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Testbericht

Stefan Grundhoff, 23. September 2010
Jaguar Co. haben ein Problem: Durch ihre üppig motorisierten Flotten sind sie für künftige Abgas-Grenzwerte kaum gerüstet. Die Briten zeigen nun eine Limousine mit E-Motor und Extender.

Luxus-Limousinen der 100.000-Euro-Klasse gelten gemeinhin nicht gerade als ökologisch wertvoll. Jaguars neue Oberklassen-Sänfte XJ zum Beispiel pustet als V8-Benzinversion schon offiziell 264 Gramm CO2 je Kilometer durch die beiden Auspuff-Endrohre. Und auch im Diesel liegt bei zwei Zylindern weniger der Schnitt noch bei 184 Gramm. In der ganzen aktuellen, gerade aufgefrischten Modellpalette ist nicht ein Jaguar unter 179 Gramm CO2-Emission zu finden. Nicht unbedingt zukunftsweisend angesichts gesetzlich verordneter Grenzwerte, die künftig deutlich tiefer liegen werden - und keinem einzigen Kleinwagen im Programm, dessen Verbrauch man querrechnen könnte.

Hohe Zeit also, dass sich die Briten etwas einfallen lassen. Und das machen sie: Die Ingenieure tüfteln an eher konventionellen Motoroptimierungen genauso wie an Hybridkonzepten oder selbst Rekuperationssystemen mit Schwungrad. Ein weiteres Stück Forschung aus Jaguars Ideenschmiede rollt seit kurzem über Englands Straßen, schön verpackt in das Alu-Kleid des XJ. "Limo-Green Hybride" heißt das gemeinsame Forschungskonzept von Jaguar, Lotus, MIRA und Caparo. Es ist nicht wirklich revolutionär neu - aber doch in vielen Komponenten weiter entwickelt als vergleichbare Fahrzeuge anderer Automobilhersteller. Dabei ist der Forschungs-Jaguar genau genommen kein Hybrid-Auto, sondern verlängert seine rein elektrische Reichweite per Extender. Ähnlich vom Konzept funktionieren zum Beispiel auch der Opel Ampera oder der eng mit ihm verwandte Chevrolet Ampere, die im kommenden Jahr als Serienmodell auf die Märkte in Europa und den USA kommen sollen.

Das Prinzip ist einfach: Angetrieben werden diese Fahrzeuge immer über einen Elektromotor. Im Falle des Jaguar bringt es der Stromer auf eine Leistung von 145 kW/195 PS und ein stattliches Drehmoment von 400 Nm. Er soll die 5,12 Meter lange Limousine binnen 7,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigen und eine (abgeregelte) Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h erlauben. Eine kurze Testfahrt in dem Extender-Jaguar zeigt denn auch schnell: Die Ingenieure haben nicht zu viel versprochen - selbst schon im reinen Forschungsfahrzeug. Wie es sich für einen Jaguar gehört, verschafft die lautlose "grüne Limousine" ihrem Fahrer nicht weniger Fahrspaß als zum Beispiel die herkömmliche Diesel-Version. Weil das Drehmoment bei einem Elektromotor vom Start weg anliegt und nicht erst mit steigender Drehzahl aufgebaut werden muss, reagiert der Elektro-Jaguar sofort und mit souveräner Beschleunigung.

Innen unterscheidet er sich kaum vom Serien-XJ: Komfortmerkmale wie das elektrische Öffnen der Kofferraumklappe oder die Innenbeleuchtung, die über Bewegungssensoren gesteuert wird, sind auch im Versuchsträger zu finden. Nur der Drehzahlmesser im Armaturenbrett ist provisorisch zu einer Art Anzeige für das elektrische Antriebssystem umprogrammiert. Elektroautos brauchen keine Übersetzungsgetriebe, weil der Motor auch so kontinuierlich hochzieht. Das sorgt für ein Fahrgefühl, an das selbst moderne Getriebe mit 8-Stufen-Automatik nicht völlig heran kommen. Im Grunde reichen im Elektroauto drei Einstellungen: Vorwärts, Rückwärts, Parken. Jaguar allerdings hat der "Limo-Green" eine zweistufige Übersetzung eingebaut, damit sich die für E-Autos ungewöhnlich hohe Endgeschwindigkeit von 180 km/h effektiver erreichen lässt. Später sollen in die Serienmodelle möglicherweise sogar dreistufige Übersetzungen eingebaut werden.

