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Testbericht

Wolfgang Gomoll, 20. März 2014
Jaguar lässt es richtig krachen. Das schicke F-Type Coupé soll Porsche und Corvette das Leben schwer machen. Die Waffen, mit der der schnelle Brite antritt, sind dabei alles andere als stumpf: cooles Design, 550 PS und Alu-Karosserie.

Wenn es stürmisch wird, sollte man das Dach schließen. Diese Cabrio-Weisheit hat sich Jaguar zu Herzen genommen und dem schicken F-Type-Oben-Ohne-Roadster ein ebenso ansehnliches Coupé zur Seite gestellt. Damit der Sturm nicht zu einem lauen Lüftchen verkommt, ist der Dampfhammer unter der Motorhaube dementsprechend aufgebohrt. Statt, wie im Cabrio 495 PS, feuert der V8 im F-Type Coupé V8 R die in anderen Modellen üblichen 550 PS durch die vierflutige Auspuffanlage. Wenn man per Knopfdruck den Abgasen freien Lauf lässt, ist der Sound, der aus diesen chromglitzernden Insignien der Motorkraft kommt, alles andere als britisch zurückhaltend: herrlich verrucht bollernd, brodelnd manchmal auch lauthals kreischend und garniert mit einem schlürfenden Ansauggeräusch. Damit diese Symphonie der Antriebspotenz nicht zur bloßen Akustik-Mimikry verkommt, muss die Fahrdynamik stimmen.

Deswegen haben die Jaguar-Ingenieure das Coupé mit elementaren Zutaten des Sportwagenbaus versehen. Deswegen ist die Karosserie fast doppelt so steif, wie die des Cabrios. Dazu verbaute die Truppe von Baureihen-Leiter Ian Hoban Verstärkungen an allen neuralgischen Punkten des Chassis. Die daraus resultierende Verwindungsresistenz spürt man beim Durchfahren von Kurven, wo sich das Jaguar F-Type-V8R-Coupé kaum aus der Ruhe bringen lässt. Damit sich das Ganze noch eine Spur dynamischer fährt, wird exklusiv bei den R-Modellen auf der Vorderachse per Bremseingriffe Torque Vectoring erzielt. Im Zusammenspiel mit dem verbesserten Sperrdifferential der zweiten Generation, das innerhalb von weniger als 200 Millisekunden die ganze Kraft des Motors auf eines der beiden Hinterräder lenken kann, geht es ambitionierter denn je um die Ecken.

Dass die Kraft des Motors dem Fahrer auch richtig ins Kreuz knallt, dafür sorgen maximal 680 Newtonmeter Drehmoment. Der Sprint von null auf hundert vollzieht sich in 4,2 Sekunden. Bei 300 km/h beendet die Motorelektronik den Sturm nach vorn. Wer will, kann die unter anderem Härte der Dämpfer und die Lenkung nach Gusto justieren und so das F-Type-Coupé individuell scharf stellen. Wer unkompliziert eine unterschiedliche Fahrdynamik will, greift zum Erlebnis-Schalter: Bei "Race" geht es richtig zur Sache. Die Lenkung ist direkt, ebenso wie die Gasannahme, die Dämpfer werden härter und die ZF-Achtgang-Automatik knallt die Gänge schneller rein. Damit schießt das 1.665 Kilogramm schwere Power-Coupé schnell um die Kurven. Bei aller Wedelkunst erreicht die schmucke Raubkatze nicht die Präzision eines Porsche 911 Turbo S, der einfach spitzer einlenkt, noch einen Schuss leichtfüßiger ist und aufgrund seines Allradantriebs mehr Traktion hat. Bei der Verzögerung ziehen die Briten gleich: Zum ersten Mal ist eine Karbon-Keramik -Bremse erhältlich. Die kostet dann beim Topmodell F-Type Coupé V8R, das ab 12. April für 103.700 Euro zu haben ist, 8.960 Euro Aufpreis. Allrad ist beim Briten nicht lieferbar.

Von außen kann sich die Raubkatze sehen lassen. Die geschwungenen Linien, die breiten Radläufe und das knackige Heck lassen den Briten einfach gut und satt dastehen. Allerdings trübt der mickrige Spoiler das sportliche Gesamtbild. Das Minibrett schaut aus, wie eine ATU-Nachrüstlösung. Zu allem Unheil fährt der Spoiler bei rund 110 km/h automatisch aus und kann auch oberhalb dieser Geschwindigkeit nicht mehr zum Verschwinden animiert werden. Klar, auch das-F-Type Coupé braucht extra Abtrieb. Also hat man das Menetekel des Designs immer im Blick, wenn man in den Rückspiegel schaut. Jaguar-Chefdesigner Ian Callum stimmt zu: "Mir gefällt der Spoiler auch nicht. Ich wollte eine andere Lösung machen, bei der der Spoiler, wie bei Porsche breiter ist und sich nicht so steil aufstellt. Aber Porsche hält das Patent und wollte uns das nicht machen lassen.". Doch der kreative Schotte hat schon Ideen in petto. Zum Beispiel, dass sich die Heckflosse teilt und die Flaps seitlich hochfahren. Das muss bis zum Facelift warten.

Beim Kofferraum, der 407 Liter fasst, hat Callum auch eine klare Meinung: "Da passt genug Gepäck für zwei Personen rein, Wer mehr Platz braucht, soll sich einen Land Rover kaufen." Platz ist zumindest auf den zwei Sitzen genug, auch wenn opulente Raumverhältnisse andere sind. Dafür sorgt schon die breite Mittelkonsole. Eine gute Sitzposition ist dennoch schnell gefunden und auch großen Personen fällt das Dach nicht auf den Kopf. Die Materialien stimmen und das Lenkrad liegt gut in der Hand. Nur bei der Anmutung des Bedienkonzeptes müssen die Briten nachlegen, um nicht zu weit hinter den deutschen Premium-Marken zurückzufallen. Doch auch hier dürfte Ian Callum einen Plan in der Schublade haben.
Testwertung
4.0 von 5

Quelle: Autoplenum, 2014-03-20

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