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Testbericht

11. Juni 2017
Da hatten sie bei Volvo damals schon den richtigen Riecher: 2008 kam der XC60 genau passend zum beginnenden SUV-Boom in der Mittelklasse. Er wurde auf Anhieb zum bestverkauften Modell der Marke, auf dem deutschen Markt jedenfalls. Insgesamt eine Million XC60 der alten Generation werden gebaut sein, wenn die Produktion in diesem Jahr eingestellt wird. Da sind die Erwartungen an den Nachfolger natürlich besonders groß.Und er bekommt hier gleich den ersten Mitbewerber im Boom-Segment der Premium-Mittelklasse-SUV zur Seite gestellt, den Mercedes GLC. Bevor Sie sich nun wundern: Der GLC ist ein 220 d 4Matic, ein 250 d hätte wohl besser zum XC60 D5 AWD gepasst, stand jedoch nicht rechtzeitig zur Verfügung. Zudem geht es an dieser Stelle ja nicht um einen Vergleichstestsieg, sondern um eine erste Einschätzung.

Wischen und Touchen im XC60
Los geht’s, zuerst im XC60. Der ist als D5 235 PS stark und kommt serienmäßig mit Allradantrieb sowie Achtstufenautomatik, Listenpreis 52.600 Euro in der Basisausstattung Momentum. Im üppigen Inscription-Ornat wie hier kostet er mindestens 57.350 Euro. Da kann man schon ein nobles Ambiente erwarten – und der Volvo liefert es. Der Mercedes ist in diesem Fall das etwas günstigere Auto, er kostet als 220 d ab 45.672 Euro, der 250 d mit 204 PS ist rund 1.500 Euro teurer. Am besten passt da der sechszylindrige 350 d mit 258 PS ab 52.812 Euro.Wer die größeren Modelle aus Volvos 90er-Baureihe bereits kennt, wird sich hier schnell heimisch fühlen, die Unterschiede sind gering, Materialien, Instrumente, Bedienung, alles im XC60 erinnert an die großen Brüder. Verglichen damit wirkt der Mercedes GLC auf den ersten Blick etwas nüchtern und zweckmäßig – was auch daran liegt, dass unser Testwagen in einer viel bescheideneren Ausstattungsvariante antritt.Zweckmäßig muss jedoch nicht schlechter sein, in Sachen Bedienung und Infotainment ist der GLC jedenfalls einfacher zu durchschauen, obwohl er selbst nicht zu den Musterknaben gehört. Bei Volvo haben sie fast alles auf den großen Touchscreen in der Mitte ausgelagert, das Wischen und Tippen während des Fahrens ist nicht jedermanns Sache.Was ebenfalls auffällt: Das Raumangebot im Mercedes wirkt insgesamt knapper, die Kopffreiheit scheint nicht ganz so üppig, auch der Knieraum im Fond nicht. Nur der Laderaum des GLC ist deutlich größer. Dabei sind die Abmessungen der beiden nahezu identisch, nur wenige Millimeter trennen Mercedes und Volvo. Der XC60 profitiert hier von seiner raumsparenden Vorderradantriebs-Architektur, der GLC basiert bekanntlich auf der hinterradgetriebenen C-Klasse-Plattform.

Volle Assistenzausstattung
Das nützt dem Mercedes zwar nicht bei der Raumökonomie, wohl aber beim Fahren. Etwa auf unserer heutigen Testpiste im Nationalpark Montserrat, ein paar Kilometer vor Barcelona. Die Straßen schwingen sich um Felsformationen und durch kleine Canyons, werktags ist hier wenig los. Auf diesem Terrain zeigt sich der GLC etwas leichtfüßiger. Er bleibt beim Einlenken neutraler, die Lenkung wirkt präziser und rückmeldungsfreudiger, das ESP regelt fein und diskret. Der XC60 gibt sich dagegen etwas bedächtiger, untersteuert stärker und wird schneller von den Fahrassistenzsystemen eingebremst.So richtig böse Hubbel haben die Straßen durch den Nationalpark nicht, die feineren Unebenheiten schluckt der Mercedes souveräner, er bügelt so manches weg, was der Volvo polternd überrollt. Freilich gilt es zu berücksichtigen, dass der XC60 als Inscription 20-Zöller montiert hat, der GLC rollt auf 18-Zöllern.Zurück nach Barcelona über die Autobahn, Tempo 120, da fährt der Volvo fast komplett autonom. Pilot Assist heißt das System, es kostet als IntelliSafe-Pro-Paket zusammen mit den Spurassistenten 1.750 Euro und ist jeden einzelnen davon wert. Das Paket beinhaltet adaptive Geschwindigkeitsregelung, Stauassistenten und Abstandswarner und hält den Volvo bei Geschwindigkeiten bis 130 km/h sehr sicher in der Spur.Der Mercedes kann das mit Assistenzpaket für 2.499 Euro ähnlich gut, nur wird hier der Fahrer häufiger ermahnt, die Hände nicht vom Lenkrad zu nehmen. In Richtung Zentrum staut sich der Verkehr, die Stauassistenten übernehmen. Der Volvo-Diesel startstoppt hier fast unhörbar. Bei Volllast berghoch eine Stunde zuvor war er nicht ganz so diskret, den kultivierteren Motor scheint der Mercedes zu haben. Die Unterschiede bleiben dennoch gering. Scheint so, als habe Volvo auch beim neuen XC60 den passenden Riecher gehabt.
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Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2017-06-11

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