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Testbericht

Wolfram Nickel/SP-X, 16. Oktober 2016

Längst sind muskelbepackte Brandstifter im maßgeschneiderten Businessanzug fester Bestandteil in den Produktpaletten aller Premiummarken. Den Anfang dazu aber machte die BMW Motorsport GmbH mit ihrem seit 1986 gebauten Erfolgsmodell M3. Ein Bayern-Blitz, der mit weit über 1.500 Triumphen als siegreichster Tourenwagen überhaupt in den Annalen der Motorsporthistorie einschlug. „Da gibt es nichts mehr zu tunen“, betonten die Ingenieure der Münchner Sportschmiede vor 30 Jahren in der Werbung, als sie das extreme Konzept des schnellsten 3ers der Serie E30 vorstellten. „Kein Flüstertriebwerk, keine Komfortfederung...“, sondern genug Leben, „um in 6,7 Sekunden auf Hundert zu beschleunigen“ mit einem „tiefergelegten 300 PS-Fahrwerk“. Schließlich hatte die Motorsport-Division dem M3 das Rüstzeug zum Tourenwagen der Gruppe A mitgegeben.

Dazu zählte auch ein Vierzylinder-Motorenblock, der die Basis für das Formel-1-Triebwerk lieferte, mit dem Nelson Piquet damals gerade die WM gewonnen hatte. Im Serien-M3 hatte der 2,3-Liter-16-Ventiler maximal 147 kW/200 PS, immer noch genug, um im Sprintderby alle Mercedes 190 E 2.3-16, Audi quattro oder Ferrari Mondial zu schlagen. Ein Powerpaket, für das BMW damals Preise auf dem Niveau des 7ers verlangte. Die Fans stehen trotzdem Schlange für jede der bis heute fünf Generationen des BMW M3 – ist dieser doch ein Denkmal unter den kompakten Kraftmaschinen.

Wir schreiben das Jahr 1985. Nach über einem Jahrzehnt ungebremsten Wachstums geriet BMW erstmals unter Druck. Das Brot-und-Butter-Modell der Bayern, die 3er-Reihe, verlor deutlich an Boden seitdem der Mercedes 190 zum Modeauto der Yuppies avancierte und Audi mit forschen Fünfzylindern und Quattro-Technik die Premiumklasse provozierte. Was tun? BMW fuhr mit fünf frischen Versionen seines 3ers der Serie E30 auf die Frankfurter IAA, darunter der M3 als schneller Superstar. Mehr als zuvor schon die Modelle M635 CSI und M5 drohte der M3 alle BMW-Haustuner arbeitslos zu machen, denn die Motorsport GmbH platzierte den 4,35 Meter kurzen Zweitürer als relativ volumenstarkes Modell. Schließlich musste der M3 die Homologationsvorgaben für den Tourenwagensport der Gruppe A erfüllen, wonach mindestens 5.000 Einheiten des rund 60.000 Mark teuren Geschosses verkauft werden mussten. Kein Problem, denn der bayrische Ballermann löste bei leistungsbewussten Sportfahrern rasendes Verlangen aus.

Bereits im Sommer 1986 und damit weit vor Auslieferungsbeginn wurden Kaufverträge für den 235 km/h schnellen Vierzylinder mit sattem Aufschlag gehandelt und allein im Jahr 1987 konnten 6.400 Einheiten verkauft werden. Insgesamt wurden vom Urvater aller BMW M3 bis Ende 1992 sogar fast 18.000 Einheiten abgesetzt, darunter knapp 800 Cabriolets. Dieser 1988 vorgestellte Frischluft-M3 setzte in der stärksten Version 158 kW/215 PS frei, genug Temperament für Tempo 239 und den inoffiziellen Titel des damals weltweit schnellsten familientauglichen Sonnenstudios. Eine andere Spezialversion des M3 blieb allerdings Unikat, denn nur für den Werksverkehr der Motorsport GmbH in Garching entstand ein M3 Pick-up. Für BMW wurde die E30-Baureihe ein bis dahin beispielloser Bestseller, von dem bis 1994 2,3 Millionen Fahrzeuge gebaut wurden. Möglich gemacht hat dies nicht zuletzt der M3 als Imagelokomotive. Ein Kompakter, der am Ende seiner Karriere als M3 Sport Evolution mit 175 kW/238 PS starkem 2,5-Liter-Vierzylinder schneller sprintete als das Münchner Spitzenmodell 850i mit 5,0-Liter-V12.

