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Testbericht

24. April 2017
Wir spötteln ja ganz gern mal über diese andauernde Facelifterei, einfach weil der Wind, den Hersteller bisweilen darum machen, oft gar nicht so frisch ist wie behauptet. Kaum wird der Lautstärkeregler des Infotainments nachgummiert, spricht man sofort von einer Runderneuerung; kaum speist man übers Steuergerät ein paar Zusatz-PS in den Motor ein, erreicht die Performance gleich eine ganz neue Dimension, und dann werden heutzutage ja alle immerzu immer dynamischer, immer komfortabler, immer sparsamer und natürlich immer alles zugleich.

Düstere Aussichten für den BMW M140i
Audi S3 und BMW M140i xDrive gehören auf den ersten Blick auch zu diesen Pappenheimern: zehn PS mehr beim Audi, 14 mehr im BMW, ein bisschen Design-Make-up, dazu ein digitales Instrumenten-Panel hüben und ein umgeräumtes iDrive drüben. Nett gesagt: Wie die große Revolution wirkt beides nicht. Spott ist diesmal dennoch völlig unangebracht. Zum einen wird beiden im Laufe dieser Geschichte ein großer respektive sehr großer Performance-Sprung gelingen, der so nicht vorherzusehen war.Zum anderen wäre es uns im Falle des BMW M140i ausnahmsweise sogar ganz recht, wenn die Änderungen an ihm auch in Zukunft so nebensächlich blieben. Denn wie es aussieht, wird es besser nicht mehr werden mit ihm – sogar ganz im Gegenteil.Ab der kommenden Modellgeneration wird der BMW 1er seine technische Beziehung zum 3er auflösen und auf den Frontantriebs-Baukasten umsatteln, wie ihn aktuell bereits die Kollegen X1 und 2er Active Tourer benutzen. Diese Neuausrichtung bedeutet zwar weder den Weltuntergang noch das Ende der kompakten M-Performance-Modelle, sie bedeutet aber definitiv das Aus für den Reihensechser im 1er, was sich genau genommen dann doch wieder irgendwie nach Weltuntergang anfühlt – na ja.In jedem Fall begreife ich nicht, warum BMW uns so was antut beziehungsweise warum sie es sich antun. Okay, die aktuelle Architektur mit Längsmotor und Hinterradantrieb kostet Platz im Innenraum und schränkt das Kofferraumvolumen ein, aber nun war es ja nicht so, dass die beiden 1er-Generationen deswegen die Flops des Jahrhunderts geworden sind. Ganz und gar nicht eigentlich.

BMW M140i xDrive mit neuem Sechszylinder
Und glaubt ihr ernsthaft, werte Entwickler, dass die Kompaktklasse einen weiteren Golf-Klon braucht, wo es schon ein gutes Dutzend davon gibt – vom Original mal ganz abgesehen. Wenn Sie mich fragen, schmeißt man bei BMW gerade ein Alleinstellungsmerkmal über Bord, das für den Großteil der Kunden wohl eher Kaufgrund war als Hindernis. Aber wer weiß, vielleicht täusche ich mich ja.Seine letzten Jahre scheint der BMW M140i jedenfalls noch so richtig auszukosten. Denn auch wenn sich die moderate Zuwachsrate bei der Leistung ein bisschen wie das eingangs erwähnte Chipgetune liest, verbirgt sich dahinter ein ganz neues Aggregat. Codename: B58. Schon der Vorgänger namens N55 ließ es geradeaus ordentlich krachen, der Neue legt mit seinen 340 PS und 500 Nm aber noch mal kräftig nach. Spür- und messbar wohlgemerkt.Gut eine Handvoll M135i haben wir in den vergangenen Jahren hier durchgeschleust, die frühen mit 320 PS ebenso wie die späteren mit 326, welche mit Allradantrieb, welche ohne – und alle lagen sie beim Sprint auf 100 in einem Korridor zwischen 4,7 und glatt fünf Sekunden. Er hier, der 140er, stanzt jedoch gleich mal eine 4,4er-Zeit ins Testterrain, die er im Beschleunigungsverlauf bis 200 zu fast zwei Sekunden Vorsprung auf seine Vorgänger ausbaut. Stramm.

