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Testbericht

Stefan Grundhoff, 21. Oktober 2009
War das eine Messe vor zwei Jahren. Die Tokio Motorshow schwang sich einmal mehr auf, das Tor zur großen Automobilwelt weit aufzustoßen. Doch bei der diesjährigen Leistungsschau sieht es düster aus. Nur drei Hersteller aus dem Ausland – international ein Trauerspiel.

Schwere Zeiten für die japanische Autolandschaft. Die blühenden Wiesen, die seit den 90er Jahren in Tokio wucherten, sind längst Vergangenheit. Der japanische Nachwuchs begeistert sich für ipod, Handy-TV, Spielzeug, Ausbildung und Beruf – das Auto als Fortbewegungsmittel und fahrbares Lustobjekt kriegt dagegen kein Bein mehr auf den Boden. Die einstige Sogwirkung der Tokio Autoshow wurde längst von den asiatischen Konkurrenzmessen in Shanghai und Peking weggeblasen. Den Rest erledigt die Krise.

Auf dem Wachstumsmarkt China will heute jeder auftrumpfen. Da strahlen prachtvolle Karossen auf gigantischen Ständen, sorgen bekannte Stars mit Live-Auftritten für Aufmerksamkeit und Applaus. Im Vergleich dazu kommt einem die 41. Tokio Motorshow vor, wie die Leistungsschau des Metzgereihandwerks in Oer-Erkenschwick. Die heimischen Hersteller zaudern auf ihrer eigenen Messe, füllen die Hallen mit Spielzeugfirmen, Zulieferern und unzähligen Themenausstellungen auf. Trotzdem sind viele Gänge breiter als die mickrigen Messeauftritte. Selten gab es auf einer Fläche so viel leeren Teppich zu sehen, wie im Messezentrum Makuhari. Dass Europäer, Amerikaner und Koreaner die Messe in diesem Autojahr komplett von ihrem Terminplan geworfen habe, stellte sich schlichtweg als Katastrophe heraus. Die Auswirkungen dürften Jahre andauern.

Da hilft es auch nichts, dass bunte Phantasiefiguren über die Plakate fliegen und Werbung für eine Messe machen, für die sich scheinbar nicht einmal die lokale Branche ernsthaft interessiert. Dabei kommt die japanische Autoindustrie nach schweren eineinhalb Jahren gerade erst mühsam wieder auf die Räder. Die Verkaufszahlen steigen leicht an – nach Monaten der Rezession. Trotzdem ist die Stimmung auf der Tokio Motorshow kaum besser, als auf den anderen Messen der jüngsten Vergangenheit. Das Bild ist düsterer wie es kaum sein kann. Ein Konzept aus der Automobilkrise hat keiner, auch wenn die von Messebauern effektvoll in Szene gesetzten Stromkabel an Ständen und Fahrzeugen den Besuchern etwas anderes vorgaukeln wollen.

Der Marktanteil der kleinen Kei-Cars wird in Japan zunehmend größer. Er liegt bei über 30 Prozent. Immer weniger Leute haben genügend Geld, um es in teure Autos zu investieren. Wenn schon schnell und teuer, dann soll es für die meisten in den noblen Gegenden von Tokio, Yokohama oder Hiroshima etwas Europäisches sein. Doch Firmen wie Volkswagen, BMW, Mercedes und Porsche fehlen in den Makuhari-Messehallen ebenso wie die anderen bedeutenden Hersteller aus dem Ausland. Dabei sind gerade sie das Salz in der beliebten Miso-Suppe. Denn die Emotionalität der meisten einheimischen Marken ist kaum größer, als die eines abgegriffenen Manga-Heftchens. So sind die echten Neuigkeiten der Show dann auch allein auf den japanischen Markt beschränkt.

