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Testbericht

Stefan Grundhoff, 15. Juni 2016
Es ist Wimbledon, Olympia, die Fußballweltmeisterschaft und Weihnachten auf einmal. Die 24 Stunden von Le Mans sind eine wahnwitzige Legende des Motorsports. Rund um die Uhr geht es auf dem Sarthe-Kurs um alles oder nichts.

24 Stunden interessiert die Fußball-Europameisterschaft in Frankreich allenfalls am Rande und nahezu die gesamte Automobilwelt schaut ins abgelegene Département Sarthe, um das Rennen der Rennen zu verfolgen. Jedes Jahr geht es zumindest nach Ansicht der beteiligten Teams um mehr als in den Jahren zuvor. Jedes Mal wird es spannender und der Druck steigt ins Unermessliche. Wenn auf dem über 13 Kilometer langen Hochgeschwindigkeitskurs jede Runde zu einer Sprintrunde wird und gestandene Vorstandschefs von Automobilmarken in der Boxengasse Tränen in den Augen steigen, geht es ums Ganze - und vielleicht noch mehr.

Die 84. Auflage der 24 Stunden von Le Mans verspricht in der Tat einiges an Spannung. Porsche, im vergangenen Jahr Überraschungssieger mit seinem 919 Hybrid (Vierzylinder-Turbo mit zwei Litern Hubraum), ist dieses Jahr der Hersteller, den es schlagen gilt. In dessen Rückspiegeln türmt sich die imageträchtige Konkurrenz aus Japan und Deutschland auf. Audi will die konzerninterne Schmach aus dem vergangenen Jahr ausgleichen und mit seinem neuen R 18 TDI (Vier Liter V6-Diesel) wieder als erstes durchs Ziel fahren. Und dann ist da noch Toyota (TS 050, 2,4-Liter-V6-Turbo), bisweilen schneller denn je, aber bislang ohne das große Fortune an der Sarthe. In der zweiten Reihe der Königsklasse: Kolles CLM P01 AER (V6-Biturbo) und der Rebellion R-One AER (ebenfalls V6-Biturbo).

Natürlich blicken nicht alle auf die Topliga LMP1. Gerade bei den seriennahen Tourenwagen der GTE-Klasse geht in diesem Jahr mächtig die Post ab. Bei den Vorrennen fuhr der Ferrari 488 GTB die Konkurrenz in Grund in Boden. "Bei unserem Auto ist nicht viel mehr als die Farbe gleich", lacht Ferrari-Werkspilot Giancarlo Fisichella, "erstmals sind wir mit Turbopower unterwegs. Zudem haben wir deutlich mehr Abtrieb und können die Kurven von Le Mans viel schneller fahren." Schwere Zeiten für Porsche 911, Vorjahressieger Corvette, Aston Martin Vantage oder die erstmals an den Start gehenden Ford GT, die vor 50 Jahren einen Dreifach-Sieg herausfuhren. Insgesamt gehen bei dem Langstreckenrennen in der französischen Diaspora 60 Fahrzeuge mit 180 Fahrern an den Start.

