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Testbericht

1. September 2016
Toyota und die Kastenwagen, das ist eine längere Geschichte mit einigen Mißverständnissen. Zumindest in Deutschland. Den kultigen, seit 1967 gebauten Hiace bot man jahrelang ausgesprochen stiefmütterlich an und stellte seinen Europavertrieb dann letztlich ganz ein. Und der im Hauruckverfahren bei PSA eingekaufte und dann umgelabelte bisherige Proace, der die Hiace-Nachfolge antreten sollte, wurde nur gefunden, wenn man die Verkäufer besonders hartnäckig nach ihm fragte. Die Verkaufszahlen: entsprechend.

Gemeinschaftswerk mit PSA
Mit dem neuen Proace soll das anders werden. Den lässt Toyota zwar immer noch bei PSA (Peugeot Expert, Citroën Jumpy) fertigen, war aber an der Gesamtentwicklung von Beginn an beteiligt und bekommt daher auch eine etwas individuellere Optik für den Van, die ihn von seinen französischen Kumpels unterscheidet. Ein weiterer Unterschied liegt im Marketing. Hier legt Toyota ganz klar den Fokus auf den Proace Verso, also die verglaste, vielsitzige Van-Version des Kastenwagens. Das ist aus mehreren Gründen nachvollziehbar. Denn einerseits fehlt Toyota in Deutschland seit dem Ende des Previa ein großer Familienvan. Und andererseits ist man im Vergleich zu anderen Herstellern bei den Nutzfahrzeug-Kastenwagen praktisch nicht präsent, hier läuft das Transportergeschäft bei den Händlern eher im Nebenerwerb.Im Gegensatz zu den nutzwertigen Kastenwagen ist der Toyota Proace Verso nur mit den stärkeren Motoren erhältlich, wobei der Zweilitermotor (Leistungsstufen 150 und 177 PS) den Löwenanteil stellen wird. Weiterer Unterschied: 177 PS nur mit Sechsgang-Automatik, die 150-PS-Variante dagegen ausschließlich mit sechsstufigem Handschaltgetriebe. Das ist allerdings noch nicht die ganze Auswahl, denn zusätzlich werden zwei Radstände und drei Außenlängen (4,6 bis 5,3 Meter) angeboten. Die goldene Mitte, der 4,96 Meter messende Proace Verso mit 150 PS in der Ausstattungsvariante Family Comfort, durfte sich zur Testfahrt stellen.

Pkw-Feeling im Proace Verso
Im Vergleich zu den Transportervarianten ist der Unterschied durchaus enorm. Wo die normalen Kastenwagen viel unverkleidetes Blech und strapazierfähigen Kunststoffboden spazieren fahren, ist der Verso in der gefahrenen Ausstattung (samt Leder-Massagesitzen) eine komplett andere Liga. Die flächigen Verkleidungen und der Pkw-Bodenbelag sind auf den ersten Blick erkennbar, dazu gibt es Ziereinlagen im Armaturenbereich, Multifunktions-Lederlenkrad, ein großes Multimedia-Navi und ein ausfahrbares Head-Up-Display, auf dem sich auch Navigationshinweise und vom System erkannte Verkehrsschilder einblenden lassen. Nicht sicht- aber hörbar: die Verso-Varianten bekommen im Vergleich zum Kastenwagen auch spezielles, dickeres Akustik-Glas zur Geräuschdämmung.Neben diesen Details unterscheiden sich die Verso-Varianten auch im Bestuhlungskonzept. Ab der Family-Ausstattung gibt es statt der starren Aufnahmen ein Schienensystem im Heckbereich, auf dem sich die Sitze variabel verschieben lassen. Im Topmodell Executive kommen drehbare Einzelsitze zum Einsatz. Mit Ausnahme des in allen Varianten verwendeten Hartplastik für die Armaturenlandschaft kann der Gesamteindruck jedenfalls überzeugen.Der Zweilitermotor mit 150 PS geht entschlossen an die Arbeit und liefert bereits bei niedrigen Drehzahlen ordentlich Druck. So lässt sich beim gemütlichen Durchbeschleunigen auch gerne mal eine Stufe des exakt und leichtgängig schaltbaren Getriebes überspringen, am Berg lässig anfahren und innerorts im hohen Gang dahinrollen. Die Charakteristik erleichtert spritsparende Fahrweise, dazu hat der Toyota Proace Verso serienmäßig eine Start-/Stopp-Automatik. Obwohl die aufrechte, küchenstuhlmäßige Sitzposition den Toyota Proace als Transporter ausweist, lässt er sich recht kommod bewegen. Die Lenkung reagiert sensibel, ist aber weit übersetzt, beim Rangieren kurbelt man entsprechend lange von einem Anschlag zum anderen. Doch während der Fahrt ist der Proace Verso ein sanftmütiger Begleiter, der keine feste Hand am Lenkrad braucht, nicht schwerfällig oder plump reagiert. Bis auf die Sitzposition sehr nah am Pkw. Das gilt auch für das gemütliche, aber sichere Handling und die – im ersten Fahrbericht natürlich nur subjektiv ohne Messwerte – effektiv zubeißenden Bremsen. Weil der Toyota Proace Verso zwar verhältnismäßig breit, aber mit 1,92 Meter nicht übermäßig hoch ist, bleibt er außerdem Tiefgaragentauglich.

