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Testbericht

6. November 2003
Bayreuth, 6. November 2003 – Im Großstadtdschungel – dem urbanen Dickicht aus Häusern, Straßen, Menschen und Verkehr – kam schon so manches Landei unter die Räder. Ja, das dichte Buschwerk mit seinen beißenden Abgaswolken und den bedrohlichen Stau-Schlangen hat eigene Gesetze und verlangt viel Aufmerksamkeit. Wer als urbaner Konquistador diese nicht aufbringen will, sollte an sein Verkehrsmittel deshalb besondere Anforderungen stellen. Genau solchen Ansprüchen will der neue Rover Streetwise gerecht werden. Welche Mittel das 25-Derivat dem Großstadt-Guerillero zur Verfügung stellt, haben wir auf einer Probefahrt herausgefunden.

Unkonventionell und funky Geschickt hat Rover mit Offroad-Stilelementen und 2,5 Zentimeter mehr Bodenfreiheit den betagten 25 aufgefrischt. Große, unlackierte Stoßfänger vorn und hinten, robust wirkende Seitenschweller, eine Dachreling, 16-Zoll-Leichtmetallfelgen und 205er-Niederquerschnittsreifen – fertig ist der Onroader mit Offroad-Anleihen. Nutzenorientiert ist das spritzige Geländewagen-Design jedoch nicht. Vielmehr ist der Streetwise fahrendes Statement: Ich lebe unkonventionell und bin funky.

Kein Geländegänger Und da wären wir auch bei der eigentlichen Schwäche des Streetwise: Er sieht aus, kann aber nicht. Der neue Rover transportiert ein Image – ähnlich wie ein mit Steroiden aufgepumpter Muskelprotz, der keine Hantel heben kann. Der Streetwise verfügt nur über einen konventionellen Vorderradantrieb. Klar, wer braucht schon Allradantrieb. Die aufwändige Technik ist viel zu teuer, und nur die wenigsten Autofahrer nutzen das Potenzial von vier angetriebenen Rädern. Doch mit wenig Aufwand könnte der Streetwise wenigstens etwas Offroad-Kompetenz bieten: Ein Sperrdifferenzial wie beim Peugeot Partner Grand Escapade oder eine Traktionskontrolle würden die Fahreigenschaften auf losem Untergrund verbessern. Der Streetwise bietet nichts dergleichen.

Er steht auf Asphalt So ist es weise, den Streetwise ausschließlich auf asphaltiertem Untergrund zu bewegen. Hier gibt sich der fesche Brite keine Blöße. Die Fahrwerksabstimmung für die Straße ist seine große Stärke. Obwohl hochbeinig, kann man mit ihm behände um die Ecken fegen – ohne störendes Fahrzeugwanken. Das Fehlen eines Stabilitätsprogramms wie ESP ist durchaus verzeihlich. Sehr spurstabil folgt der Rover exakt den Vorgaben des Lenkrads. Die Lenkung ist etwas schwergängig, vermittelt dennoch ein sehr direktes Gefühl. Der Streetwise sorgt für ein hohes Maß an Fahrspaß auf Landstraßen und auf der Autobahn. Lediglich die Geräuschkulisse im Innenraum wird bei hoher Geschwindigkeit etwas aufdringlich.

Chance verpasst Eine Besonderheit im Innenraum ist die hintere Sitzbank, die serienmäßig nur zwei Passagieren Platz bietet. Die neuartige Konsole zwischen den beiden Fondsitzen hat jedoch keine nennenswerte Funktion. Hier hat Rover die Chance verpasst, den freien Raum praktisch nutzbar zu machen. Zwei Mulden dienen zwar als Ablagen, mehr Funktionalität ist jedoch nicht angesagt. Keine Getränkehalter, keine Armlehne, keine Durchlade für lange Gepäckstücke. Enttäuschend, wie wenig kreativ dieser Freiraum gestaltet wurde. Mehr Sinn macht deshalb die konventionelle Sitzbank für bis zu drei Personen, die jedoch 200 Euro Aufpreis kostet.

