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Testbericht

Jürgen Wolff, 14. Dezember 2015
Er ist eine amerikanische Ikone: der Jeep. Entsprechen geht man in den USA damit um, wenn im nächsten Jahr der 75. Geburtstag des Geländegängers ansteht. Dabei ist aus dem einstigen Kriegsheld längst ein Zivilist geworden.

Was den patriotischen Pathos angeht, da sind die Amerikaner schmerzfrei. So weht zu Beginn des offiziellen Geburtstagsvideos nicht nur die amerikanische Flagge stolz im Wind. Der Jeep rollt auch schier unverwüstlich über die diversen Schlachtfelder der Jahrzehnte - mal in körnigem Schwarz-Weiß, mal in Farbe. Schnitt: Ein kleines Mädchen mit festem Blick hält die rechte Hand vor seine Brust gepresst zum Gruß der US-Flagge. Und wenn ein Jeep-Manager zu Bildern Offroaders aus dem Zweiten Weltkrieg feststellt: "Der Jeep war eigentlich das erste Weltauto", dann ist das keineswegs ironisch gemeint. 1941 wurde der Unkaputtbare als Kind des Krieges geboren - nächstes Jahr feiert er seinen 75. Geburtstag vor allem als Alltags- und Lifestyleauto. Schwerter zu Pflugscharen, Jeeps zu Familienkutschen: Im harten Kriegseinsatz müssen längst andere Fahrzeuge Scheinwerfer, Kolben und Windschutzscheibe hinhalten.

So robust wie seine Einsätze war auch der 3,1 Meter lange und zwei Meter breite Ur-Jeep Willys MB selbst. Alles, was Komfort bieten mochte, konnte auch kaputt gehen und war deshalb entbehrlich. Die Sitze erinnerten an Campingstühle, Türen und Fenster gab es gar nicht erst. Vor Regen schützte mehr schlecht als recht ein Klappverdeck aus Stoff und dünnen Rohren. Die Scheibenwischer wurden per Handkurbel betätigt. Und die Federung tat alles - nur kaum federn.

Die GIs liebten den Jeep trotzdem. Mit seinem zuschaltbaren Allradantrieb und den 60 PS des "Go-Devil" getauften 4-Zylinder-Motor wühlte er sich aus fast jedem Dreck(s)loch. Und wenn mal nicht, konnten seine Insassen den Ein-Tonner einfach mit den vier Handgriffen an der Karosserie und viel Muskeleinsatz heraus heben. Für den GI war der Jeep das, was für seinen Urgroßvater in der Kavallerie sein Pferd war. Eine der berühmtesten Jeep-Karikaturen zeigt einen Soldaten, der sich verzweifelt die Augen zuhält und seinem Jeep, der mit gebrochener Vorderachse auf dem Weg liegt, mit der Pistole den Gnadenschuss gibt.

Mehr als eine halbe Million Jeeps rollten von 1941 bis 1945 aus den Werkshallen des Herstellers Willys-Overland an die Front. Und schon während des Krieges war den Verantwortlichen schnell klar: Der Jeep würde sich auch in einer Zivilversion bestens verkaufen. 1945 kam denn auch der erste Jeep CJ-2A auf den Markt - mit besserem Verteilergetriebe, größeren Scheinwerfern und Zapfwellen-Nebenantrieb, mit dem sich landwirtschaftliche Geräte betreiben lassen konnten. "CJ" steht für Civilian Jeep. Mehr als 40 Jahre lang wurde der CJ in verschiedenen Versionen gebaut und schließlich vom Wrangler abgelöst. Der letzte Militär-Jeep wurde 1971 gebaut und bis in die 70er Jahre noch im Vietnam-Krieg eingesetzt.

Mit der Grundform und der offenen Bauweise knüpfte der Wrangler nahtlos an den Vorgänger CJ an. Na ja: fast nahtlos. Für einen Aufstand sorgten die eckigen Scheinwerfer der ersten Wrangler. Schnell hatte er den Spitznamen "Wrongler" weg - vom englischen "wrong" für falsch. Eine analoge Form des Shitstorms brach über dem Hersteller ein. Die Folge: An einem Wrangler gab es nie wieder eckige Scheinwerfer, sondern nur noch kreisrunde, wie es sich gehört. Da, wo man es nicht gleich sieht, blieben die Proteste aus: Mechanisch hat der Wrangler mehr mit dem Cherokee gemeinsam als mit seinem Vorgänger CJ-7 - bis zu 80 Prozent der Technik waren neu. Mit den 60 PS ist eh längst Schluss: Moderne Wrangler haben bis zu 284 PS und V6-Motoren.

Längst hat Jeep auch größere und bequemere Geländewagen im Programm, mal mehr erfolgreich wie der Cherokee und der Grand Cherokee, mal weniger wie der Compass, der Comanche oder der Patriot. Jüngster Spross der Jeep-Familie ist der 2014 auf den Markt gebrachte Renegade, der gemeinsam mit dem Fiat 500X im italienischen Melfi und seit 2015 im brasilianischen Goiana gebaut wird - der erste Jeep, der nicht aus den USA kommt. Jeep gehört den Italienern - auch das ist ein Ergebnis der wechselvollen Firmengeschichte: Willys-Overland, Kaiser Motors, American Motors Corporation (AMC), Chrysler, DaimlerChrysler und jetzt Fiat Chrysler Automobiles (FCA) - es waren auch so 75 turbulente Jahre.
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Quelle: Autoplenum, 2015-12-14

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