf den Straßen längst den Ton an. Der Boom in China war der Hauptgrund für verkürzte Weihnachtsferien und verlängerte Produktionszeiten in der Autobranche. Die deutsche Autobranche steht besser da, als vor der Wirtschaftskrise. Wenn es keine neuen Einbrüche gibt, rechnet der Automobilverband VDA für 2011 mit einem Absatzplus von rund fünf Prozent. Das hieße, dass aus Deutschland knapp 4,5 Millionen Autos ins Ausland exportiert würden.

Die deutschen Hersteller überschlagen sich zum Jahresstart mit Rekordmeldungen. Audi schaffte 2010 mit knapp 1,1 Millionen verkauften Autos das beste Jahr seiner Geschichte, Daimler verkauft zwölf Prozent mehr Fahrzeuge als im Jahr zuvor und auch bei BMW gibt es Dank neuer Verkaufsrekorde und eines strammen Aktienkurses nur strahlende Gesichter. Was für die Premiumhersteller gilt, sieht bei den Volumenherstellern kaum anders aus. So schaffte auch Volkswagen mit 4,5 Millionen verkauften Autos im vergangenen Jahr einen beeindruckenden Rekord – ein Plus von fast 14 Prozent. In China gab es allein einen Zuwachs von fast 40 Prozent, wo knapp zwei Millionen Fahrzeuge abgesetzt werden konnten. Das ist nicht ohne Risiko. Alle Marken zusammen verkauften in Deutschland 2010 gerade einmal 2,9 Millionen Autos. Die Bedeutung des europäischen und besonders des deutschen Marktes wird für viele Hersteller zunehmend geringer. Das unterstreicht auch der Absatz des VW-Ablegers Audi, der in China um mehr als 43 Prozent zulegte. Für die Ingolstädter liegen Deutschland und China mit knapp 230.000 Fahrzeugen beinahe gleichauf. Audi-Chef Rupert Stadler will in den nächsten drei Jahren Chinaweit eine Million Fahrzeuge verkaufen. Mercedes legte in China zuletzt um mehr als 100 Prozent zu. Kein Wunder, dass Daimler-Chef Dieter Zetsche „2010 als durchweg gutes Jahr“ bezeichnet.

Die Erwartungen an China sind gigantisch und kurzfristig lassen sich nur hier größere Zuwächse realisieren. Mittelfristig ist das allenfalls in Indien, Russland und Südamerika möglich und auch die USA haben nach einem stabilen Jahr 2010 noch Spielraum nach oben. Doch der Marktfokus richtet sich bei den meisten Herstellern zunehmend auf China. Ob 2011 nochmals ein Turbojahr wie 2010 drin ist, scheint nicht ausgeschlossen. Thomas Neumann, Chef von Volkswagen China: „Das Wachstum auf dem chinesischen Automarkt hat jedermanns Erwartungen übertroffen." Doch wie einige andere geht auch VW davon aus, dass es 2011 in China etwas ruhiger wird. Die beiden Volumenhersteller Ford und Skoda schauen ebenfalls freudig auf den chinesischen Markt. Ford legte mit 580.000 verkauften Fahrzeugen um 40 Prozent zu. Skoda bejubelt ein weltweites Absatzplus von 11,5 Prozent. Große Zugewinne kamen aus China. „Skoda hat im Jahr 2010 eine herausragende Performance gezeigt. Wir haben in nahezu allen Märkten deutlich zugelegt und Marktanteile gesteigert. In den wichtigsten Wachstumsmärkten liegen unsere Zuwachsraten sogar über 40 Prozent“, so Skoda-Chef Winfried Vahmand, „bis 2018 wollen wir unsere Verkäufe weltweit mindestens verdoppeln.“

Was für die Hersteller gilt, sieht bei den Zulieferern kaum anders aus. Bis 2015 sollen in China mehr als 18 Millionen Fahrzeuge an Privatnutzer verkauft werden. Erst danach sieht die Unternehmensberatung Roland Berger einen spürbaren Rückgang der Wachstumsraten. „Etwa 18 Prozent des Gesamtumsatzes eines typischen europäischen Automobilzulieferers hängen von der Entwicklung des chinesischen Marktes ab", erklärt Marcus Berret von Roland Berger. Beflügelt wurde das China-Wachstum der vergangenen Jahre insbesondere durch staatliche Programme zur Absatzförderung, die einer labilen Wirtschaftslage entgegenwirkten. Doch die große Nachfrage bringt mittelfristig Probleme mit sich. Europäische und amerikanische Hersteller produzieren immer mehr Fahrzeuge vor Ort. So werden bei OEMs und Zulieferern Kapazitäten nach China abgezogen. Was für Produktion und Zulieferung gilt, wirkt sich mittelfristig gleichermaßen auf Design, Forschung und Entwicklung aus.

Quelle: Autoplenum, 2011-01-23
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