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Testbericht

15. Juli 2016


1. Aufgehübscht von innen und außen
Bereits sein Vorgänger hat designtechnisch einen riesigen Schritt nach vorn gemacht. Beim neuen Clio fallen der abgeänderte Kühlergrill sowie die LED-Scheinwerfer auf, die in den höheren Ausstattungsvarianten Serie sind. So macht der Zwerg weiterhin einen sympathischen, nicht zu verspielten Eindruck, wirkt aber wegen der großflächigen Scheinwerfer etwas softer. Auch im Innenraum kommen je nach Ausstattung ein bisschen Chrom, Leder und bequemere Sitze dazu. Wer auf guten Sound steht, kann sich für 590 Euro ein Bose-Soundsystem ordern.

2. Neuer Diesel ENERGY dCi 110
Neben den bereits vorhandenen Dieselmotoren mit jeweils 75 und 90 PS gibt es jetzt auch einen großen Diesel-Clio mit 110 PS. Dank eines Drehmoments von 250 Newtonmetern kommt der kleine Franzose untenrum schnell auf Touren. Was den Klang angeht, gibt sich der aufgeladene 1,5-Liter-Motor zurückhaltend: Kein Nageln, das in den Innenraum dringt, stattdessen läuft der Vierzylinder dezent und ruhig auf längeren Strecken. Bei kurzen Sprints kann er aber trotzdem aufdrehen, sodass die Drehzahlnadel schnell im roten Bereich landet. Echt kein Spießer!

3. Spaßige Getriebekombination
Was haben sich die eingefleischten Clio-Fans über diese Spaßbremse von Doppelkupplungsgetriebe aufgeregt, die vor allem bei sportlichen Fahrern der großen Benziner für lange Gesichter sorgte. Natürlich hat so ein Getriebe, bei dem man nicht selbst Sortieren muss, auch Vorteile – aber die Stau-Bequemlichkeitsnummer zieht beim Clio einfach nicht. Das musste auch Renault erkennen und hat sich nun von seinen Kunden dazu breitschlagen lassen, den Tce 120-Benziner nun auch als Sechsgang-Handschalter anzubieten. Der Selbstsortierer freut sich nicht nur über die neu gewonnene Freiheit in Form eines sauber abgestimmten Getriebes – der Alu-Schaltknauf gleitet auch beim Runterschalten erstaunlich bereitwillig in die richtigen Gänge -, sondern auch über eine Ersparnis von 1.500 Euro gegenüber dem Doppelkuppler.

4. Mehr Assistenzen, schwächelnder Regensensor
Eine Einparkhilfe ist im Clio optional erhältlich, eine ganze Reihe weiterer kleiner Helfer war es auch schon vorher wie beispielsweise die Rückfahrkamera oder Lichtsensoren. Der Regensensor funktioniert zwar, braucht aber bei leichtem Nieselregeln recht lange, bis er automatisch auslöst. So muss der Fahrer ab und an tatsächlich selbst die Hand vom optionalen Lederlenkrad nehmen, um den Scheibenwischerhebel zu betätigen.

5. Vernetztes Online-Entertainmentsystem mit gelegentlichen Aussetzern
Je nach Ausstattungsvariante kann man sich den neuen Clio auch mit dem Entertainmentsystem R-Link ordern. Darin enthalten ist dann die komplette Smartphone-Kopplungsgeschichte, mit der man sich entweder via USB- oder Bluetooth verbinden kann. Klappt. Ansonsten ist eine etwas begriffsstutzige Sprachsteuerung mit an Bord, ("Entschuldigung, ich verstehe Sie nicht.“) sowie ein TomTom-Navi, das ab und zu abstürzt und dann fünf Minuten braucht, um sich wieder zu sammeln und das Ziel zu laden. Dazu lässt sich festhalten: Fünf Minuten auf einer Straße können verdammt lang sein. Eine Karte aus Papier war glücklicherweise im praktischen Ablagefach, steht aber leider nicht auf der Ausstattungsliste. Ein nettes Detail am TomTom-Navi: Auf dem Bildschirm folgt man keinem Pfeil, sondern einem kleinen Mini-Clio – ist doch süß.

6. Zuverlässiges Fahrwerk
Daran haben die Franzosen zwar nichts verändert, ist aber trotzdem noch einmal erwähnenswert: Das McPherson-Federbein mit unteren Querlenkern, Querstabilisator und der gekoppelten Verbundlenkerachse mit Schraubenfedern erfüllt nach wie vor seinen Dienst und lässt auch den gelifteten Clio frech über den Asphalt hoppeln.

7. Irritierende Coyoten-Rufe
Optional ist auch das Blitzer-Warnsystem "Coyote“ mit an Bord. Wie der Comic-Coyote am Straßenrand jault es zwischendurch einfach mal los, warnt dabei aber nicht vor dem Roadrunner, sondern vor potenziellen Blitzer-Fallen. Allerdings sieht das riesige Warndreieck in Kombination mit den kurzen, stakkato-artigen Pieps-Geräuschen eher nach Selbstzerstörung aus und verdeckt zudem noch die Navi-Karte. Lässt sich zum Glück abstellen.

8. Erzieherische Eco-Maßnahmen
Ein gut ausgestatteter Neuwagen ohne Eco-Mode wäre wie ein nicht trinkender Rockstar – schwer vorstellbar. So hat auch der Clio unter der Tachoanzeige eine "Öko-Ampel“ in Form eines horizontalen Lichtstreifens, das je nach Verbrauch orange, gelb oder grün leuchtet. Wer immer schön grün fährt, könnte so vielleicht den angegebenen kombinierten Durchschnittsverbrauch von 3,5 Litern erreichen. Lässt sich ebenfalls abstellen.

9. Viel Platz im Kofferraum
Zugegeben, ein Raumwunder ist der Clio ja bekanntermaßen nicht gerade. Die Rückbank lässt sich aber mit wenigen Handgriffen im Verhältnis 2 zu 1 umklappen und bildet so eine halbwegs ebene Ladefläche. Bei leichtem Gepäck reicht der 300-Liter-Kofferraum sowieso schon locker aus. Umgeklappt passt dann aber auch noch einiges mehr rein, laut Herstellerangaben fast das Vierfache.

10. Sieht so groß aus wie ein Golf
Alleinstehend wirkt er so klein und quirlig, ein Zwischenstopp auf dem Supermarkt-Parkplatz bestätigt aber das Gegenteil. Denn so winzig ist der Clio gar nicht: Der 4,06 Meter lange und 1,95 Meter breite Fünftürer wirkt zumindest optisch zwischen Golf VI und Peugeot 208 ganz schön wuchtig. Dafür wird es im Fond gerade für größer Gewachsene schnell kuschelig, für kleinere Mitfahrer ist dagegen ausreichend Platz.
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Testwertung
3.5 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2016-07-15

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