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Testbericht

Stefan Grundhoff, 30. Juni 2013
Sebastian Loeb setzt seiner Karriere beim legendären Bergrennen am Pikes Peak die Krone auf und blamiert die heimische Konkurrenz mit einer Fabelzeit in seinem Peugeot 208 T16.

Hätte man Mitfavorit Rhys Millen vor dem Start zur 91. Auflage des Pikes-Pike-Klassikers gesagt, er würde seine eigene Bestzeit aus dem vergangenen Jahr im Hyundai PM 580 T um über 40 Sekunden auf 9.02,192 Minuten verbessern, er hätte garantiert gejubelt. Doch so blieb dem Pikes-Peak-Experten auf 4.301 Metern Höhe nur die Ziel-Gratulation an Sieger Sebastian Loeb. Der Franzose kam, sah und pulverisierte die internationale Konkurrenz in seinem Peugeot 208 T16 Pikes Peak. Für die knapp 20 Kilometer lange Bergstrecke benötigte der neunmaligen WRC-Champion gerade einmal 8.13,878 Sekunden. Auf Platz drei landete der Franzose Jean-Philippe Dayraut in einem Mini Countryman. "Klar war ich nervös, aber man darf sich nicht verrückt machen", erklärt Sebastian Loeb, "wir waren top vorbereitet und das Training lief gut. Was sollte also schief gehen?"

Der Pikes Peak an der Ostseite der gigantischen Rocky Mountains gelegen, ist ein Platz für Legenden. Der Bundesstaat Colorado wollte den 4.301 Meter hohen Berg Anfang des vergangenen Jahrhunderts zu einem Publikumsmagneten machen. So wurde im Jahre 1916 der Pikes Peak International Hill Climb ins Leben gerufen - ein Bergrennen wie kein anderes auf der Welt. Zusammen mit den nicht weniger spektakulären 500 Meilen von Indianapolis ist der Hill Climb die älteste Motorsportveranstaltung auf der Welt. Die Rechnung ging auf, denn der Pikes Peak ist seit Jahrzehnten der am meisten besuchte Berg der USA. Wer hinauf will, löst für 40 Dollar ein Tagesticket und kann mit bis zu fünf Personen im eigenen Auto bis hinauf auf den Gipfel schleichen. Die Fahrtdauer der Touristen liegt zwischen 45 Minuten und einer Stunde. Kein Vergleich zu den Zeiten, den die Höllenreiter beim Pikes Peak mit ihren fliegenden Kisten bei der 91. Auflage in den Berg brannten. Erstmals wurde die Neun-Minuten-Grenze durchbrochen.

Auch wenn das Rennen in die Wolken im Motorsport Weltruf genießt, läuft der Event vor Ort wie ein spontanes Leichtathletikfestival oder ein regionales Kartrennen ab. Statt einer Boxengasse werkeln die Teamtechniker bereits in den Nachtstunden an Abhängen oder zwischen Baumgruppen herum, um die bis zu 1.000 PS starken Bergboliden fit für neue Bestzeiten zu machen. Viele Fahrer kommen seit Jahrzehnten - genau wie die Zuschauer. Knapp eine Woche schaut die Motorsportwelt einmal im Jahr in die Nähe der 300.000-Einwohner-Metropole Colorado Springs, rund eineinhalb Autostunden südlich von Denver. Wer hier einmal gefahren ist, ist mit dem Pikes-Peak-Virus infiziert. Kein Bergrennen ist spektakulärer, keines wird schneller und gefährlicher gefahren. Absperrungen oder Auslaufzonen gibt es auf den 19,99 Kilometern hinauf bis zum Gipfel des Pikes Peak nicht. Fehler werden mit Abstürzen bestraft. "Doch in den bisherigen 90 Rennen sind nur vier Fahrer tödlich verunglückt", räumt Organisator Tom Osborne ein.

