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Testbericht

12. Januar 2012

Das Leben des VW Polo könnte ja so entspannt sein. Von seinen Käufern geliebt und den Testern gelobt, genießt er den sonnigen Platz an der Spitze der Kleinwagen-Zulassungen. Und während er von künftigen Varianten wie einem Roadster träumt, muss zwischendurch höchstens mal ein aufmüpfiger Koreaner auf Distanz gehalten werden. Doch dann rauscht dieser Rotzlöffel von VW Up aus der eigenen Familie an und will ihm ans Blech. Lassen dessen schnörkellos-minimalistische Linien den Polo gar über Nacht altern wie ein iPhone jedes alte Tasten-Handy? Mit seinem vierstelligen Einstandspreis verdreht der VW Up jedenfalls Käufern den Kopf, die nie an einen Polo gedacht hätten, und kommt außerdem mit cleveren Goodies daher wie dem laserbasierten Notbremssystem für die Stadt, das sich noch nicht einmal in der Mittelklasse flächendeckend etabliert hat. Gleichzeitig beherrscht der VW Up aber auch traditionelles Handwerk: Obwohl über 40 Zentimeter kürzer, sitzen Fahrer und Beifahrer ähnlich luftig wie im Polo und blicken auf ein solides Armaturenbrett mit präzise klickenden Schaltern, einer bis hin zur Tankanzeige erwachsenen Instrumentierung und vielen praktischen Ablagen.

Polo wirkt solider als der VW Up Bestens zum pfiffigen VW Up passt das mit der Bordelektrik verbandelte mobile Infotainmentsystem Maps More. Selbst der Kofferraum mit 251 Liter Volumen kann sich im Zwergenlager mehr als sehen lassen. Dank doppeltem Boden entsteht beim Umklappen der Rückbank eine nahezu ebene Ladefläche, auf der sich größeres Gut einfach durchschieben lässt. Doch so schnell gibt sich ein Polo nicht geschlagen und kontert mit seiner wesentlich besseren Qualitätsanmutung. Denn auch wenn der VW Up sein nacktes Blech äußerst sympathisch zur Schau stellt, bleibt es eben nacktes Blech. Der Polo ist hingegen bis in den letzten Kofferraumwinkel mit Teppich ausgeschlagen, schmeichelt den Fingerkuppen mit gepolsterten Oberflächen und hält Getränke im klimatisierten Handschuhfach kühl. Zudem steigen Fondpassagiere durch das ausgeklügeltere Easy-Entry-System leichter zu und sitzen auf einer spürbar bequemer gepolsterten Rückbank. Nicht zuletzt verkraftet er über 100 Kilogramm mehr Zuladung als der nur viersitzig ausgelegte VW Up. Wohin der Mehrpreis fließt, zeigt der durch und durch solide Polo also deutlich. Unterwegs lässt sich der VW Up dann nicht mehr so leicht abschütteln. Sein Einliter-Motor mit 75 PS muss schließlich fast drei Zentner weniger schleppen als der drehmomentstärkere 1,2-Liter-Dreizylinder des Polo. Zudem zirkelt der 925-Kilo-Floh mit seiner gefühlvollen Lenkung leichtfüßig und lastwechselfrei durch enge Kehren. Sollte sein Fahrer eine Kurve dennoch einmal zu optimistisch angehen, helfen feine, aber wirkungsvolle ESP-Eingriffe zurück in die Spur.

VW Up kann beim Polo-Komfort gut mithalten Selbst beim Komfort kann der VW Up gut mithalten, dank sensibel ansprechenden Dämpfern verlieren sogar üble Rüttelpisten ihren Schrecken. Nicht einmal bei den Bremsen – dem wunden Punkt vieler Minicars – gibt er klein bei. Unabhängig von der Beschaffenheit des Fahrbahnbelags wartet der VW-Up mit Topwerten auf. Vor allem beim Stopp auf einseitig glattem Untergrund (µ-split) braucht der Polo länger, um zum Stehen zu kommen. Auch fahrdynamisch kann er sich nicht nennenswert vom kleinen VW Up absetzen. Dafür befördert er seine Passagiere komfortabler. Extra-Zentimeter bei Radstand und Spurweite sorgen für ein gelasseneres Fahrgefühl, während das nicht nur höhen-, sondern auch längs verstellbare Lenkrad großen Fahrern eine entspanntere Sitzposition beschert, und das unter Last aufdringliche Dreizylinder-Schnattern klingt gedämpfter. Ein weiterer Vorteil für den Polo: Bis auf das aktive Notbremssystem, das bis 30 km/h den Fahrer unterstützt, bietet VW für den Up nur kleinwagentypische Extras an, während sich der größere Bruder mit Klimaautomatik, Sportsitzen, vier Türen und großer Infotainment-Auswahl auf Wunsch in einen Nobel-Zwerg verwandeln lässt. Insgeheim sehnt er sich jedoch vor allem nach einem der cremig laufenden Vierzylinder-TSI, denn die ausreichend munteren, jedoch rauen Dreizylinder passen eher zum hemdsärmeligen VW Up als zum ambitionierteren Polo. Entsprechende Verwöhn-Polos überspringen allerdings schnell die 20.000-Euro-Grenze.

Start-Stopp derzeit nur für VW Polo Eine Start-Stopp-Funktion war zum Testzeitpunkt nur für den Polo lieferbar und trägt dazu bei, dass der Verbrauchsvorteil des VW Up gerade einmal 0,3 Liter beträgt. Zu wenig, um den großen Bruder noch über die Kosten einzuholen, zumal der seine rund 3.000 Euro Mehrpreis zum Teil über die umfangreichere Ausstattung (unter anderem Klimaanlage, Parkpiepser und Mittelarmlehne) ausgleicht. Damit hat es der seriöse Polo also wieder einmal geschafft und den frechen VW Up auf Platz zwei verwiesen. Fraglich allerdings, ob er so entspannt bleibt wie bisher. Denn wer auf dessen Solidität und Komfortextras verzichten kann, bekommt mit dem agilen, wendigen VW Up bereits viele Polo-Qualitäten für weniger Geld.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2012-01-12

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