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Testbericht

9. Oktober 2010

Ford ist Geschichte, jetzt gehört Volvo der Geely Holding, einem chinesischen Hersteller mit umfangreicher Modellpalette. Da bleibt nur zu hoffen, dass auch unter den neuen Herren die Volvo-Werte erhalten bleiben. Das jüngste Modell, der S60, entstand noch vor der China-Connection. Wer bei Volvo an wie von Thors Hammer gemeißelte Eckschränke denkt, wird ihn schon als fast unverschämt modern empfinden. Aber auch wenn im Test-Objekt Volvo S60 jetzt alles rund ist – Verwechslungsgefahr besteht nicht.

Kleiner Fond, hohe Qualität Typisch blieb die Dachlinie, von der Seite betrachtet ist der Volvo S60 mehr Coupé als Limousine. Was natürlich einen Nachteil mit sich bringt: Um im Fond auch lange Figuren bei ausreichender Kopffreiheit unterbringen zu können, musste die Sitzbank tief montiert werden. Im Bereich der Premium-Mittelklasse – der Volvo zielt schließlich auf Platzhirsche wie Audi A4 oder BMW 3er – gibt es Autos, in denen man sich als Fondpassagier besser untergebracht fühlt. Ansonsten keine Klagen. Vorn sitzt man sehr bequem in gut geformten Sesseln und blickt auf ein klar gegliedertes Armaturenbrett mit jetzt harmonisch integriertem Bildschirm. Die Karosserie macht einen soliden Eindruck, Materialien, Passungen und Fugen präsentieren sich standesgemäß für ein Auto, das mit bester Options-Ausstattung wie der Testwagen immerhin fast 50.000 Euro kostet. Bedienung mit Mängeln Zu den teuren Extras im Volvo S60 gehört ein Infotainment-System vom Feinsten. Man kann damit navigieren, telefonieren und fernsehen, das Ankoppeln des iPhone funktioniert simpel per Bluetooth. Abgesehen von dem im Test nicht gerade begeisternden Klang der Lautsprecher ist das der Stand der modernen Technik, bedeutet aber auch, dass es viel zu bedienen gibt. An der Ergonomie haben die Schweden gebastelt und die schlimmsten Stolpersteine der Vergangenheit aus dem Weg geräumt. Aber nervende Irrwege im Menü-Dschungel gibt es trotzdem – da sind andere Hersteller inzwischen eindeutig weiter. S60 mit hohem Sicherheitsniveau Aber die Sicherheit! Der kameragestützte Abstandsregler etwa vermag im unteren Tempobereich eine Vollbremsung einzuleiten und damit eine Kollision zu vermeiden. Eine kleine Rotlicht-Warnung, in die Frontscheibe eingespiegelt, wächst, wenn es eng wird, zu einem unübersehbar grellen Streifen, untermalt von einer plärrendem Akustikwarnung. Allerdings: Auf einer gesonderten, 150 Kilometer langen Testfahrt mit dem Volvo S60 durch den winkeligen Schwarzwald kommt es zu immerhin drei Alarmsituationen, die jeglicher Grundlage entbehren. Die übervorsichtige Kollisionswarnung meint es gut, sagt sich da der Fahrer. Aber das kann man auch von einem hysterischen Beifahrer behaupten. Dabei darf man im Volvo ganz relaxt bleiben, denn was die aktive Sicherheit angeht, bietet er hohes Niveau: weitgehend neutrales Eigenlenkverhalten, präzise ansprechende Lenkung, gut reagierendes und weich eingreifendes ESP, kräftige und standfeste Bremsen. So aktiv und dynamisch fuhr sich bisher noch kein Volvo. Wobei das Ganze nicht auf Kosten des Komforts geht. Speziell im Soft-Modus der wählbaren Stoßdämpferkennungen spielt er gekonnt die Rolle des sanften Gleiters – souverän auf langen Bodenwellen und auch auf kurzen Unebenheiten nicht spürbar durch die breite Optionsbereifung im 18-Zoll-Format gehandikapt. Turbomotor agiert harmonisch, aber nicht dynamisch Dazu passt der neue Zweiliter-Vierzylinder mit Turbolader gut, weil er vibrationsarm und ruhig läuft. Zusammen mit dem sechsstufigen Doppelkupplungsgetriebe, das im Test in Position D überzeugend die Tugenden einer geschmeidigen Wandler-Automatik simuliert, ergibt sich eine harmonische Antriebseinheit – aber keine, die eine angesichts der angepriesenen 203 PS erwartete Dynamik zeigt. Dafür spricht schon die Tatsache, dass der allerdings erst gut 2.000 Kilometer gelaufene Volvo S60-Testwagen die Werksangabe für die Beschleunigung von null auf 100 km/h (8,2 Sekunden) bei weitem verfehlt. Auch subjektiv ist dieser Motor alles andere als ein Temperamentsbolzen – mit eher zurückhaltenden Reaktionen aufs Gas und nur mäßiger Durchzugkraft. Dass die gleichmäßige Leistungscharakteristik die Existenz eines Turboladers gekonnt kaschiert, darf auf der Habenseite vermerkt werden, während der Verbrauch, der selbst bei zurückhaltender Fahrweise kaum unter neun Liter zu bringen ist, einen gewichtigen Posten im Minusbereich bedeutet. Deshalb ist es nicht zu vermeiden, dass einem ansonsten überzeugenden Auto das Fünfsterne-Prädikat im auto motor und sport-Himmel verwehrt bleibt. Da muss er eisern bleiben, der Tester.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2010-10-09

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