Audi S3 leichter, aber trotzdem langsamer auf 100 km/h
Der Audi S3 muss sich angesichts des aufgeigenden BMW jedenfalls direkt wieder vorgekommen sein wie der HSV, der sich von den Münchnern ja auch in schöner Regelmäßigkeit verdreschen lässt. Fünf Vergleiche hat der S3 gegen die kompakten 35er bis dato ausgefochten, alle gingen sie in die Hose – einige ziemlich, einige gehörig. Und auch diesmal ist er trotz des Gewichtsvorteils von 104 kg und der energischeren Launch Control nicht imstande, sein motorisches Defizit von einem Liter Hubraum, 30 PS und 100 Nm wettzumachen.Seine Kraftentfaltung wirkt im Test längst nicht so mühelos. Dem BMW M140i quillen seine Newtonmeter förmlich heraus, sammeln sich früher und punchen die 1,6 Tonnen per Allradantrieb gewaltig nach vorn. Beim Audi hingegen spürt man, dass Drehmoment erzeugt werden muss. Nicht dass der Audi S3 löchrig anspräche, nur wirkt seine Kraft zu keinem Zeitpunkt so geballt – weder im Ansatz noch in den Spitzen. Und das spiegeln die Werte wider. Bis 100 fehlen drei Zehntel, bei 200 bereits 17. Und auch im Abgleich der Elastizität macht der um 20 Nm angefütterte 2.0 TFSI mit seinem jetzt siebengängigen DSG keinen Stich gegen den dank acht Automatikstufen enger gestaffelten BMW-Treibsatz.So schien das Unheil wieder seinen Lauf zu nehmen. Doch dann lenkst du das erste Mal zackig in eine Kurve ein und dir wird klar, dass sich dieser S3 nicht mehr einfach in sein Schicksal fügen wird. Dabei hat sich am grundsätzlichen Fahrgefühl so furchtbar viel gar nicht verändert: Das optionale Magnetic-Ride-Fahrwerk rastet gewohnt trocken in die Fahrbahnoberfläche, die Lenkung fühlt sich kerniger an als das unter Querkrafteinfluss aufweichende BMW-Pendant, der knurrige Klang liegt in den Charts weiterhin klar hinter dem Reihensechser-Remix aus Hochdrehkrähen und Auspuffbopporopopp. Und im Untergrund verzweigt sich nach wie vor ein Hang-on-Allrad, der im Gegensatz zum voll flexiblen xDrive-System des BMW M140i maximal 50 Prozent des Moments nach hinten durchtreibt – theoretische Nullreibungssituationen mal außen vor gelassen.

BMW M140i auf der Rennstrecke nur noch leicht vorn
Der entscheidende Unterschied: Der Quattro ist nun auch in der Lage zu agieren, statt wie bisher nur zu reagieren – genauso wie er das bereits in TTS, TT RS und RS 3 beherrscht. Schaltet man ihn über das serienmäßige Fahrdynamik-Schaltpult Drive Select in den Sportmodus, spannt seine elektronisch gesteuerte Lamellenkupplung die beiden Achsen schon beim Einlenken zusammen. Die Folge: Der Audi S3 biegt im Test gieriger ab, zerrt weniger mit der Vorderachse und windet sich – auch dank der Bremsimpulse seiner radselektiven Momentenverteilung – letztlich flinker ums Eck. Noch mal: Es ist nicht so, dass dieses Allrad-Update das Fahrverhalten des S3 völlig auf den Kopf stellen würde, aber es kürzt eben jene negativen Einflussfaktoren aus dem Handling heraus, die ihm in den letzten Tests so schwer zu schaffen machten. In Zahlen: Von den 2,4 Sekunden, die er sich beim letzten Aufeinandertreffen in Hockenheim mit einem hinterradgetriebenen M135i einschenken ließ, sind hier nur noch fünf Zehntelsekunden übrig. Und das obwohl der BMW seinerseits fast eine Sekunde auf seine Zeit von damals gutgemacht hat.Sprich: BMW bleibt zwar der Test-Sieger dieses Prestigeduells, gewonnen jedoch hat vor allem der S3. Und in welchem Maß zeigt sich, wenn man die Runden von damals und heute übereinanderlegt. Der Speed auf Start-Ziel bleibt trotz der leichten Kraftkur in etwa gleich, doch schon die Nordkurve nimmt man jetzt mit neun Stundenkilometern mehr. Und so geht das weiter: Linksknick plus fünf km/h, Eingang Motodrom mit 123 statt wie einst mit 120, Sachs 79 statt 76 km/h – ja, das läppert sich.

BMW-Dominanz. Wie lange noch?
Doch bei allem Respekt vor der Leistungssteigerung, die Audi da gelungen ist, der 1er war und bleibt das spaßigere Gerät, auf der Landstraße ebenso wie auf der Rennstrecke. Er fährt sich flüssiger, rollt samtiger ab, dämpft weniger spröde, schaltet geschickter, bremst bissiger und bewegt sich insgesamt geschmeidiger. Oder anders ausgedrückt: Der BMW flutscht der Ideallinie praktisch von selbst hinterher, den Audi S3 zerrst du daran entlang, auch wenn er sich längst nicht mehr so dagegen sträubt.Die große Frage: Wie lange hat dieses Kräfteverhältnis noch Bestand? 2019 wird der 1er konzeptionell umgemodelt, und dann sind die Karten definitiv ganz neu gemischt. Zu frontgetriebenen Sportmodellen wird sich BMW sicher nicht herablassen, was bedeutet, dass der M1 – oder wie auch immer er heißen mag – genau das werden wird, was der S3 seit drei Generationen ist: ein allradgetriebener Quermotor-Vierzylinder. Ich habe, ehrlich gesagt, meine Zweifel, ob BMW seine Siegesserie dann so mir nichts, dir nichts fortsetzen kann.
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Quelle: auto-motor-und-sport, 2017-04-24

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