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Testbericht

4. Mai 2015


Komplett neues Fahrwerk mit Schraubenfedern statt Drehstäben
Ende der 80er-Jahre ging jene Ära endgültig zu Ende, in der Fahrer von schnellen Sportwagen oft auf Komfort verzichten mussten und nur mit viel Erfahrung und vielleicht sogar Mut den Grenzbereich ihres Boliden erkunden konnten. Deshalb erhält der Anfang 1989 eingeführte 911 Carrera 4 (Typ 964) einen serienmäßigen, elektronisch geregelten Allradantrieb sowie ein komplett neues Fahrwerk mit konventionellen Schraubenfedern anstelle der bisher verwendeten Drehstäbe.Der mit Doppelzündung, sequenzieller Einspritzung und einer Zweistufen-Resonanzansauganlage ausgestattete 3,6-Liter-Boxer leistet jetzt 250PS. Die Motronic steuert auch das zu- und abschaltbare Schwingrohr der Resonanzanlage im Ansaugsystem. Ab 80km/h fährt außerdem ein als Motor-Entlüftungsgitter getarnter Heckspoiler nach oben, damit der neue Carrera 4 ohne Zicken seinen Topspeed von 260km/h erreicht.

Porsche 964 mit 1,15 km Kabel und 48 E-Motoren
Nach eigenem Bekunden hat Porsche deshalb 1.150 Meter Kabelstrang, 1.433 Steckverbindungen, 48 Elektromotoren, 41 Sicherungen und 27 Schaltgeräte sowie 18 Elektromagnete im neuen Porsche 911 verbaut - das später lieferbare elektrische Verdeck noch nicht mitgerechnet.Der offene, noch immer klassische Porsche 964-Elfer - jetzt ohne die Ziehharmonika-Stoßstangen - kommt erst im Oktober 1989 mit der Einführung des 911 Carrera 2 ohne Allradantrieb. Bis dahin müssen sich Cabrio-Kunden mit dem Vorgänger begnügen. Weil der 964er Carrera 280 Kilogramm weniger als sein Allrad-Pendant wiegt, ist er diesem im Sprint bis 100km/h leicht überlegen.

964 Cabrio erfordert Handarbeit
Das auch für den Porsche 911 Carrera 4 erhältliche Cabriodach wird ab jetzt aufpreisfrei elektrisch betätigt. Allerdings muss noch immer die Persenning von Hand in alter Roadster-Manier Knopfdruck für Knopfdruck an der Karosserie befestigt werden.Der Porsche 911 Turbo als 964-Modell mit 320PS kommt erst im Januar 1991 - ohne Allrad. Im Gegensatz zu seinem bis dahin gebauten Vorgänger gibt es keine Cabrio-Version mehr. Geblieben ist nur der Turbo-Look (ohne Heckspoiler), der 1992 und 1993 für das Carrera-2-Cabrio erhältlich ist. In den USA wird diese Version als "American Roadster" vermarktet. Insgesamt entstehen 1.532 Stück.

Need for Speedster
Bereits ein Sammlerstück ist der nur 1993 angebotene Porsche 911 Carrera 2 Speedster mit kurzer Windschutzscheibe. Sein von Hand zu bedienendes Verdeck findet unter einer Klappe Platz. Es entstanden 936 Exemplare. Ein ähnliches Speedster-Modell gab es bereits 1989 noch in der G-Modell-Optik.Wer sich also für einen offenen Porsche 964 entscheidet, bekommt ein grundsolides, mit viel Hightech bestücktes Cabrio, das Bastler allerdings rasch überfordert. Umso wichtiger ist es, ein werkstattgepflegtes Exemplar zu erwischen.

Das müssen Sie über das Porsche 911 Cabrio 964 (1989 bis 1993) wissen
Neue Front- und Heckpartie:Die Grundform des Vorgängers ist gleich geblieben. Die Stoßfänger sind jedoch besser in die Karosserie integriert. Schwarze Prallflächen und Faltenbälge sind verschwunden. Große Blinkerleuchten.Neue Vorderradaufhängung: Der Antriebsstrang für die Vorderachse erfordert eine Neukonstruktion ohne Drehstäbe. Jetzt Dreiecksquerlenker und McPherson-Federbeine. Motoröltank (Trockensumpfschmierung) im Frontbereich.Elektronisches Allradsystem: ABS-Sensoren an den Rädern regeln den Schlupf an den hydraulisch gesteuerten Achssperren. Das Mitteldifferenzial verteilt Elfer-typisch die Antriebskraft im Verhältnis 31 : 69 (vorn/hinten)Neue Hinterradaufhängung: Hier wurde die Drehstabfederung durch eine Schräglenker-Hinterachse mit Federbeinen ersetzt. Alu-Scheibenräder, vorn 6 x 16, hinten 8 x 16 Zoll. Auch neu: der bei 80km/h hochklappende HeckspoilerMotor komplett überarbeitet: Sechszylinder-Boxer, luftgekühlt. Jetzt 3,6 Liter Hubraum und 250PS. Doppelzündung, Saugrohreinspritzung, digitale Motorelektronik, Resonanz-Ansauganlage, geräuscharme Motor-Teilkapselung

Die Stärken des Porsche 964 Cabrios
Der Porsche 964 besitzt noch immer die klassische Elfer-Form und ein luftgekühlter Boxer im Heck. Auch das Interieur mit klassischem 911-Armaturenbrett ist an Bord. Zudem überzeugt der 964 mit seinem standfesten Motor, seiner rostresistenten Karosserie und der sehr guten Verarbeitung. Besonders mit Allradantrieb sind seine Fahreigenschaften sehr ausgewogen. Bei aller Sportlichkeit ist er dabei relativ komfortabel – auch auf Langstrecken.

Die Schwächen des Porsche 964 Cabrios
Vor allem im Porsche 911 Carrera 4 Cabrio schaltet und waltet viel Elektronik, die im Störfall das Elfer-Fahren vermiesen kann. Im Vergleich zum Vorgänger muss mit erhöhten Wartungskosten gerechnet werden. Optische Petitesse für 964-Fahrer: Das geöffnete Verdeck im VW-Käfer-Stil wirkt etwas altbacken.

So viel kostet ein Porsche 964 Cabrio
Wer sich für einen offenen Porsche 964 interessiert, muss laut Classic-Analytics mit rund 39.000 Euro für ein Exemplar im Zustand 2 rechnen. Dabei ist es unerheblich, ob der Elfer Hinterrad- oder Allradantrieb besitzt - der Preis liegt auf gleichem Niveau. Doch im Unterhalt macht sich zweite angetriebene Achse durchaus bemerkbar. Der Kauf eines Allrad-964 sollte also gut überlegt und kalkuliert werden. Mäßig gepflegte Porsche 964 Cabrios im Zustand 4 kosten rund 14.000 Euro.
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Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2015-05-04

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