Im Tourenwagensport gewannen die M3-Werkswagen schon im ersten Jahr die drei wichtigsten Titel: Roberto Ravaglia wurde 1987 Tourenwagen-Weltmeister, Winfried Vogt triumphierte in der Europameisterschaft und Eric Van de Poele wurde Deutscher Tourenwagenmeister. Von nun an war der M3 auf Sieg abonniert und avancierte zum Inbegriff des siegreichen Tourenwagens. Dies auch in den USA, wo die zweite Generation des M3 mit einem auf 3,2 Liter Hubraum aufgebohrten Sechszylinder 1996 auf Anhieb die IMSA GTS-2 Klasse gewann und die dritte M3-Generation ab 2001 mit 353 kW/480 PS starkem 4,0-Liter-V8 die American Le Mans Serie dominierte.

Freude am Siegen zeichnete die Auflagen zwei und drei des M3 (E36 bzw. E46) auch in den Verkaufsstatistiken aus. Über 71.000 Einheiten des erstmals als viertürige Limousine lieferbaren M3 (E36) fanden bis zur Jahrtausendwende finanzkräftige Fans, die sich an der Drehmomentstärke des Sechszylindermotors durch die Vanos-Nockenwellensteuerung begeisterten. Mehrere Medien kürten den optisch dezent wie einen Wolf im Schafspelz auftretenden, aber bis zu 236 kW/321 PS scharfen M3 sogar zum Jahrhundertsportwagen. Klassen-Bestzeiten von 7:50 Minuten auf der Nordschleife fuhr dagegen die dritte M3-Generation (E46) als CSL („Coupé Sport Leichtbau“) unter Verwendung ebenso teuren wie leichten Karbons. Eine Aktion, mit der BMW Vorsprung demonstrierte gegenüber nachgeschärften und neuen Rivalen wie Mercedes C 55 AMG und Audi S4. Dazu drehte der nun 265 kW/360 PS starke Reihen-Sechszylinder im M3 fast bis 9.000/min.

Eine neue Krone setzte sich der M3-Stammbaum 2007 auf. Denn damals beugte sich BMW mit dem ersten Achtzylinder im M3 dem Wettrüsten durch immer zahlreichere überstarke Fahrmaschinen in der Mittelklasse. Sogar ein Japaner, der Lexus IS F, zählte nun zu den Herausforderern, aber auch die Amerikaner legten nach. So mutierte der Cadillac CTS-V dank eines 415 kW/564 PS kräftigen 6,2-Liter-V8 zum 308 km/h schnellen Bürgerschreck. Also folgte auch München dem Ruf nach „Need for Speed“: Gegen Aufpreis bot BMW eine Anhebung der bei 250 km/h abgeregelten Höchstgeschwindigkeit an, verbunden mit einem politisch korrekten Fahrertraining auf abgesperrter Strecke. Vor allem aber präsentierte die M GmbH 2010 den BMW M3 GTS. Der Hubraum des 4,0-Liter-V8 wurde durch anderen Zylinderhub auf 4,4 Liter erhöht, die Leistung auf 331 kW/450 PS getrieben, genug für eine Vmax von 305 km/h. Gekleidet in feuerorangefarbene Rennwagenoptik nahm sich dieser M3 nicht Mercedes AMG oder Amis zur Messlatte, sondern den Porsche 911 GT3. Dessen Bestzeiten auf Nürburgring und Sachsenring konnte der einzige M3 mit V8 zwar nicht knacken, dafür vermochte er als M3 GT2 beim 24 Stunden Rennen um die Nürburg zu punkten. Einsame Spitze blieb BMW überdies bei den Produktionszahlen: Schon 2008 lieferte die M GmbH das 300.000. Fahrzeug ihrer Geschichte aus.

