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Testbericht

17. September 2013
Wir fahren 130km/h, was in einem Porsche Panamera an sich nicht erwähnenswert wäre. Hier schon, denn wir fahren rein elektrisch. Seit knapp 20 Kilometern surrt die Limousine bereits stromgetrieben vor sich hin, und erst jetzt geht dem Akku langsam der Saft aus. Wenn das mal keine Erwähnung wert ist. Es ist schon ein besonderes Gefühl, mit einem großen, schweren Wagen wie dem Porsche Panamera Hybrid flüsterleise über die Autobahn zu gleiten, nur von den maximal 70 kW des E-Motors angetrieben. Zumal der Porsche Panamera seit der Modellpflege auch noch deutlich besser als bisher federt: Jetzt bietet der Viertürer nicht nur das Fahrverhalten eines Sport-GT, sondern auch den Langstreckenkomfort einer Luxuslimousine. In diesem Moment der Reflexion bemerken wir, dass wir im Porsche Panamera Hybrid noch kein einziges Mal richtig Gas gegeben haben, stattdessen der Faszination verfallen sind, die 9,4 kWh Batterieladung in möglichst große Reichweite umzuwandeln. Kein Zwischenspurt auf der Auffahrt, kein Drang auf die linke Spur. Der an sich Porsche-typische Performance-Gedanke – wo ist er nur?

Porsche Panamera Hybrid kann auch stramm marschieren Mit dem alternativen Antrieb kommt eine Charakterwandlung – nicht nur beim Porsche Panamera Hybrid, sondern auch bei seinem Fahrer. Macht uns der Hybrid reifer, vernünftiger? Oder gar zu einem dieser reichweitenverliebten Verkehrsbehinderer? Die Tempobeschränkung wurde längst aufgehoben, und wir zuckeln noch mit Richtgeschwindigkeit vor uns hin; der Blick in den Rückspiegel zeigt eine Schlange. Ein kurzes Handheben als Entschuldigung, ein beherzter Tritt aufs Gaspedal – man muss einen mehr als deutlichen Druckpunkt überwinden –, und der Porsche Panamera Hybrid stürmt endlich so los, wie man es von ihm längst erwartet hätte. Ohne Ruck hat sich der Dreiliter-Kompressor-V6 mit 333PS zugeschaltet. Der Porsche Panamera Hybrid marschiert stramm vorwärts. Wer jetzt noch den nächsten Widerstand im Gaspedal übertritt, erlebt einen Vortrieb, der selbst erfahrene Porsche-Fahrer faszinieren dürfte: Nun drücken 590Nm so beeindruckend, wie man es bei einem alternativen Antrieb einfach nicht vermutet – und der Schub hält bis über Tempo 250 an. Erst die im so genannten Boost-Modus voll ausgeschöpfte Kombination aus der alten Welt mit der Wärmekraftmaschine und der neuen Welt mit der Drehstrom-Synchronmaschine bringt das Aha-Erlebnis sowie die Erkenntnis, dass ein Plug-in-Parallel-Vollhybrid nicht halb so unsexy sein muss, wie sein Name vermuten lässt.