Nissan-Chef Carlos Ghosn ließ sich seinen großen Auftritt in dem Hightech-Kabinenroller Nissan Land Glider nicht nehmen und rief das Rennen um „Zero-Emissions“ aus. Der Land Glider ist ein 3,10 Meter langes und 1,10 Meter breites Elektromobil, in dem zwei Insassen hintereinander Platznehmen können. So könnte 2010 die Zukunft in Tokios Innenstadt aussehen. Deutlich realitätsnäher ist das schon der Nissan Leaf, der als erstes Großserien-Elektromobil Ende 2010 auch nach Europa kommen soll. Mit seinem 80 Kilowatt starker Elektromotor hat der Golf-Konkurrent eine Reichweite von immerhin 160 Kilometern. Konnte man bei der Messe vor zwei Jahren noch Studien des Audi A1, dem BMW 1er Tii oder dem VW Space Up bewundern, kommt aus Deutschland diesmal nur eine winzige Gesandtschaft. Die eine gehört zum BMW-Tuner Alpina, die in den luftigen Messehallen von Tokio die Langversion des B7 BiTurbo zeigt. „Das sind wir unseren lokalen Kunden schuldig“, sagt Verkaufsleiter Günther Schuster, „schließlich feiern wir in diesem Jahr unseren 30. Geburtstag auf dem japanischen Markt. Wir erwarten auf der Messe viele treue Kunden.“

Auch Volkswagen wollte sich die ehemals wichtigste Messe auf dem asiatischen Kontinent nicht völlig entgehen lassen. So inspizierte VW-Entwicklungsvorstand Dr. Ulrich Hackenberg die neusten Konkurrenzmodelle von Toyota, Daihatsu, Mitsubishi und Co. zusammen mit seinem Team aufmerksam. Besonders groß war das Interesse der Reisegruppe aus Wolfsburg am Daihatsu-Stand. Ist das kleine Gelände-Cabriolet mit Namen Basket kaum mehr als eine nette Spielerei, so dürfte die schmucke Studie e:s mehr Realitätsbezug haben. Der japanischen Kleinwagen in der Machart eines Mini Cooper will die beiden Begriffe „eco“ und „smart“ in Fahrt umsetzen. Dank eines kleinvolumigen Triebwerks mit Start-Stopp-System soll der 700 Kilogramm schwere Daihatsu e:s nur rund drei Liter Kraftstoff auf 100 Kilometern verbrauchen.

Ein Designtrend ist auf der 41. Tokio Motorshow klar abzulesen. Für den heimischen Markt müssen es kleine Autos mit einer maximalen Raumausnutzung sein. Das Design von Microvans wie Daihatsu Deca Deca oder dem Tanto ist boxy und fernab aller aerodynamischen Finessen. Doch die Japaner stehen drauf. Deutlich sehenswerter zeigt sich der neue Nissan Fuga, der nahezu identisch im kommenden Jahr als Infiniti M auch nach Europa kommen wird. Mit einer Länge von 4,95 Metern ist er zwischen 5er und 7er BMW platziert. Angetrieben wird der Fuga in Japan von Sechs- und Achtzylinder-Benzinern. Noch eindrucksvoller ist der Auftritt im neuen Lexus LF-A. Nachdem der Supersportwagen mit seinem 560 PS starken Zehnzylinder jahrelang nur als Messemodell zu sehen war, feiert er in Tokio seine offizielle Weltpremiere. 325 km/h Spitze muss man mit 375.000 Euro jedoch teuer bezahlen. Etwas günstiger dürfte das zukünftige kleine Schwestermodell aus dem Hause Toyota werden. Die Studie des Toyota FT 86 könnte in zwei bis drei Jahren sportliche Realität werden. Für den Antrieb sorgt ein Boxermotor aus dem Hause Subaru.

Honda zeigt auf der Tokio Motorshow einmal mehr die Studie des sportlichen Hybriden CR-Z, den die meisten bereits als Serienversion erwartet hatten. Eine schmucke Mischung aus Elektromobil und Autobianchi A112 ist der Honda EV-N, der die Vision eines Pendlerfahrzeugs von Übermorgen darstellt. Auf Elektroantriebe setzt auch Mitsubishi mit dem PX-MIEV Concept sowie Subaru mit dem futuristischen Hybrid Tourer. Neuigkeiten über moderne Benzintriebwerke mit Turboaufladung, die Leistung und Verbrauch unter einen Hut bringen, gibt es allein bei Mazda zu hören. Die neue Motorengeneration „SKY“ soll 2011 auch nach Europa kommen.
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Quelle: Autoplenum, 2009-10-21

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