Darunter waren auch Unikate, die erst jetzt – zum 30. Geburtstag der M3-Story – in die Öffentlichkeit kommen. So ein 1996 entwickelter M3 Compact (E36) mit bis 236 kW/321 PS starkem Sechszylinder als früher Vorläufer des späteren M2 Coupé. Oder ein M3 Touring (E46) von 2000, der ebenso Prototyp blieb wie ein 2011 mit Straßenzulassung ausgestatteter M3 Pick-up (E90). Nur die in diesem Sommer enthüllte Sonderserie der fünften M3-Generation „30 Jahre M3“ mit 331 kW/450 PS starkem Sechszylinder war in einer Auflage von 500 Einheiten zu haben. Sammlerstatus inklusive.

Wichtige Motorisierungen:
BMW M3 (E30, ab 1986) mit 2,3-Liter-Vierzylinder (143 kW/195 PS bzw. 147 kW/200 PS);
BMW M3 Cabrio (E30, ab 1988) mit 2,3-Liter-Vierzylinder (143 kW/195 PS);
BMW M3 Evolution bzw. M3 Cabrio (E30, ab 1989) mit 2,3-Liter-Vierzylinder (158 kW/215 PS);
BMW M3 Sport Evolution (E30, ab 1990) mit 2,5-Liter-Vierzylinder (175 kW/238 PS);
BMW M3 (E36, ab 1992) mit 3,0-Liter-Sechszylinder (210 kW/286 PS bzw. 217 kW/295 PS);
BMW M3 (E36, ab 1995) mit 3,2-Liter-Sechszylinder (236 kW/321 PS);
BMW M3 (E46, ab 2000) mit 3,2-Liter-Sechszylinder (252 kW/343 PS bzw. 265 kW/360 PS);
BMW M3 (E90, E92, E93, ab 2007) mit 4,0-Liter-V8 (309 kW/420 PS);
BMW M3 GTS (E92, ab 2009) mit 4,4-Liter-V8 (331 kW/450 PS);
BMW M3 (F80, ab 2014) mit 3,0-Liter-Sechszylinder (317 kW/431 PS);
BMW M3 (F80, ab 2016) mit 3,0-Liter-Sechszylinder (331 kW/450 PS);