"Klar hat das Rennen etwas von seinem Reiz verloren", sagt Tim Bleeker, der aus Irvine bei Los Angeles, seit Jahren zu dem Bergrennen kommt, "als die Strecke noch komplett unbefestigt war, fühlte sich das alles wilder an. Viel wilder." Im Sommer 2011 wurde das letzte, obere Teilstück der natürlichen Bergbahn asphaltiert. Gerade den deutschen Motorsportfans ist die wilde Rekordfahrt von Rallyelegende Walter Röhrl aus dem Jahre 1987 noch im Hinterkopf. Am Steuer eines knapp 600 PS starken Audi S1 Quattro siegte der Regensburger in knapp unter elf Minuten. Bei der 91. Auflage gab es am Pikes Peak nur einen Favoriten: Sebastian Loeb. Der neunfache Rallyeweltmeister kletterte für den spektakulären Einzelevent und vor seinem Umstieg ins Tourenwagengeschäft ins Cockpit des 875 PS starken Peugeot 208 T16 Pikes Peak und pulverisierte die Konkurrenz. Damit trat er in die großen Fußstapfen von Walter Röhrl, Ari Vatanen, Rod Millen oder Michele Mouton, die allesamt mindestens einmal am Pikes Peak, dem automobilen Berg der Berge, siegten.

Doch nicht nur der Asphalt auf der Strecke sorgt bei dem Bergrennen in den Rocky Mountains für Gesprächsstoff. Auch die seit 1994 eingeführte Klasse der Elektrorenner wird nicht von allen Fans bejubelt. Sie brüllen und applaudieren, wenn die Lieblinge in zerborstenen Ford RS 200, alten Mustangs oder der gigantische Freightliner-Truck vorbeirauschen. Viele kommen auch, um die Klassen der Motorräder zu sehen, die am Rennsonntag den Event eröffnen und "mit Geschwindigkeiten bis zu 147 Meilen den Berg heraufrasen", erzählt Tom Osborne. Die Strecke mit ihren 156 Kurven hinauf auf den Pikes Peak wird mit Vollgas gefahren, um die 12,42 Meilen so schnell und spektakulär als möglich hinter sich zu bringen. Es geht vorbei an so legendären Stationen wie 8 Mile Pit Road, Gayler\\\'s Straits, Glen Cove über Devil\\\'s Playgorund bis hinauf zu "the Summit" wo dicht gedrängt auf über 4.300 Metern die fröstelnden Zuschauer warten, die größtenteils bereits die kühle Nacht dort verbracht haben. "Die örtlichen Behörden erlauben nur rund 10.000 Zuschauer an der Strecke", räumt Tom Osborne ein, "aber zum Fanfest am Freitag vor dem Rennen waren dieses Jahr wieder mehr als 35.000 Zuschauer. Viele Fans müssen einfach unten bleiben - ebenso wie viele Rennfahrer, denn wir erlauben nur echten Experten den Start."

Zu ihnen gehörte in diesem Jahr auch wieder der Porsche-Werksfahrer Romain Dumas, der diesmal jedoch nach wenigen Kilometern mit seinem Eigenbau ausfiel. Der 875 PS starke Peugeot-Eigenbau 208 T16 ist bei weitem nicht der einzige spektakuläre Eigenbaum im Feld der 60 Rennwagen, die in verschiedenen Klassen starten. Pikes Peak Kenner Nobuhiro Tajima, diesmal im E-Runner Pikes Peak Special unterwegs, siegte in der Elektrowertung in beeindruckenden 9:46,530 Minuten und unterbot damit sogar seine 2011er-Bestzeit im Monster Suzuki SX4. Noch ungewöhnlicher der Honda Odyssey Familienvan mit Indycar-Champion Simon Pagenaud am Steuer: "Der Van fährt sich mit seinen 550 PS beeindruckend. Man kann aus den schnellen Kurven viel herausholen und mit so einem Auto war noch niemand da." Am Ende ist es wie am Nürburgring, in Le Mans oder den 24 Stunden von Daytona. Gewonnen haben alle, die im Ziel ankommen; denn die Gefahr fährt auf fast jedem Meter mit.
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Quelle: Autoplenum, 2013-06-30

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