12neuwagen de12gebrauchtwagen de

Unsere Partnerseiten:

Testbericht

15. März 2009

Der italienische Tankwart ist im wahren Wortsinn aus dem (Kassen-)Häuschen: "Senza Diesel! Senza Diesel!" Doch bevor er dem Cayenne -Piloten die Zapfpistole aus der Hand reißen kann, stimmt ihn ein Blick auf den Aufkleber im Tankdeckel milde. Jahrelang wurde der Diesel von Porsche verschmäht, da ihm angeblich die sportwagentypische Dynamik abginge. Derweil zogen allerdings dunkle Wolken in Zuffenhausen auf - nicht in Form von Dieselruß, sondern von bedrohlich niedrigen Grenzwerten für den künftig vorgeschriebenen CO2-Flottenausstoß. Weniger Durst und gute Manieren Zudem wandelte sich die Wahrnehmung des Porsche Cayenne ob seiner von Masse und leistungsstarken Motoren bedingten Trinkfestigkeit vom Lieblingsfahrzeug gut situierter Vorortfamilien zum öffentlich geschmähten Symbol für den Klimawandel. Dabei spricht von der Papierform wenig gegen, aber viel für den Einzug eines Selbstzünders unter die gewölbte Cayenne-Haube: mächtiges Drehmoment und kaum schlechtere Manieren als der V6-Benziner bei deutlich geringerem Durst. Zudem hatten die Ingenieure durch die engen Beziehungen zum VW-Konzern Zugriff auf die geballte Direkteinspritzer-Kompetenz.

8,3 Sekunden von null auf 100 km/h Also erweckt nun der Dreh am stilecht links platzierten Zündschlüssel keinen bollernden V8-Benziner, sondern einen tief grummelnden Dreiliter-V6-TDI der neuesten Generation zum Leben. Ist der Wählhebel der serienmäßigen, vom japanischen Zulieferer Aisin beigesteuerten Tiptronic auf D gerückt, reicht es, den Fuß von der Bremse zu nehmen, um den Vorwärtsdrang des 240 PS starken SUV zu erleben. Offenbar wird dem Getriebe-Wandler kaum Schlupf zugestanden, um den Eindruck überschäumenden Temperaments aufkommen zu lassen. Immerhin gilt es eine Masse von knapp 2,4 Tonnen porschemäßig in Bewegung zu setzen - was dem für schlanke 2.344,30 Euro Aufpreis in GTS-Rot lackierten Testwagen auch gelingt. In 8,3 Sekunden wird der Sprint von null auf 100 km/h erledigt. Ab 140 km/h kein Vorwärtsdrang mehr Der stärkere Benziner gönnt sich ein Zehntel mehr, und der 185 Kilogramm leichtere BMW X5 x-Drive 30d lässt sich für diese Übung genauso viel Zeit. Ab 140 km/h nimmt der ungestüme Vorwärtsdrang des Porsche dann spürbar ab. Auf der Autobahn kann das durchaus zu verzwickten Situationen führen, da der Cayenne trotz aller Verunglimpfung durch Klimaschützer uneingeschränktes Überholprestige genießt. Einfach an einem flotten Mittelklasse-Diesel vorbeipreschen wie mit einem Cayenne Turbo funktioniert aber nicht ganz so problemlos.

12,7 Liter Testverbrauch Tragisch ist das nicht, denn der Selbstzünder macht aus dem Familien-Porsche das, was Touareg, Q7 und Co. mit vergleichbarer Leistung längst sind: einen großdimensionierten Langstreckengleiter. Bis zu 1.000 Kilometer Reichweite verspricht der Hersteller, legt dabei einen Durchschnittsverbrauch von 9,3 Litern nach dem Europäischen Fahrzyklus (ECE) zugrunde. Auf der auto motor und sport-Normrunde gibt sich der Cayenne Diesel mit nur 8,3 L/100 km sogar noch zurückhaltender. Doch erst der Testverbrauch von 12,7 Litern spiegelt die Realität des Alltagsverkehrs wider. Bei den Fahrdynamikversuchen wird deutlich, dass dieser Porsche eher die Lässigkeit der Langstrecke als die Rasanz der Rennpiste gepachtet hat. Mit 20-Zöllern bestückt, lassen sich zwar alle Übungen wie der 18-Meter-Slalom und die Wedelgasse sicher und flott meistern, doch besondere Akzente vermag der Porsche Cayenne nicht zu setzen.

3,5 Tonnen zulässige Anhängelast Daran ändert auch die aufpreispflichtige Luftfederung mit dem so genannten Porsche Active Suspension Management (PASM) nichts. Von den drei wählbaren Einstellungen Sport, Normal und Komfort hinterlässt Letztere den ausgewogensten Eindruck. Selbst wenn eine Kurve etwas forscher angegangen wird, halten sich die Wankbewegungen in vertretbaren Grenzen. Der Fahrkomfort zeigt sich in diesem Modus von seiner geschmeidigsten Seite, auch wenn die schicken und teuren Riesen-Räder dieses Gefühl zu boykottieren versuchen. Die Sportfunktion der Sechsstufenautomatik kann ebenfalls außer Acht gelassen werden. Lediglich die manuelle Eingriffsmöglichkeit per Wipptasten am Lenkrad oder mittels Wählhebel ist bei Bergabfahrten sinnvoll. Vor allem dann, wenn die stattliche Anhängelast von 3,5 Tonnen genutzt wird. Einzig die Verzögerungswerte liegen auf Sportwagen-Niveau. Egal, ob mit warmer oder kalter Bremse, der schwere Wagen steht aus 100 km/h nach 37 Metern. Gut möglich also, dass Porsche -Verkäufer künftig vermehrt Mercedes ML 320 CDI , Audi Q7 und Co. in Zahlung nehmen - und die neuen Cayenne Diesel-Fahrer viele verblüffte Tankwarte in ihren Kassenhäuschen zurücklassen.

Weiterlesen

Quelle: auto-motor-und-sport, 2009-03-15

Getestete Modelle
Ähnliche Testberichte
Autoplenum
3.5 von 5

Autoplenum, 2017-08-29

Porsche Cayenne - Adrenalin und AssistentenPorsche Cayenne - Adrenalin und Assistenten
Adrenalin und Assistenten Porsche Cayenne Ganzen Testbericht lesen
Autoplenum
4.0 von 5

Autoplenum, 2017-08-28

Porsche Cayenne 2018 - Alles wie gehabtPorsche Cayenne 2018 - Alles wie gehabt
Porsche legt die dritte Generation seines Cayenne auf. Der sportliche Luxuscrossover will alles sein: Sportwagen, Rei...Ganzen Testbericht lesen
Autoplenum

Autoplenum, 2017-08-09

IAA 2017 - Die neuen SUVsIAA 2017 - Die neuen SUVs
Die neuen SUVs IAA 2017 Ganzen Testbericht lesen
Autoplenum

Autoplenum, 2017-08-09

Porsche zahlt Umweltprämie - 5.000 Euro für Alt-DieselPorsche zahlt Umweltprämie - 5.000 Euro für Alt-Diesel
5.000 Euro für Alt-Diesel Porsche zahlt Umweltprämie Ganzen Testbericht lesen
Autoplenum
4.0 von 5

Autoplenum, 2017-08-03

Porsche Cayenne - Technik-Details von Generation Drei
Technik-Details von Generation Drei Porsche Cayenne Ganzen Testbericht lesen