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Testbericht

10. Dezember 2008

Man hört sie förmlich brummen, die Charakterschleifmaschine, mit der die Renault-Mannen den neuen Mégane bearbeitet haben. Vom Patrick Le Quément’schen Design-Pioniergeist ist nicht mehr viel übrig, Nummer drei gibt den allgemeinverträglichen Kompaktklasse-Darling, dessen Form ebensowenig Erklärungsbedarf weckt wie seine Bedienung. Hier erwartet nicht nur Renault-Kenner ein Wiedersehen mit schlüssellosem Zugang und Startknopf. Dinge also, die dank der Rhombus-Mannschaft bis in volksnahe Klassen drangen. Statt weiter zu revolutionieren, bedient sich der ab 28. November erhältliche Mégane beim größeren Laguna.

Erkennbar am Armaturenbrett-Stil mit fließenden Formen, weich geschäumten Oberflächen und exakt gesetzten silberfarbenen Rahmen, ergänzt um eine preiswert anmutende Holzdekor-Blende. Auch die Bedienung mittels klar gruppierter Inseln, satt klickender Tasten und einem metallischen Drehdrück-Steller entstammt dem großen Bruder. Gleiches gilt speziellen Modi (soft und fast). Dieser Luxus ist nur bei der Top-Ausstattung Serie, doch manuelle Klimaanlage und Stereoklänge gönnen die Kalkulatoren schon der Basis (100-PS-Benziner; ab 16.900 Euro). Ebenso wie ein umfangreiche Sicherheitsausstattung und einen gut ablesbaren Digitaltacho. Unter der Motorhaube steckt zu Beginn mit dem 1,9-Liter-Diesel Bewährtes, wenn auch zart weiterentwickelt. Downsizing-Motoren, etwa ein 1,4-Liter-Turbo mit 130 PS, folgen genauso wie Kombi Grandtour und der Van Scénic, explizite Energiespar-Features oder gar ein Hybrid-Antrieb stecken noch im Forschungslabor.

130 PS starker Diesel-Motor Umso lebendiger schiebt der 130 PS starke dCi an. Mit Siebenloch-Piezo-Injektoren und weiteren Maßnahmen verfeinert, spielt er Uneingeweihten den stämmigen Benziner vor. Höchstens der rumpelige Leerlauf und sein nagelndes Außengeräusch entlarven den Zweiventiler als Diesel. Die akustischen Lebensäußerungen Richtung Innenraum scheinen ebenso mit Softlack überzogen wie Teile der Mittelkonsole. Damit buhlt der Mégane ganz klar um Komfortbewusste. Zudem schmeichelt er ihnen mit einer filterfreudigen Federung, die nur auf Querfugen spürbar bockt, sowie seiner leichtgängigen, elektrischen Lenkung. Mégane-Lenkung? Da spuken Kennern sofort Assoziationen wie gefühllos und unpräzise durch den Kopf. Entwarnung: Ein stärkerer Servomotor, die direktere Übersetzung sowie ein schnelleres Steuergerät samt flinkem Drehmomentsensor bringen den Renault näher an die Konkurrenz. Ob es zum Überholen reicht, kann erst ein Vergleich zeigen. In diesem muss sich der 4,30 Meter lange Fünfsitzer mit einer Verbundlenkerachse hinten gegen Mehrlenker-Konstruktionen (etwa bei Ford Focus und VW Golf) durchsetzen. Nicht schlimm, mit seinem überarbeiteten Fahrwerk und unter dem Schutz des fein regelnden ESP passiert er Kurven angemessen handlich und neutral ohne störende Lastwechselschärfe. Die sparte man sich sogar beim sportlicher ausgelegten Coupé, das vor allem mit seinem per Twinscroll-Turbolader beatmeten Top-Triebwerk TCe 180 zügig loslegt.

Untenrum turbopfeifend, obenraus auspuffbrummend, setzt der Zweiliter eher auf sein solides Drehmomentfundament als auf energischen Drehwillen. Insgesamt niedriger und kürzer, straffer abgestimmt sowie vor allem im Heck expressiver gestaltet, übernimmt das Coupé die Gigolo-Rolle im Programm. Speziell am Heck konserviert es viel vom Schwung der Mégane-Konzeptstudie. Da seien ihm die gestalterische Nähe zum Hintern des Alfa Romeo Brera, die gegenüber dem Viertürer nochmals schlechtere Übersicht nach schräg hinten sowie die indiskutable Kopffreiheit auf der Rücksitzbank verziehen. Doch Vorsicht: Auch Viertürer-Besitzer sollten ihren Fond nicht zu laut preisen. Bein- und Kopffreiheit fallen im Gegensatz zum Gepäckraum mit generösen 405 Liter Standardvolumen knapp aus. Bei aufgestellten Sitzflächen und flachgelegter Lehne warten maximal 1.162 Liter sowie eine kleine Stufe, weiter vorn nehmen große Türtaschen, ein Maxi-Handschuhfach und Bodenfächer Alltags-Kleinkram auf. Mit Kleinkram will sich Renault nicht zufriedengeben: Nach bisher 8,5 Millionen Exemplaren lasten hohe Erwartungen auf dem neuen Mégane, der sich ein ordentliches Stück vom Kompaktklasse-Kuchen sichern soll. Die erste Bekanntschaft macht jedenfalls schon mal Appetit.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2008-12-10

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