Porsche Panamera Hybrid mit guten Verbrauchswerten Natürlich gibt es auch konzeptionelle Nachteile, die sich die Ingenieure einhandeln mussten, um den Hybrid überhaupt realisieren zu können. Der von Audi stammende Motor ist im neuen Technik-Umfeld an reinen Hinterradantrieb gekoppelt. Allrad gibt es nicht, was die Wintertauglichkeit beträchtlich schmälern dürfte. Zweiter Kritikpunkt am Triebwerk: Es kommt kein Porsche-Feeling auf; es klingt einfach zu banal. Dass der Audi-V6 wiederum an eine Achtgang-Wandlerautomatik gekoppelt ist und nicht etwa an ein Doppelkupplungsgetriebe, erweist sich dagegen als Glücksgriff. Der Wandler fährt deutlich komfortabler an, ruckt nicht bei niedrigen Geschwindigkeiten und wechselt die Gänge spürbar sanfter. Auch das lässt den Porsche Panamera weiter zu sich selbst finden und in der Luxusklasse ankommen; dort schätzt man Schaltrucke nicht. Der Übergang vom Rekuperations-Verzögern zum mechanischen Bremsen ist so wenig zu spüren wie bei keinem anderen Hybrid. Dennoch irritiert, dass der Druckpunkt des Pedals immer wieder variiert: Meist tritt man stärker, als man eigentlich wollte, und muss modulieren. Von der Handlichkeit seiner reinen Verbrennungs-Brüder ist der Hybrid etwas entfernt; er muss mit einer elektrohydraulischen Lenkunterstützung auskommen. Und die bietet nicht ganz die exakte Rückmeldung einer rein hydraulischen. In Verbindung mit den rollwiderstandsoptimierten Reifen kostet das auf der Landstraße etwas Kurven-Eifer. Es bleibt allerdings genug Agilität, um eine Bergpassage beeindruckend schnell zu meistern.Oben angekommen zeigt ein Blick auf die Ladeanzeige im Display, dass die Batterie nach Saft verlangt. Der Panamera muss nun nicht zwangsweise mindestens zweieinhalb Stunden an die Steckdose; ein Druck auf die Taste E-Charge reicht, und der V6 wird zum Teilzeit-Kraftwerk. Er läuft dann in der Lastpunkt-Verschiebung – ein Teil der Leistung treibt den Ladegenerator und speist den Akku. So lässt sich unabhängig von einer Steckdose Energie generieren – etwa für die nächste Fahrt in der Stadt. Innerhalb von rund 50 Kilometern ist der Stromspeicher wieder voll. Das dürfte künftig immer wichtiger werden, denn viele Metropolen wollen nur noch E-Autos Zutritt gewähren. Maximal 36 Kilometer weit soll der voll aufgeladene Porsche Panamera Hybrid rein elektrisch kommen; im Test schafften wir nie über 32. Das ist dennoch ebenso beeindruckend wie unser ermittelter Verbrauch von 5,7 Liter pro 100 Kilometer auf der automotorundsport-Verbrauchsrunde. Im Test-Mittel konsumiert der Porsche Panamera Hybrid auf 100 Kilometer 7,2 Liter, sofern der Akku voll über das Netz geladen ist, sowie 9,4 Liter, wenn man mit leerem Stromspeicher startet und diesen erst während der Fahrt mittels V6 lädt. Ins Verhältnis zur Masse des Porsche Panamera Hybrid gesetzt, sind alle Werte hervorragend, zumal die Limousine dabei ein Beschleunigungsvermögen bietet, das eines Porsche absolut würdig ist. Schon alleine dafür hat der Hybrid fünf Sterne verdient – aber mehr noch für seine längst überfällige Charakterwandlung: Der Porsche Panamera Hybrid ist nun ganz er selbst.

Steuerung via App Über eine App für Smartphones können Porsche Panamera-Besitzer ihr Fahrzeug überwachen – etwa die Ladezeit oder die elektrische Reichweite. Das ist kostenlos. Gegen Aufpreis gibt es dann Zusatz-Funktionen wie beispielsweise folgende: Wer den geparkten Panamera in einer fremden Stadt nicht mehr findet, kann sich hinführen lassen.

Porsche Panamera Hybridantrieb deutlich verbessert Der Elektromotor wurde stärker, aber nicht schwerer, die Akkus nutzen jetzt die Lithium-Ionen-Technologie, und der Hybrid-Panamera darf an die Steckdose. Im Vergleich zu seinem Vorgänger, dem Porsche Panamera S Hybrid, wurde der E-Hybrid stärker: Die E-Maschine legt von 34 auf 70 kW und um zehn auf 310Nm zu. Eine Lithium-Ionen-Batterie ersetzt den bisherigen Nickel-Metallhydrid-Akku und kann mit 9,4 Kilowattstunden mehr als die fünffache Energiemenge ihrer Vorgängerin aufnehmen. Im Gegensatz etwa zu den Hybrid-Modellen von Toyota und Lexus ist der Panamera nach wie vor ein Parallelhybrid und kein leistungsverzweigter mit Planetengetriebe. Der größte Unterschied zum noch erhältlichen Hybrid-Bruder Cayenne: Im Panamera rollt man nach dem Start im E-Power-Modus immer elektrisch los – sofern die Limousine mindestens 2,5 Stunden an einer 380-Volt-Steckdose hing, verspricht Porsche je nach Fahrweise eine rein elektrische Reichweite von 18 bis 36 Kilometern.
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Quelle: auto-motor-und-sport, 2013-09-17

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