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Testbericht

Stefan Grundhoff / Marcel Sommer, 20. November 2013
Kantige Kei-Cars, abgefahrene Sportler und entrückte Studien - das alles gibt es bei der 43. Tokio Motorshow zu bestaunen. Doch die Nippon-Show auf dem Messegelände Big Sight hat es in diesem Jahr besonders schwer. Parallel gibt es die Autoshow in Los Angeles.

Dümmer kann man sich kaum anstellen. Als ob die japanische Automesse in den letzten Jahren nicht schon genug Probleme gehabt hätte, will sie in diesem Jahr sogar der Los Angeles Autoshow die Stirn bieten. Schlimm genug, dass in diesem Herbst mit den Automessen in Guangzhou, Los Angeles und Tokio nicht ohnehin drei große Events sich die Luft zu atmen rauben, so platzierte sich die nur im Zweijahres-Rhythmus stattfindende Tokio Motorshow auf exakt dem gleichen Termin wie die bedeutende Messe in Los Angeles - und überschneidet sich zudem auch noch mit der wirtschaftlich alles andere als unbedeutenden Leistungsschau im chinesischen Guangzhou. So kann man sich das Leben auch selbst schwer machen. Kein Wunder, dass es in Tokio kaum etwas Internationales zu bestaunen gibt, was nicht ein paar Stunden später auch an der amerikanischen Westküste zu sehen ist.

Die Japaner lieben ihre eigenen Marken und so langsam geht es auch wieder auf dem heimischen Markt aufwärts. Die Messestars heißen an sich daher nur in zweiter Reihe Porsche Macan, Mini, BMW 4er Cabrio oder Mercedes S 65 AMG. Die japanischen Hersteller sprechen bei ihren Präsentationen fast unisono von "Fun to Drive" und der puren Lust am Auto. So auch der neue Mazda-Chef Masamichi Kogai: "Wir müssen Autos machen, die Spaß machen und die man einfach fahren will." Doch die echten Spaßmacher der japanischen Autohersteller sind überschaubar. Nicht ähnlich dünn und inhaltsleer wie vor zwei Jahren. Doch das kraftvolle Lebenszeichen einer der größten Autonationen der Welt sieht anders aus als der Messeauftritt der 43. Tokio Motorshow. Mit dem Umzug der Messe ins zentral gelegene Messegelände Big Sight sollte ein Ruck durch die lokale Autoindustrie gehen.

Doch auch wenn Fukushima zweieinhalb Jahre vorbei ist, scheint den japanischen Herstellern nach wie vor die Orientierung zu fehlen - insbesondere international. Nur mit wenig emotionaler Hybridtechnik allein ist auf der Messe kein Staat mehr zu machen. Auch wenn an einigen Messeständen wieder verstärkt das Hohelied auf die Brennstoffzelle gesungen wird, sieht die Realität anders aus. Denn so langsam bekommen die Japaner Lust auf den ebenso effizienten wie lange Jahre verhassten Dieselmotor. "Die Akzeptanz der Diesel nimmt zu", sagt Mazdas Entwicklungs-Chef Takahisa Sori, "bei unserem CX-5 haben wir einen Clean-Diesel-Anteil von über 80 Prozent und beim neuen Mazda 6 sind es auch über 70 Prozent." So zeigt Volkswagen in Tokio die Studie des Twin Up, der mit dem Dieselhybrid-Modul der Sparzigarre XL1 unterwegs ist.

Produkte, die Lust aufs Autofahren machen, sind dünn gesät. Eines der Messehighlights ist das Nissan-Doppel aus IDx Freeflow und IDxNismo, die als optische Symbiosen aus Lancia Fulvia und einer kaum weniger schneidigen Toyota Celica wohl nicht nur in Japan beste Marktchancen hätte. Natürlich gibt es sie auf dem weitläufigen Messegelände Big Sight die coolen Nippon-Spielereien wie der automatisierte Einzeller namens i-Road von Toyota oder der betont kraftvolle Lexus RC, bei der Kunde die Wahl zwischen einen 3,5 Liter großen Sauger oder einem 2,5 Liter großen Hybrid-Vierzylinder hat. Wer es offen mag, freut sich auf den Toyota FT-86 Open Concept. Allradtechnik und mehr Platz bieten Subaru Cross Sport Design Concept und der Levorg.

Mazda verzichtet in Tokio auf große Modellneuigkeiten und schärft die hauseigene Technik. Erstmals in Tokio zu sehen der Mazda 3 Hybrid und ein Dreier mit Erdgasantrieb. Die Hybridversion ist zunächst für Japan gedacht; soll abgewandelt mittelfristig jedoch auch in die USA und nach Europa kommen. Das realitätsnahe Toyota JPN Taxi Concept kombiniert größtmögliche Platzverhältnisse und maximale Praktikabilität mit einem Flüssiggasantrieb und einer Brennstoffzelle. Serieneinsatz ist wahrscheinlich, aber nur in Japan. Ebenfalls mit Brennstoffzelle unterwegs: der Toyota FCV Concept, der 2015 in Serie gehen soll. Daihatsu lässt den coolen offenen Zweisitzer Copen als Neuauflage auferstehen. Weshalb er sich nun Kopen schreibt, bleibt ein Firmengeheimnis. Neu sind die wechselbaren Bodypanels, mit denen sich der offene Zweisitzer nach Smart-Vorbild stimmungsvoll umkolorieren lässt. Für Europa ist der kleine Flitzer leider nicht vorgesehen. Das dürfte beim Honda S660 Concept schon anders aussehen. Der offene Spaßmacher könnte dem Mazda MX-5 von unten Konkurrenz machen.

So kommen unter dem Strich viele der Messehöhepunkte dann doch aus Europa. Ebenso sehenswert wie sportlich das neue BMW 4er Cabrio, das coole Jaguar F-Type Coupé oder der Porsche Macan, der die Zuffenhausener endgültig zur Volumenmarke machen soll. Wer schon alles an Limousinen gefahren ist, sinniert nach dem 630 PS starken Mercedes S 65 AMG. Deutlich bulliger und kraftvoller als bisher präsentiert sich die neue Auflage des Mini, der seinem Erscheinungsbild treu geblieben ist. Nunmehr auf der kleinen BMW-Plattform unterwegs gibt es einen deutlich schickeren Innenraum und Triebwerke mit drei und vier Zylindern. Mit weniger Leistung muss der Suzuki Hustler auskommen, dessen Name ausladend-feminine Formen verspricht. Die Realität zeigt knappe Dimensionen und Kubusdesign. Wichtiger für den europäischen Markt ist die realitätsnahe Studie des Suzuki iv.4, die als Serienversion eines kompakten SUV allemal überfällig ist. Das gilt auch für den Honda Vezel. Der rund 4,30 Meter lange Crossover soll unter einem anderen Namen 2015 auch nach Europa kommen. In Japan gibt es ihn als Benziner und Hybrid-Benziner mit 1,5 Litern Hubraum.
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Quelle: Autoplenum, 2013-11-20

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