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Testbericht

21. Februar 2015
Versetzen wir uns doch einfach mal in die Lage des Suzuki Swift Sport: Da kommst du zu einem Magazin, in dem du der unterste Zipfel des Themenspektrums bist; weißt, dass dich in der Tiefgarage fortan Tag für Tag AMG und Elfer angrienen; musst mitanhören, wie die Herren Redakteure Sachen sagen wie "dann nehm' ich halt den"; und sollst dann auch noch eine blitzsaubere Performance abliefern, weil es sonst von allen Seiten kräftig auf den Deckel gibt. Sagen wir es so: Zu beneiden war HP-SE 201 beileibe nicht, als er sich am 25. Januar 2013 zum anderthalbjährigen Dauertest aufmachte.

Suzuki Swift Sport wächst ans Herz
Doch auch wenn sich ein paar Kollegen durchaus nachsagen lassen (müssen), dass alles, was sie zu den insgesamt gut 70.000 km beigetragen haben, knappe hundert im Raum Stuttgart waren, ist "Suzy" mit der Zeit so einigen ans Herz gewachsen. Dazu hat der Suzuki Swift Sport bei sportauto inzwischen Tradition. Er gehöre – so sagen manche – gewissermaßen sogar zum Inventar. 2010 fing alles an, noch mit 125PS, demselben, inzwischen leider abgeschafften Supreme-Red-Metallic-Lack, aber einer etwas holprigen Zuverlässigkeitsbilanz im Dauertest.Seither hat sich – so viel sei vorweggenommen – aber nicht nur die Langlebigkeit verbessert, auch der größte Kritikpunkt vom vergangenen Mal ist inzwischen aussortiert. Man solle das Auto ab 120km/h nur mit Ohrenschützern fahren, moserte ein Kollege damals. Ein anderer schlug mit der Empfehlung, den Suzuki Swift Sport serienmäßig mit Kopfhörern auszustatten, in dieselbe Kerbe.Okay, zu den Leisedrehern gehört der Suzuki Swift Sport noch immer nicht. Das neue sechsgängige Schaltgetriebe dämpft Drehzahl- und Geräuschniveau aber vor allem auf der Autobahn nun signifikant ab. Oder anders ausgedrückt: Beschwerden akustischer Natur reduzieren sich nun jedenfalls auf die Windgeräusche, die ab Tacho 180 um die fahrerseitige Türdichtung jaulen.

In 8,9 Sekunden auf 100km/h
Außerdem drehte Suzuki im Zuge der Modellpflege ein bisschen an der Leistungsschraube. Statt 125PS presst sich der Sechzehnhunderter mittlerweile 136 heraus, was zusammen mit dem auf 160 Newtonmeter aufgepäppelten Drehmoment und der kürzeren Übersetzung auch messbare Vorteile mit sich bringt. In tapferen 8,9 Sekunden rackerte sich der Fronttriebler bei der Eingangsmessung auf 100km/h – sieben Zehntel schneller als der Vorgänger. Zum Vergleich: Ein Mini Cooper mit aufgeladenem Dreizylinder und identischer Leistung fährt einem dabei eine glatte Sekunde weg.Noch drastischer werden die Unterschiede zu den Turbos dann im Durchzug der großen Gänge, mit denen sich der Vierzylinder-Sauger nur sehr mühsam aus dem Drehzahlkeller hievt. Heißt: Wer zackig unterwegs sein will, muss im Suzuki Swift Sport schalten. Oft, oder besser gesagt: permanent – was jedoch insofern kein Nachteil ist, da die Gänge an ihrem kurzen Knauf wie Lego-Duplo-Steine ineinanderklacken.Zeitgemäß mag das nicht mehr sein, zeitlos ist es allemal – auch wegen des gesamten Drumherums. Denn der Suzuki Swift Sport gehört nicht zu denen, die sich verstellen, Sounds symposen oder Lenkungen dynamisieren, sondern ist einfach, was er ist: direkt, schnörkellos, ehrlich und grundsolide zugleich. Nur ein einziges Mal musste er während seiner gesamten sportauto-Hospitanz zu einem unplanmäßigen Boxenstopp – wegen einer Kleinigkeit.

