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Testbericht

14. April 2011

Preisfrage: Wie heißt das erfolgreichste deutsche Auto in den USA? BMW 3er? Mercedes E-Klasse? Falsch, es ist der VW Jetta. Hierzulande als rüstiger Rucksack-Golf belächelt, fahren jährlich 100.000 Amerikaner der Generation iPad auf das Stufenheckmodell ab, das dort seinem Namen treu blieb, auch als es VW bei uns mit Vento und Bora probierte. Mit eigenständiger Linienführung und deutlichem Längenzuwachs will sich der neue VW Jetta jetzt auch in Deutschland vom Golf emanzipieren. Und rückt damit im Vergleichstest dem VW Passat auf die Pelle. Da die beiden beim Radstand gerade einmal sechs Zentimeter trennen, fällt der Innenraum des VW Jetta gar nicht so viel kleiner aus. Selbst Passagiere über 1,80 Meter räkeln sich ohne eingezogene Knie auf einer kuschelig gepolsterten und bequem geformten Rückbank.

VW Passat bietet noch etwas mehr Platz Dass der VW Passat breiter als der VW Jetta baut, fällt erst bei Reisen zu fünft wirklich ins Gewicht. Mit über 500 Liter Volumen stellt der VW Jetta zudem einen ebenfalls großzügigen Kofferraum zur Verfügung und lässt sich dank dünneren Dachpfosten und niedrigerem Heck leichter einparken. Vorn spielt der VW Passat seine Extra-Zentimeter hingegen cleverer aus: Mit flacherem Armaturenbrett und üppigen Ablagen in der Mittelkonsole statt eines klobigen Handbremshebels beschert er seinen Passagieren das merklich luftigere Raumgefühl. Zudem zeigt er sich im Vergleichstest funktionaler: Wo beispielsweise beim VW Jetta ausladende Kofferraum-Scharnierbügel aufs Gepäck drücken, verschwinden sie beim VW Passat in Seitenteilen. Darüber hinaus lässt sich dessen Rückbank wahlweise von vorn oder hinten entriegeln, während ein bequemer Lift statt einer fummeligen Klemmstange die Motorhaube hält. VW Jetta hängt bei der Verarbeitung hinterher Überhaupt kommt der Kompakt-Ableger nicht ganz an die Qualitätsanmutung seines großen Bruders heran: Sowohl Türverkleidungen in Hartplastik, ungepolstertes Handschuh- und Kartenfach als auch eine nicht verschiebbare Mittelarmlehne und nicht zuletzt das weniger attraktive Türschließgeräusch künden vom Sparbemühen der VW Jetta-Entwickler. Zudem spart sich VW jede Menge Ausstattungs-Optionen: Teure Luxuspositionen wie das Dynaudio-Soundsystem oder Seitenscheiben in Dämmverglasung dürften die meisten VW Jetta-Käufer nicht vermissen, beim Thema Sicherheit sind Klassenunterschiede jedoch fehl am Platz. Xenonlampen sucht man in der Aufpreisliste nämlich eben- so vergeblich wie einen Spurhalte- oder ACC-Bremsassistent – für ein nagelneues Auto kein Ruhmesblatt. Passat mit den besseren Ausstattungsoptionen aber mehr Gewicht Auch adaptive Dämpfer gibt es nur für den VW Passat, der damit im Vergleichstest beeindruckend souverän über Straßenschäden schwebt und sich selbst bei extremer Belastung nicht zum Aufschaukeln verleiten lässt. Bestens zur gelassenen Art passen die bequemen Highline-Sessel, wirkungsvoll gedämmte Fahrgeräusche sowie das bis in den Grenzbereich unaufgeregte Handling. Bei der Abstimmung des VW Jetta haben sich die Ingenieure wohl vom jugendlichen US-Image anstecken lassen: Gerade kurze Stöße klopfen knochig durch, auf schlechten Wegen nervt er zudem mit permanenter Unruhe. Dafür schlägt der Jetta ansatzlos Haken. Auch dank 128 Kilo weniger Speck auf den Rippen als der VW Passat setzt seine direkte Lenkung kleinste Befehle zackig um. Gemütliches Untersteuern? Fehlanzeige. Im Gegenteil, denn Gaspedallupfer in schnellen Kehren führen sogar zu Heckschwenks, bei denen das ESP alle Hände voll zu tun bekommt. Die rege ESP-Tätigkeit verhagelt ihm allerdings im Vergleichstest beim Slalom- und Wedeltest die Fahrdynamik-Wertung. Dafür zieht der Zweiliter-Common-Rail-TDI mit 140 PS und Doppelkupplungsgetriebe spürbar kräftiger durch als im VW Passat.

VW Passat im Vergleichstest sparsamer Beim Thema Verbrauch kann der Kompaktklasse-Abkömmling im Vergleichstest hingegen kein Kapital aus seinem geringeren Gewicht schlagen. Mit 6,9 Liter/100 km liegt er sogar einen Schluck über dem VW Passat, der als Blue TDI mit serienmäßigem Start-Stopp-System zum Test antrat. Ansonsten sparen Limousinen-Käufer bei der Wahl des VW Jetta kräftig. Schon das Basismodell kommt mit 20.900 Euro rund 3.500 Euro günstiger, in der getesteten Topvariante summiert sich der Preisunterschied auf fast 7.000 Euro. Dagegen fällt die bessere Passat-Ausstattung (etwa mit Teilleder-Ausstattung, Multifunktionslenkrad und Regensensor) kaum ins Gewicht. Jetta gewinnt nur das Kostenkapitel deutlich Doch auch der Sieg im Kostenkapitel im Vergleichstest ist unterm Strich zu wenig für den VW Jetta, der sein agiles Handling mit spürbaren Komforteinbußen bezahlt. Zudem sollte VW bei den Sicherheitsoptionen nachlegen: Damit es mit der Liebe der Deutschen klappt, gehören vor allem Xenonlampen ins Angebot. Dererlei Blößen gibt sich der VW Passat nicht. Darüber hinaus beeindruckt er einmal mehr mit oberklassigem Fahrgefühl und Feinschliff bis ins Detail.

VW Passat erfüllt Euro 6-Abgasnorm Für 1.175 Euro Aufpreis liefert VW den Passat in einer besonders sauberen Variante, die bereits Euro 6 erfüllt. Beim Blue TDI kommt ein zusätzlicher SCR-Katalysator (selektive katalytische Reduktion) zum Einsatz, der unter Beimischung von geringen Mengen Harnstoff den Stickoxiden im Abgas an den Kragen geht. Der Harnstoff wird dabei in einem separaten Tank in der Reserverad-Mulde mitgeführt und beim Kundendienst nachgefüllt. Für den Mehrpreis winkt in erster Linie ein gutes Umweltgewissen - der Staat honoriert Euro 6 bislang nämlich nur mit einer Steuerbefreiung von 150 Euro.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2011-04-14

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