Jeder noch so kleine Fehler kann das Ende aller Siegeshoffnungen bedeuten und die monatelange Vorbereitung ad absurdum führen. Dafür ist der Sieges-Lorbeer umso begehrter. Schließlich geht es nicht um irgendein Rennen, sondern um die 24 Stunden von Le Mans - das größte Motorsport-Festival der Welt. Die 24 Stunden von Daytona oder der Fomel-1-Grand-Prix von Monaco sind im Vergleich zur Rund-um-die-Uhr-Jagd im Nordwesten Frankreichs kaum mehr als bessere Provinzveranstaltungen. Einige der berühmtesten Kurven der Welt, die jeder Motorsportfan aus dem FF kenn, durchjagen die Fahrer immer und immer wieder. Darunter sind einige der berühmtesten Ecken der Welt: Tertre Rouge, Arnage, Porsche, Mulsanne und Dunlop. Auf den langen Geraden ballern die LMP1-Boliden mit über 340 km/h über die Strecke - bei Tag und bei Nacht. Kein Rennen hat mehr Historie. Hier spielten sich triumphale Szenen und Tragödien ab. Jaguar und Ferrari dominierten in den 1950ern und 1960ern. Porsche zelebrierte mit dem legendären 917 seine größten Erfolge. Audi war in den vergangenen Jahren kaum zu schlagen. Wer in Le Mans gewinnt, steht auf immer und ewig in den Geschichtsbüchern des Rennsports. Aber auch Tragödien erschütterten die 24-Stunden-Wettfahrt. Trauriger Höhepunkt: Vor 60 Jahren kamen bei dem dramatischen Unfall, in den der Mercedes von Pierre Levegh verwickelt war, über 80 Menschen ums Leben. Der deutsche Autobauer zog sich nach dem schlimmsten Unfall der Rennsportgeschichte für Jahre vom professionellen Wettkampf zurück.

Heute ist das Rennen ein weltweites Megaereignis. Neben den vielen Millionen, die rund um den Globus gebannt das Geschehen an Computer, Tablet oder Fernseher verfolgen, pilgern jedes Jahr weit mehr als 200.000 Fans an die 13,629 Kilometer lange Rennstrecke und feiern eine Party, bei der nicht nur die Umdrehungen der Motoren hoch sind. Was bei dem ganzen Spaß fehlt, sind Hotels. Also gibt es rund um die Strecke-Zeltplätze. Darunter auch die Edel-Version, die mit einem Maschendrahtzaun und Türstehern ihr Revier markieren. Dann wird zwischen Aston-Martins, Jaguars und Porsches gegrillt und natürlich getrunken. Die Engländer bleiben gerne unter sich und tun das auch gerne mit einer Fahne, die das rote Georgskreuz tragen, kund.

Die Deutschen rücken gerne mit dem eigenen Wohnmobil an. In Le Mans ist egal, ob Du mit einem Rolls-Royce oder einem Trabi vorfährst: An der Strecke, die zum Teil über öffentliche Straßen führt, sind alle gleich. Die Fans eint die Begeisterung für Motorengewalt und die sportliche Höchstleistung. Wer mit Ohrenstöpseln schläft, wird als Weichei verpönt. La Boom, die Le-Mans-Fete startet bereits während der ganzen Woche. Das Highlight für viele Aficionados ist das "En venant aux 24 Heures du Mans". Dort präsentieren die Fans in der Innenstadt auf dem Place de Jacobins ihre teils aufwendig restaurierten Privatfahrzeuge. Eine Jury entscheidet über den Gewinner, dem ein Foto-Shooting inklusive Fahrzeug auf der Rennstrecke winkt. Die Preziosen bilden die passende Kulisse für eine ganz besondere Kino-Aufführung. Am Abend wird auf einer Großbildleinwand der legendäre Film "Le Mans" mit Steve McQueen gezeigt. Wer meint, es besser zu Können, als die Profis, kann sich an den Tagen vor dem Rennen bei Kart-Fahrten oder im Simulator austoben.

Trotz aller Professionalität bieten die 24 Stunden von Le Mans Motorsport zum Anfassen: Eine Autogrammstunde jagt die nächste. Die Fahrerparade durch die Innenstadt ist ein Pflichttermin für jeden Fan. Die findet am berühmten "Mad Friday" vor dem Rennen statt. Den Namen trägt der Wochentag nicht zu Unrecht: Denn da wird in den Bars und den Theken noch einmal richtig Gas gegeben. Immerhin startet das Rennen erst am Samstag um 15 Uhr. Mit viel Schlaf und Aspirin sollten selbst die härtesten Schnapsjäger bis dahin wieder fit sein. Nur den legendären Le-Mans-Start, bei dem die Fahrer zu ihren Autos laufen, gibt es schon lange nicht mehr.
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Quelle: Autoplenum, 2016-06-15

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