Kein Raumwunder Während man sich vorne über gute Platzverhältnisse und angenehm straffe Sitze mit hohem Seitenhalt freut, geht es hinten trotz der Konfiguration mit zwei Sitzplätzen beengt zu. Die Kniefreiheit im Fond ist – auch gemessen an der Fahrzeuggröße – zu gering. Der Kofferraum fasst im Normalzustand 304 Liter. Das Umklappen der Rücksitzlehnen geht leicht von der Hand, ist allerdings nur vom Kofferraum aus möglich. Maximal kann der Laderaum auf 1.086 Liter erweitert werden.

Müder Benziner Mit den 103 PS des 1,4-Liter-Benzinmotors sollte der nur 1.015 Kilo wiegende Streetwise bereits gut bestückt sein. Die Leistungsangabe ist jedoch von theoretischer Natur. Im Fahrbetrieb zeigt sich der Benziner als müdes Maschinchen. Aus dem Drehzahlkeller kommt zu wenig, bergauf verliert er deutlich an Schwung. Erst ab 4.000 Umdrehungen bis in den Begrenzer bei 7.000 Umdrehungen zeigt er Zähne. Freude mag dabei nur wenig aufkommen.
Der Diesel macht’s Dafür sorgt der 101 PS starke Zwei-Liter-Turbodiesel für deutlich mehr Spaß. Nach leichter Anfahrschwäche bietet er ab etwa 2.000 Umdrehungen mit dem Einsetzen des Turbos satten Schwung. Um dieses Temperament am Leben zu halten, muss man lediglich öfter im Fünfgang-Getriebe schalten. Der flotte Diesel passt sehr gut zum frechen Outfit des Streetwise und seinen guten Fahreigenschaften. Kurvige Bergpässe ebenso wie schnelle Autobahnetappen – immerhin 178 km/h sind möglich – vermag man im Rover freudvoll und flott zu durchfahren.

Zunächst nur zwei Motoren Obwohl weniger Leistung und 105 Kilogramm Mehrgewicht, ist der Streetwise mit dem Dieselmotor schneller, anzugsstärker und fährt sich einfach ausgewogener als die Benzinversion. Der Sprint mit dem Selbstzünder ist nach 10,6 Sekunden beendet, der Benziner braucht 11,0 Sekunden. Für den Diesel sprechen außerdem ein niedriger Verbrauch und weniger Emissionen. Der Mehrpreis von 1.300 Euro für den munteren Antrieb lohnt sich in jedem Fall. Der Einstiegspreis für den Streetwise 1.4 als Dreitürer liegt bei 15.995 Euro. Für den 2.0 D werden mindestens 17.295 Euro fällig. Im Frühjahr 2004 wird außerdem ein 109 PS starker 1,6-Liter-Benzinmotor mit Automatikgetriebe die Streetwise-Motorenpalette abrunden. Über den Preis gibt es noch keine Informationen.
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Technische Daten
Motor Bauart:Vierzylinder-Turbodiesel-Reihenmotor,
Hubraum:1.994
Leistung:74 kW (101 PS) bei UPM
Drehmoment:240 Nm bei 2.000 UPM
Preis
Neupreis: 15.995 € (Stand: November 2003)
Fazit
Optisch ist der Streetwise gelungen. Aufsehen erregen kann er mit seiner frechen Optik und poppigen Farben. Doch das Design verspricht mehr, als die Technik halten kann. Für Offroad-Ambitionen ist der kompakte Brite nicht zu haben. Das ist auch gut so, hinterlässt er im Straßenverkehr mit seinem ausgewogenen Fahrwerk doch einen guten Eindruck. Wünschenswert wäre beim Streetwise dennoch eine Traktionskontrolle und/oder ein Sperrdifferenzial, um ihn auch abseits befestigter Straßen bewegen zu können.

Eine gelungene Kombination ist der Streetwise mit dem Zwei-Liter-Turbodiesel. Enttäuschend ist hingegen der 103 PS starke 1,4-Liter-Bezinmotor.

Das Platzangebot ist für Fondpassagiere und Gepäck etwas knapp bemessen. Die Fahrzeugklasse ist dem 25 entwachsen. Für deutlich weniger Geld gibt es ähnlich große Fahrzeuge wie etwa den Skoda Fabia. Dennoch ist der Streetwise mit dem Zwei-Liter-Turbodiesel ein Auto mit Spaßfaktor. (mh)

Quelle: auto-news, 2003-11-06

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