Als Energiespeicher dient ein Lithium-Eisen-Phosphat-Akku hinter den Rücksitzen im Kofferraum, der auch an der Steckdose aufgeladen werden kann. Die Speicherkapazität beträgt 8,6 kWh. Das reicht laut Jaguar, um rein elektrisch und emissionsfrei rund 48 Kilometer weit zu kommen. Das ist etwas knapp - Opels Ampera zum Beispiel soll 60 Kilometer schaffen. Gemeinhin gilt das als die Distanz, innerhalb derer sich die meisten Fahrten im Alltag bewegen. Aber falls der Jaguar in Serie gehen sollte, dürfte er auch schon weiter kommen als das Forschungsfahrzeug. Die Akkus rauben dem normal 520 Liter fassenden Kofferraum relativ bescheidene 120 Liter. Wenn der Ladezustand des Akkus unter eine bestimmte Grenze fällt, springt der Extender-Motor an und lädt als Generator entweder den Akku oder steuert Strom direkt für den Betrieb des Elektromotors bei. Angetrieben wird der Jaguar dabei immer vom Elektromotor - der Extender dient nur als Stromerzeuger.

Im Jaguar "Limo-Green" übernimmt diese Arbeit ein 1,2-Liter Motörchen von Lotus. Der komplett aus Aluminium gebaute Dreizylinder in Monoblockbauweise - Zylinderblock, Zylinderkopf und Abgaskrümmer sind aus einem Bauteil - leistet 48 PS. Der Lotus-Motor wiegt gerade mal 56 Kilogramm und kommt so zusammen mit dem Elektromotor in etwa auf das gleiche Gewicht wie ein vergleichbar leistungsfähiges Dieselaggregat. Auch den Extender-Motor haben Lotus und Jaguar im Vergleich zu dem im Opel Ampera weiterentwickelt. Im Opel läuft der Extender mit konstanter Drehzahl. Der Lotus-3-Zylinder dagegen variiert seine Drehzahl zwischen 1500 und 3500 U/min. - je nach dem Bedarf, den der Akku abfordert. Geregelt wird das rein elektronisch. Mit Hilfe des Extenders soll die Jaguar-Limousine eine Reichweite von bis zu 1000 Kilometern haben. Der Ampera wird rund 600 Kilometern schaffen.

In der Mischung soll der Jaguar sich so mit 5,0 Benzin auf 100 Kilometern bescheiden - das entspräche einem Ausstoß von weniger als 120g CO2/km. Der genügsamste Serien-XJ ist derzeit der V6-Diesel mit einem Verbrauch von 7,0 Litern auf 100 km und einer CO2-Emission von 184 g/km. Mit zu dem Spar-Ergebnis haben aber auch noch eine Reihe weiterer Maßnahmen geführt, mit denen Jaguar das 2-Tonnen-Dickschiff abgespeckt hat. So hat Caparo einen Hinterachsträger entwickelt, der um 40 Prozent leichter ist als üblich. Die ebenfalls von Caparo beigesteuerten Keramikbremsen sind um die Hälfte leichter und die Kohlefasersitze von Caparo knarzen zwar noch ziemlich, bringen aber 38 Prozent Gewichtseinsparung. Schon als reines Forschungsfahrzeug macht der Jaguar "Limo-Green" einen sehr guten Eindruck. Mehr noch: Er passt in das Profil, das man von einem Jaguar erwartet. Die Briten werden ohnehin nicht daran vorbei kommen, den Durchschnittsverbrauch ihrer Flotte deutlich zu senken. Und gegen das Spritfresser-Image der luxuriösen Briten kann der grüne Jaguar allemal anstromern.
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Quelle: Autoplenum, 2010-09-23

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