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Testbericht

Stefan Grundhoff, 11. April 2019
Es gibt stimmungsvollere Oldtimerevents, man findet leicht schmuckere Lokalitäten und exklusiver als in Essen ist es anderswo sowieso. Und doch sollte man sich als Fan von Old- oder Youngtimer einen Abstecher in die Ruhrgebietsmetropole zur 31. Techno Classica gönnen. Die Fahrzeuge sind ebenso zahlreich wie einzigartig.

Den spektakulären Scheunenfund des Mercedes 300 SL Flügeltürers gab es im März bereits beim exklusiven Oldtimertreff in Amelia Island / Florida zu bestaunen, doch wo bekommt man sonst schon einen historischen Ford Capri mit 273 PS starkem V8-Motor, eine unbezahlbare Heerschar an Porsche 911 Modellen oder den schwedischen Post-Fridolin von Kalmar mit Saab-Technik zu bestaunen? Oldtimer sind begehrter denn je; Youngtimer ohnehin und der Teilehandel boomt. Lederjacken mit dem Signet von Walter Röhrl, seltene Rückleuchten vom De Tomaso Pantera, Modellautos aus ehrwürdigen DTM-Zeiten oder Türdichtungen für einen alten VW Scirocco? Es gibt in Essen nichts, was es nicht gibt. Und wenn die Teile nicht mehr zu bekommen sind, werden diese mit dem 3D-Drucker eilig nachgemacht. Wen stört es schon, dass sich die Leistungsschau klassischer Autos trotz größer gewordenen Konkurrenz in den vergangenen zehn Jahren kaum weiterentwickelt hat, die Dauerbaustelle Grugahallen kein Ende zu nehmen scheint und sich die meisten Autopreise in Höhen geschraubt haben, sodass sich viele Fans selbst einen Mittelklasse-Youngtimer nicht mehr leisten können? Auktionshäuser wie Coys oder RM Auctions haben die Techno Classica längst ebenfalls für sich entdeckt, um teure Autos aus aller Welt an den Mann und die Frau zu bringen.

2.700 Autos, mehr als 1.250 Aussteller sowie erwartete 180.000 Besucher sind eine gigantische Zahl. Der Historientrend scheint kein Ende zu kennen. Die Fahrzeugpreise sind zwar nicht derart stark gestiegen wie in den Jahren zuvor, doch von einer Baisse mag man gerade bei den Prachtmodellen von Porsche, Mercedes, Ferrari, Aston Martin und Co. kaum etwas erkennen. Noch bevor die Essener Grugahallen ihre Tore offiziell zur 31. Techno Classica öffnen, prangt an vielen glitzernden Boliden bereits das Schild verkauft / sold / verkocht - nicht mehr zu bekommen. Dass der Markt überhitzt ist, wenn eine Mercedes 280 SL Pagode gut 300.000 Euro oder ein 1970er Porsche 911 Targa 100.000 Euro kostet, mag ja sein, doch die Nobelmodelle vergangener Zeiten gehen trotz strammer Preise weg, wie die sprichwörtlich warmen Semmeln.

Hier und da hört man leise und bisweilen zwischen den Zeilen leises Wehklagen. \"Die Autos verkaufen sich nicht mehr so schnell wie in den vergangenen Jahren\", gibt der Klassikspezialist vom niederländischen Ijsselmeer unumwunden zu. Andere bejahen, dass italienische Sportwagen und Luxuslimousinen aus deutschen Landen unverändert steigen und die Preise prall sind, während sich Vorkriegsmodelle die Räder platt stehen und schnöde Massenmodelle wie Ford Taunus, Opel Rekord oder Renault 4 darben. Und wer genau hinschaut, kann in den Sammelhallen, wo hunderte von Klassikern dicht an dicht zwischen den Absperrungen stehen, so manches Fahrzeug erblicken, dass dort bereits im vergangenen Jahr zu sehen war.

Doch kaum ein Event und schon gar keine Messe gibt einem ein derart kleingliedriges Bild von der Old- und längst auch Youngtimerszene. Was läuft, was läuft nicht und was ist der nächste Trend? Kein Wunder, dass sich es die großen Autohersteller kaum nehmen lassen, auf der Techno Classica mit einem Messestand für Image und Kunden zu sorgen. Dass sich hier und da an die Messestände auch neue Fahrzeuge geschlichen haben, die hier nichts zu suchen haben, irritiert nicht nur eingefleischte Oldtimerfans. Letztlich sind es jedoch nicht nur die Autos, die den Unterschied machen, denn wo sonst können sich die Clubs und Interessengemeinschaft derart erstklassig in Szene setzen und die eigenen automobilen Gelüste nach außen tragen? Der Unimog Veteranen Club lockt mit einem Räumfahrzeug der Bereitschaftspolizei, während nur ein paar Meter weiter ein hellblauer Maserati Merak 2000 GT für mehr als 65.000 Euro auf Kundenfang geht.

Mercedes Adenauer Cabriolet, Lamborghini Jalpa, die zahllosen Mercedes W 126, ein tiefgrüner Bentley Blower oder ein cremefarbener Ford Mustang für knapp 60.000 Euro - in Essen gibt es einfach alles - außer billig. Hier einer der ältesten Porsche 912, dort ein Prototypenterzett des legendären Mercedes C 111, der in diesem Jahr ebenso seinen 50. Geburtstag feiert wie der VW 181, der viel besser als VW Kübel oder The Thing bekannt ist. Jubiläen feiern und Techno Classica - das gehört ebenso an den Ruhrschnellweg wie die Fans von Autoprospekten, Büchern, Postern oder automobilen Devotionalien. Wen stört da schon, dass ein BMW 850 CSi von 1992 mittlerweile atemberaubende 95.000 Euro kostet und ein Land Rover Generation I locker die 50.000-Euro-Marke knackt? Dann vielleicht eher doch ein BMW 1600 Cabrio für 65.900 Euro oder ein Mercedes 300 SL Flügeltürer für mehr als 1,5 Millionen? Die Techno Classica in Essen kennt auch 2019 kaum irdische Grenzen. Wäre schön, wenn das in den nächsten Jahren so bleibt. Viele freuen sich derweil auf den nächsten Aufritt von Rock\\\'n\\\'Roll-Dauerbrenner Peter Kraus - der kommt wie Plakate zeigen, am 2. November mit seiner großen Jubiläumstournee - Klassiker scheinen in der Gruga ganzjährig voll Trend zu liegen.
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Quelle: Autoplenum, 2019-04-11

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