64. IAA - Alle Augen auf Frankfurt
Testbericht
Alle zwei Jahre ist es soweit. Die Automobilwelt schaut auf Frankfurt. Wenn am 15. September eine der größten Autoshows der Welt am Main seine Pforten öffnet, ist die Messe für viele bereits gelaufen.
Ein paar im Scheinwerferlicht funkelnde Neuheiten, lächelnde Messehostessen und die großzügige Ausgabe von Werbekatalogen reichen schon lange nicht mehr, um Zuschauer auf der IAA in den Bann zu ziehen. Wirkliche Neuheiten sind rar gesät, denn die Autohersteller aus Europa, Asien und den USA haben viele ihrer Welt- und Europapremieren schon in den letzten Wochen in Scheibchenform auf die Medienreise rund um den vernetzten Globus geschickt. Umso größer ist der Aufwand, die jeweilige Marke und ihre neuen Produkte in einem rechten Licht auf der IAA zu präsentieren. Nichts ist mehr vom Gründercharme der Ursprungsveranstaltung im ehrwürdigen Hotel Bristol in Berlin zu spüren, wo die erste IAA im Jahre 1897 mit gerade einmal acht Fahrzeugen begann. Die Internationale Automobilausstellung hat über die Jahrzehnte eine weite Reise hinter sich. Lange Jahre wurden die Fahrzeuge in Berlin gezeigt, bevor sie 1951 nach Frankfurt umzog. Seit 1991 teilen sich PKW und Nutzfahrzeuge auf die Standorte Frankfurt und Hannover.
Längst ist die IAA eine der wichtigsten europäischen Wirtschaftsmessen. Die Bedeutung in der Automobilwelt selbst schrumpft hingegen, weil trotz des gewaltigen Besucheransturms von 850.000 Menschen auf der letzten IAA im Herbst 2009 immer mehr Neuheiten auf den asiatischen Wachstumsmärkten gezeigt werden. Während sich die IAA im jährlichen Rhythmus mit dem Pariser Salon abwechselt, finden die Konkurrenzmessen in Detroit (Januar) und Genf (März) jährlich statt. Immer mehr drängen sich beiden alternierenden Motorshows im Boomland China in die Automobilszene. Hier verkaufen viele Hersteller längst die meisten ihrer Produkte. Die Automessen in Peking und Shanghai sind mittlerweile auf Augenhöhe mit den Großveranstaltungen in Nordamerika und Europa. Gerade weil die IAA nur alle zwei Jahre veranstaltet wird, geben die Hersteller am Main diesmal besonders finanzstark Gas. Die Vorbereitungen für die wohl größte deutsche Messe sind gigantisch. Seit mehr als zwei Monaten wird auf dem Messegelände Tag und Nacht gebaut, kreiert und gewerkelt. Tausende von fleißigen Händen sorgen dafür, dass die Autos am Eröffnungstag im rechten Licht stehen und die Redner die Konzernzahlen eindrucksvoll präsentieren können.
Besonders die deutschen Hersteller lassen es unter dem Frankfurter Messeturm einmal mehr krachen. Nachdem BMW sein überdimensionales Zelt auf der mittigen Agora vor zwei Jahren gegen einen imposanten Auftritt in der neuen Halle 11 eingetauscht hat, zieht es nunmehr Audi nach außen. Mit dem größten Messeengagement der Firmengeschichte gibt es eine einzigartige Themenwelt mit den vier Ringen. Innen gibt es nicht nur gigantische Ausstellungsflächen in einem eigens für die Messe kreierten Temporär-Gebäude, sondern auch eine überdachte Teststrecke. Kosten: im zweistelligen Millionenbereich. Daimler zieht es mit seinen vier Marken Mercedes, Smart, AMG und Maybach traditionell in die Frankfurter Festhalle. Dort, wo sonst kulturelle Hochgenüsse oder Sportveranstaltungen stattfinden, können die erwarteten 900.000 Besucher in eine Mercedes-Welt eintauchen, die Bestmarken setzt. Doch in einem unterscheiden sich die Messestände von den Topfirmen nicht von den kleineren Herstellern.
Bis zuletzt werden an den Messeständen Teppiche verlegt, Wände aufgestellt und Leitungen verlegt. Nach nicht einmal zwei Wochen ist der Spaß am Abend des 25. September wieder vorbei. Dann rollt die Armee der tausenden von Helfer wieder an und baut die Automobilwelt am Main wieder ab. Einiges des Messeinventars geht gleich weiter auf die Reise nach Übersee. Die nächsten Großmessen finden Mitte November in Los Angeles und Anfang Dezember in Tokio statt. Der Auto-Zirkus dreht sich weiter – gerade wenn die Branche so boomt, wie aktuell.





