Suzuki Swift Sport von Marder angegriffen
Nach gut 60.000 Kilometern hatte sich eine Schraube der Fensterführung losgerüttelt, was die Hebefunktion blockierte und von einer südfranzsischen Werkstatt zunächst provisorisch, dann in Deutschland endgültig und unentgeltlich gerichtet wurde. Für alle anderen Unannehmlichkeiten im Dauertest konnte der Suzuki Swift Sport selber nichts.Gleich zu Beginn verputzte ein Marder weite Teile der Klimaleitungen im Motorraum, später schoss ein Stein eine kapitale Platzwunde in die Windschutzscheibe, ehe man ihm der Reihe nach zunächst die USB-Steckdose, das hintere Seitenteil samt Stoßfänger und schließlich den Außenspiegel malträtierte. Verzeihung dafür, Kleiner!Anmerken lässt er sich die Schinderei aber nicht. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger, der schon lange vor Erreichen der 50.000-Kilometer-Marke im Dauertest ungeniert mit dem Plastik knarzte, würde er hier auch als Jung-Gebrauchter durchgehen. Das Mobiliar hält auch auf herben Bodenwellen noch immer still; die hervorragenden, etwas zu hoch montierten Sitze sind kein bisschen durchgesessen; den schlichten Kunststoffoberflächen sieht man außer ein paar Fingernagelspuren wenig bis gar nichts an; sodass das glattgedrehte Lochleder am Lenkrad und die leicht abgeschliffene Kupplung am Ende die einzig sichtbaren Alterserscheinungen sind.

Zu hoher Verbrauch im Swift Sport
Bemerkenswert ist zudem, wie sorgsam der Suzuki Swift Sport mit seinen Verschleißteilen umgeht. Weder einer der beiden Reifensätze noch die Bremsscheiben mussten im Dauertestverlauf erneuert werden. Und das hat sicherlich weniger mit der Fahrweise zu tun als vielmehr mit dem geringen Gewicht von nur 1.060 Kilogramm. Einzig beim Spritkonsum klaffen Erwartung und Wirklichkeit etwas auseinander. Im vergangenen Dauertest ließen sich 8,9 Liter pro 100 Kilometer noch mit dem fehlenden sechsten Gang erklären, für die 8,7 im konkreten Fall gibt es nun allerdings keine Ausreden mehr.Doch so groß der Verbrauchsunterschied zu manch modernem Downsizing-Aggregat – sachter Gasfuß immer vorausgesetzt – auch sein mag, er bleibt die einzig wiederkehrende Beschwerde im Dauertest-Tagebuch.Alles andere sind Einzelfälle: So beklagt einer die Seitenwindempfindlichkeit, einen anderen stört, dass immerzu irgendetwas fiept, während ein Dritter die Gepäckraumabdeckung verteufelt, die beim Beladen jedes Mal von Hand angehoben werden muss. Nur einmal hat er sich richtig was anhören müssen: Er sei eine "Strafe", wetterte ein lesbar aufgebrachter Kollege, "ein Relikt aus vergangenen Zeiten" mit einer "üblen Luftpumpe" von Motor und "viel zu harter Federung".

Der Preis stimmt
Die Retourkutsche folgte jedoch bereits im nächsten Kommentar, in dem einer der vielen Swift-Fans konterte, dass "jemand da das Prinzip dieses Autos wohl nicht verstanden hat". So oder so, der Preis stimmt. 18.990 Euro boniert Suzuki aktuell für sein einziges Sportmodell, womit der Swift grundsätzlich schon mal gut 700 Euro unter einem Mini Cooper rangiert.Schreibt man dem Suzuki Swift Sport dann auch noch die serienmäßige Ausstattung gut, klettert die Ersparnis ratzfatz über die 2.600-Euro-Marke. Bi-Xenon-Scheinwerfer, Metallic-Lack, Klimaautomatik, Tempomat, 17-Zöller, MP3-Radio, Keyless Go – alles zählt ebenso zur Serienausstattung wie die Mordsgaudi, die er auf Landstraßen macht.Am besten fährt man ihn im Rallye-Stil: spät in Kurven reinbremsen, damit die Hinterachse drängelt, im Scheitelpunkt schön durchs Bankett cutten und schließlich drehen, drehen, drehen, bis man entweder den Schaltpunkt jenseits der 7.000/min oder die nächste Ecke erreicht.

Suzuki Swift Sport tanzt im Slalom
Bemerkung am Rande: Als einer von immer wenigeren verfügt der Suzuki Swift Sport über eine konventionelle Handbremse. Und die dient bekanntlich ja nicht nur dazu, am Berg anzufahren … Doch auch in den ernsthaften Dynamikdisziplinen knickt er nicht ein. Trotz der simplen Fahrwerksarchitektur und Reifen, die bestimmt nicht zu den klebrigeren gehören, tanzt man ihn praktisch genauso schnell durch den Slalom wie veritable Sportwagen à la Jaguar F-Type S.In Hockenheim fehlt naturgemäß etwas mehr. Zwar sticht er mit seiner fetzigen Lenkung auch da mit Elan ins Eck, allerdings sind die Geraden selbst auf dem kleinen Kurs für einen wie ihn einfach zu lang. Fehlen wird er uns dennoch. Allein schon deshalb, weil man nach Kobe-Beef, Hechtklößchen und Physalissoufflé zwischendurch einfach mal ein Butterbrot braucht.
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Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2015-02-21

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