Etwas mehr Schick wäre schön
Ein wenig Nörgelei bleibt nicht aus, diese gilt vor allem der Bedienbarkeit. Da wären beispielsweise die Lenkrad-Satelliten, über die sich unter anderem der Tempomat und das Soundsystem steuern lassen. Die muss man ein Weilchen üben, denn sie sind schaltertechnisch überfrachtet und versteckt angebracht. Die Klimasteuerung kann bedientechnisch auch nicht überzeugen, auch wenn mancher Besitzer mit der einmal eingestellten Automatikfunktion ganzjährig zufrieden ist. Auffällig ist außerdem die relativ begrenzte rechte seitliche Beinfreiheit für den Fahrer, verursacht durch die weit herausragende Insel für das Schaltgetriebe.Pluspunkt hingegen sind die gegenüber den Nutzfahrzeugvarianten des Proace klar besseren, bequemeren und langstreckentauglicheren Sitze, vorne wie im Passagierbereich. Das Schienensystem erlaubt die in diesem Segment gewünschte Variabilität je nach Bestuhlung mit Sitzbänken oder Einzelsitzen. Das ebenfalls klassenübliche "Problem“ dabei ist das Gewicht des Gestühls, das mit den integrierten Gurten entsprechend massiv konstruiert werden musste. Schnell mal ein paar Sitze raus kann da schon mal in einem ausgedehnten Kraftakt münden.Insgesamt hinterlässt der Toyota Proace Verso bei der ersten Testfahrt einen guten Eindruck. Die Verarbeitung geht in Ordnung, etwas hochwertigere Baustoffe wären allerdings im Armaturenbereich schon schön, zumal in dieser Preisklasse. Denn als Family Comfort werden mit 150 PS und Standard-Länge wenigstens 42.000 Euro aufgerufen, mit allem Pomp und Gloria kostet ein langer Proace Verso Exclusive, Automatik und 177 PS, rund 55.000 Euro Listenpreis.Das Zeug, den Klassenprimus VW Multivan zu ärgern, hat speziell die teure Topversion des Toyota Proace ohne weiteres. Mit der VIP-Ausstattung, die unter anderem ein Panoramaglasdach über den Rücksitzen, verschiebbare Tisch-Mittelkonsole und elektrisch betätigte Seitentüren besitzt, kommt der Proace sogar recht nah heran. Wie sich die Käufer dazu entscheiden, kann ab dem 17. September beobachtet werden, da startet offiziell der Verkauf.
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Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2016-09-01

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