Chronik BMW M3:
1972: Am 1. Mai nimmt die BMW Motorsport GmbH den Betrieb auf. Chef der Spezialisten-Truppe wird Jochen Neerpasch. Als Rennfahrer engagiert werden Hans-Joachim Stuck, Dieter Quester, Chris Amon und Toine Hezemans, für die Rallyes Björn Waldegaard und Achim Warmbold. Die BMW Motorsport GmbH bezieht ein eigenes Betriebsgelände in der Nähe des BMW-Stammwerks
1973: In Rallyes kommt ein 950 Kilogramm leichter BMW 2002 mit 2,0-Liter-Vierventil-Vierzylinder mit 177 kW/240 PS zum Einsatz.
1978: Marktstart des mit Lamborghini entwickelten Mittelmotor-Sportwagens M1, des ersten BMW mit der Bezeichnung „M“
1986: Einführung des BMW M3 (E30) als zweitürige Straßen- und Rennversion. Die Kaufverträge für den M3 werden mit Aufpreis gehandelt. Für den Einsatz als Werkstransporter wird ein 3er Cabrio zum M3 Pickup umgebaut. Mit einem 2,0-Liter-Vierzylinder (192 PS) und später 2,3-Liter-Vierzylinder (200 PS) wurde der Pickup-Prototyp 26 Jahre lang eingesetzt
1987: Die ersten 5.000 BMW M3 werden auf dem BMW-Parkplatz in München-Freimann für ein Familienfoto vereint. Auf einem M3 gewinnt Roberto Ravaglia die Tourenwagen-Weltmeisterschaft. Zwei Tourenwagen-Europameisterschaften und zwei Titel in der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft (DTM) sowie zahlreiche weitere Siege folgen
1988: Vorstellung von BMW M3 Cabrio
1989: Start des M3 Evolution mit 158 kW/215 PS Leistung. Dieser Motor wird auch für das M3 Cabrio lieferbar
1990: Hubraumvergrößerung auf 2,5 Liter für deutsche Rennserien und bis zu 360 PS Leistung. Als M3 Sport Evolution mit 238 PS und limitiert auf 600 Einheiten war der 2,5-Liter-Typ in Straßenversion lieferbar
1991: Nach 17.970 Einheiten läuft die erste M3-Generation aus
1992: Die zweite Generation des M3 (E36) geht als Coupé an den Start. Ein Cabrio und eine etwas komfortabler abgestimmte viertürige Limousine werden angekündigt
1993: Ab August firmiert die einstige Motorsport GmbH als BMW M GmbH
1994: M3 (E36) als Cabriolet und als Limousine lieferbar
1995: Modellpflege für den M3 mit Leistungssteigerung auf 236 kW/321 PS aus nunmehr 3,2 Litern Hubraum. Gründung der BMW Motorsport Ltd. in Großbritannien, in der alle Motorsportaktivitäten der Marke gebündelt werden. Die BMW M GmbH umfasst nun die drei Bereiche BMW M Fahrzeuge, BMW Individual (individuelle Anpassung und Ausstattung der M-Modelle) und BMW Fahrertraining
1996: Nur als Prototyp entsteht der M3 compact mit 321 PS Leistung
1999: Insgesamt wurden vom M3 (E36) 71.242 Einheiten gebaut, davon 12.435 Fahrzeuge als Limousine und 12.114 als Cabrio  
2000: Die dritte Generation des M3 (E46) rollt in die Verkaufsräume der Händler. Als Machbarkeitsstudie geht ein M3 touring in den Praxistest
2003: Verschärfte Version des M3 wird mit dem Namenszusatz „CSL“ (steht für „Coupé Sport Leichtbau“) angeboten. Besonderheiten: Dach, Mittelkonsole und Türverkleidungen sind aus Kohlefaserverbundstoff gefertigt. Leistungssteigerung auf 265 kW/360 PS. Insgesamt werden 1.383 Fahrzeuge verkauft
2007: In der vierten M3-Generation (erhältlich als Coupé und Limousine) kommt erstmals ein Achtzylinder in einem M3 zum Einsatz. Den Auftakt macht im Herbst das M3 Coupé (E92)
2008: Das 300.000. Fahrzeug der BMW Motorsport bzw. M GmbH wird ausgeliefert. Im Frühjahr starten das M3 Cabrio (E92) sowie die M3 Limousine (E90)
2009: Im November präsentiert die M GmbH den BMW M3 GTS, der ab 2010 ausgeliefert wird. Der Hubraum des Motors wurde durch anderen Zylinderhub auf 4,4 Liter erhöht, die Leistung beträgt 331 kW/450 PS, genug für eine Vmax von 305 km/h      
2011: Ein neuer M3 Pickup wird als Prototyp gebaut und im Werksverkehr eingesetzt mit 309 kW/420 PS Leistung
2014: Die aktuelle fünfte Generation des BMW M3 feiert ihre Markteinführung als viertürige Limousine. Coupé und Cabrio werden als M4 vermarktet. Für Vortrieb sorgt ein Biturbo-Reihensechszylinder mit 3,0 Liter Hubraum
2016: Auf 500 Einheiten limitierte Sonderserie BMW M3 „30 Jahre M3“ in Macaoblaumetallic und mit um 14 kW/19 PS gesteigerter Leistung auf insgesamt 331 kW/450 PS

Mit ihm schoss BMW an die Spitze. Der BMW M3 befreite die Bayern vor 30 Jahren aus einem Absatz- und Image-Tal und katapultierte sich mit einem Basismotor aus der Formel 1 an die Spitze der Vollgasgesellschaft. Auf der Straße seit fünf Generationen als Porsche-Schreck, auf der Piste als bis heute erfolgreichster Tourenwagen aller Zeiten.

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Fazit
Mit ihm schoss BMW an die Spitze. Der BMW M3 befreite die Bayern vor 30 Jahren aus einem Absatz- und Image-Tal und katapultierte sich mit einem Basismotor aus der Formel 1 an die Spitze der Vollgasgesellschaft. Auf der Straße seit fünf Generationen als Porsche-Schreck, auf der Piste als bis heute erfolgreichster Tourenwagen aller Zeiten.
Testwertung
4.5 von 5

Quelle: Autoplenum, 2016-10-16

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