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Testbericht

22. Januar 2017
Stellen wir uns für einen langen Augenblick folgende schöne Situation vor: Nach Jahren harter Arbeit hat der eigene Kontostand endlich die gewünschten Nullen vor dem Komma. Wir sind also einigermaßen gewappnet – und können unseren Autohunger hemmungslos ausleben. Vielleicht mit dem Traumschlitten aus den Jugendtagen eine berühmte Rallye erleben? Deal! Doch schon am zweiten Tag platzt der Kühlerschlauch des Oldies zum dritten Mal – bei 35 Grad im Schatten verwandelt sich der V8 vom Drehmoment-Monster wieder zum Geysir. All die Freude – sie verdampft. Der Retter? Ein kleiner Mietwagen. Immerhin hat er eine Klimaanlage und so viel Platz, dass weitere gestrandete Oldie-Fahrer aufspringen. Da sitzt man nun zusammen und wünscht sich still den Komfort und die Haltbarkeit dieser schnöden Mietkutsche für den angebeteten Oldtimer.Sie merken schon, auch mit vielen Nullen vor dem Komma ist das Leben nicht frei von Problemen. David Brown hat es genau so erlebt – und wollte sich damit nicht abfinden. Im Gegenteil, die Erfahrung hat ihn angestachelt. Nach dem Motto: Wenn es den einen Traumwagen tatsächlich noch nicht gibt, dann bau ich ihn mir eben selbst.

Wie aus einer anderen Epoche
Szenenwechsel. Wir stehen auf einer kleinen Landstraße in der Nähe von Birmingham, England. Unter dem rosaroten Morgenhimmel brummt sich ein elegantes Coupé warm. Ein Zweitürer, der so lässig wie elegant auf großen Speichenrädern steht.Er wirkt wie aus einer anderen Epoche: der Kühlergrill grobgittrig, die Haube dahinter lang und mit einem feinen Lufteinlass versehen. Die gebogene Frontscheibe steht aufrecht, das Dach gibt sich mit einem eleganten Schwung dem Heck hin.Dieses Schmuckstück ist zweifelsohne eine Hommage an frühere Gran Turismo – irgendwo zwischen Ferrari 275 GTB und Aston Martin DB5. Wäre James Bond zugegen, er wäre verzückt. David Brown ist es jedenfalls. Der Mann aus Yorkshire hat nach der Panne bei der Oldie-Tour nicht lange gefackelt und sich wie versprochen seinen eigenen Traumwagen gebaut: den Speedback GT.Der Look der Sixties ist gewollt; die moderne Technik und das klassische Handwerk, das diese hinreißende Form erschaffen hat, ebenfalls. Aber schön der Reihe nach.

Jaguar XKR als Basis
Allen England-Fans sei versichert: Unser David Brown hier ist nicht mit jenem David Brown verwandt, der bei Aston Martin einst die verführerische DB-Serie erschuf. Also jene eleganten Coupés, die 007 regelmäßig im Dienste Ihrer Majestät zerschredderte. Unser David Brown weist aber die gleiche Cleverness auf und suchte sich zum Erreichen seines Ziels nicht nur eine gute Mannschaft, sondern auch die passende Ausgangsbasis: die DNA des Jaguar XKR. Sie wissen schon, das große Coupé, das bis 2014 gebaut wurde.Auf dessen Plattform basiert der Speedback GT, inklusive Fahrwerk, Lenkung und dem kompletten Antriebsstrang. Vor allem der fünf Liter große Kompressor-V8 brummt sich einem da in den Sinn, ihm mangelte es weder an Leistung noch an Sound. Brown erklärt seine Wahl mit Heimatverbundenheit, er wollte ein britisches Fabrikat nutzen – eines, das er schätzt.Das trifft auch auf den letzten Puzzlestein zu: Der Designer stammt ebenfalls von der Insel und kennt sich bestens mit Jaguar aus. Schließlich war Alan Mobberley einige Zeit Chefdesigner der Marke.Die Wahl zeigt, wie kühn und cool David Brown das Projekt Speedback angegangen ist. Für die Wahl des Designers hat er übrigens noch eine Begründung: Mobberley habe die wilden 60er-Jahre miterlebt und wisse deshalb genau, welche spezielle Ausstrahlung die Autos in jenen Tagen hatten. Spätestens jetzt dürfte klar sein, warum der Anzug des Zweitürers so gut sitzt.

Mit Picknickbänkchen
Und noch eine Besonderheit: Da der Speedback auf 100 Stück limitiert ist – seltene Schmuckstücke sind die kostbarsten – wird die Alu-Karosserie von Hand angefertigt. Bei der Innenausstattung treffen Jaguar-Kenner auf Vertrautes. Hier veredelt Brown die bekannten Zutaten mit noch mehr Leder und Echtholz. Die Sitze lassen sich bequem von den Türen aus einstellen und klimatisieren. Eine Kamera erleichtert das Rangieren. Unter der weit öffnenden Heckklappe verbirgt sich nicht nur ein großes Gepäckabteil, das sich durch Umlegen der Rücksitzlehnen erstaunlich vergrößert – hier klappt auf Wunsch auch eine Picknickbank aus. Solche Details und die hingebungsvolle Handarbeit verleihen dem Speedback GT ordentlich Charakter. Ob wir das nach der Fahrt auch noch unterschreiben? Der erste Eindruck: angenehm leise, dieser GT! Und geschmeidig. Er bewegt sich so gediegen, wie er aussieht. Gentleman statt Haudrauf, war ja eigentlich auch schon vorher klar. Obwohl der geladene V8 massig Drehmoment auf die Hinterachse wirft, bringt er den Zweitonner nicht aus dem Konzept. Er legt souverän ab, vergleichbar mit einer schnittigen Jacht. Während eine ZF-Automatik talentiert sechs Gänge verwaltet, fühlen sich Fahrer und Beifahrer wie in einem edlen Club. Ach ja, die Rücksitzbank: Kinder werden sie mögen.Die Zutaten für eine entspannte Tour wurden gut abgemischt, wir fühlen uns wohl an Bord. Könnten ewig so weiterfahren. Dass der Speedback GT sich der DNA des Jaguar XKR bedient – uns stört’s nicht. Wir haben vielmehr das große Problem mit dem Bankkonto. Die vielen Nullen vor dem Komma, sie waren ja nur ein Traum. Doch genau danach verlangt dieser GT. 
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Fazit
Ein verführerischer Gran Turismo im Look der Swinging Sixties mit der komfortablen Technik von heute. Limitiert. Und stolz im Preis.
Testwertung
4.5 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2017-01-22

Getestete Modelle
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