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Testbericht

8. Mai 2010

Eben noch war es ein possierlicher Weinbergtraktor, der sich unaufhaltsam der Tür des Audi Q5 nähert. Einen Mausklick später droht der mächtige Dieselmotor eines Ackerschleppers dem Auto von hinten den Scheitel zu rasieren. Wider besseres Wissen zuckt der Körper schlagartig zusammen, und Michael Fabry lehnt sich zufrieden in den Ledersitz des Audi Q5 zurück. Der Audio-Entwicklungschef des Esslinger Automotive-Zulieferers S1nn hat den auto motor und sport-Redakteuren per DVD einen wohlkalkulierten Schreck eingejagt.

Nagelneues Surround-Format im Audi Q5 Rein akustisch, versteht sich, denn was da im als Entwicklungsträger dienenden Audi-SUV für ungemein realistisch-räumliche Klangdarstellung sorgt, ist ein nagelneues Surround-Format. Es nennt sich Aurophonie und setzt auf die bekannten Dolby-Surround-Formate im wahrsten Sinn des Wortes noch was obendrauf. Während übliche Raumklang-Technologien Musik und Geräusche vor allem in einer horizontalen Ebene abbilden, geht Aurophonie in die Höhe: Zu den fünf unteren Lautsprechern gesellen sich noch vier darüber. Daher trägt das System auch den Zahlencode 9.0. Diese Anordnung bringt laut Fabry drei entscheidende Vorteile: Zum ersten erhalten viele Klänge ihre natürliche Höhe, zum zweiten wird die Dominanz des Abhörraums (Wohnzimmer, Auto) über den in der Musik gespeicherten Raum aufgelöst. Mit Aurophonie-Anlage wird natürlicher Raumeindruck erreicht Das funktioniert folgendermaßen: Bei reinen Stereo-Lautsprechern vermischt sich die wiedergegebene Original-Räumlichkeit der Aufnahme schnell mit den Reflexionen im Abhörraum. Besonders in engen Automobilen entsteht ein wilder Mischmasch aus der Musik und den Reflexionen des Interieurs. Umso mehr Lautsprecher nun in einer Ebene den Klang des Aufnahmeraums reproduzieren, desto mehr gewinnt die Original-Räumlichkeit wieder die Oberhand - zumindest horizontal. Doch von der Decke kommen weiterhin wilde Reflexionen. Mit einer Aurophonie-Anlage und in der Höhe positionierten Lautsprechern wird auch von dort ein natürlicher Raumeindruck erreicht. Drittens soll der dabei entstehende viel natürlichere Raumeindruck dem Gehirn weniger Stress beim Hören aufbürden, da weniger widersprüchliche Klanginformationen entstehen. Musikwiedergabe im Audi Q5 ist begeisternd In den Galaxy-Aufnahmestudios in Belgien hatte auto motor und sport schon letztes Jahr die Gelegenheit, das neue Surround-Format probezuhören. Der ehemalige Profi-Organist und Studiobesitzer Wilfried van Baelen entwickelt dort mit Technikern den digitalen Aurophonie-Standard. Anfänglich besonders im Hinblick auf Filme, Sportereignisse und Computerspiele. Im Studio war das Klangerlebnis beeindruckend. Selbst sonst eher klangmatschiges Heavy-Metal-Gebrüll von Gruppen wie Manowar löste sich frappierend locker und differenzierbar von den Lautsprechern. Zusammen mit S1nn testete van Baelen das unter dem offiziellen Namen Auro3D firmierende System dann auch im Auto. Mit Erfolg: Die Musikwiedergabe im Audi Q5 ist begeisternd. Selbst wenn Michael Fabry einräumt, dass die Gegebenheiten im Auto theoretisch nicht ideal für perfekte Aurophonie sind: Die Höhen-Hochtöner-Lautsprecher hängen etwas zu tief und weit entfernt von den Höhen-Mitten-Lautsprechern am oberen Ende der A-Säulen. Was nichts daran ändert, dass Musik um eine Dimension natürlicher und angenehmer klingt. Technischer Aufwand für Aurophonie ist relativ hoch Viele Auto-HiFi-Anlagen stressen mit ihrem Klang auf Dauer und sorgen so bei den Passagieren und speziell beim Piloten für zusätzliche Belastung. Dieser Stress reduziert sich bei Aurophonie spürbar, was durchaus im Sinne der Fahrsicherheit steht. Der technische Aufwand ist relativ hoch, räumt Fabry ein. Es müssen mehr Lautsprecher- und Verstärkerkanäle installiert werden. Zudem muss ein Rechner (derzeit extern) die digitalen Aufnahmen entsprechend dekodieren. Doch die S1nn-Mannen haben als Entwickler und Zulieferer der Multimedia-Schnittstelle bei Volkswagen reichlich Erfahrung mit komplexer moderner Musiktechnik. "Die benötigte zusätzliche Rechenleistung schaffen auch moderne Infotainmentsysteme", erklärt Fabry. Erste Auro3D-Aufnahmen sind schon auf dem Markt Um in den Genuss von Auro3D-Sound zu kommen, bedarf es nicht einmal eines speziellen, mit neun Mikrofonen aufgenommenen Musikstücks. Das System ist vollkommen abwärtskompatibel: Aus einem üblichen Stereosignal berechnet Auro3D auch virtuelle Rauminformationen - ohne dass die so hallig-knallig klingen wie früher so viele Raumklang-Simulationen. Die ersten Auro3D-Aufnahmen sind schon auf dem Markt, an Wiedergabegeräten wird noch entwickelt, Gespräche mit Autoherstellern laufen. Im Zuge des Booms hochwertiger Musikanlagen im Auto wäre das System mit Sicherheit eine große Bereicherung.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2010-05-08

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