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Testbericht

20. März 2018
Ob wir da nicht Äpfel mit Birnen verglichen, fragte ein Bekannter angesichts des indischroten 911 Turbo. Dabei hatte ich ihm nur verraten, was wir mit dem Porsche vorhatten. Nein, keine Obstsorten vergleichen, sondern den 911 Turbo mit dem Panamera Turbo. Schließlich sind die beiden Porsche praktisch gleich stark. Der Viertürer kommt mit Hightech-48-Volt-Netz, Wankausgleich und einer superschnell rechnenden Fahrwerkselektronik, die ihn gleichermaßen agil und komfortabel macht. Da wird dem 911 Turbo sicher eng ums Hemd, oder?Denn seit es die GT2- und GT3-Modelle gibt, ist der 911 Turbo ja nicht mehr das sportliche Topmodell der Marke, sondern eher ein Reisesportwagen für virile Empty-Nester, die keine rückwärtigen Türen mehr benötigen. Na, dann schauen wir mal.

Gut gepustet mit Dynamic Boost
Turbo ist bei Porsche ja von der technischen Funktionsbeschreibung zum Spitzenmodellprädikat mutiert. Jede Baureihe (bis auf die 718er) hat nun ihren Turbo, obwohl inzwischen auch bei den anderen Ausführungen fast ausschließlich zwangsbeatmete Motoren eingesetzt werden. Kaum noch ein Triebwerk im Porsche-Programm kommt ohne mehr oder weniger aufwendige Turboaufladung aus. In rund 55 Jahren Entwicklung rund um den Turbolader im Personenwagen hat sich viel getan, das Wirkungsprinzip entspricht immer noch im Wesentlichen der Patentanmeldung Nr. 204630 des Schweizer Ingenieurs Alfred Büchi von 1905.Im Falle des Panamera sitzen die Turbinen- und Verdichterräder – insgesamt sind es vier, weil der Motor zwei Lader hat – im V des Motorblocks. Der Achtzylinder ist inzwischen ein Konzernmotor, in ähnlicher Form unter anderem im Audi A8 und im Lamborghini Urus verbaut. Hier leistet er 550 PS, genau zehn PS mehr als der Antrieb des 911 Turbo. Der hat ebenfalls zwei Lader, allerdings variable Turbinengeometrie an den Einlassrädchen und Dynamic Boost. Verzögerungen im Ansprechverhalten, auch Turboloch genannt, soll es so nicht mehr geben.Bei Dynamic Boost bleibt die Drosselklappe beim Gaswegnehmen geöffnet, der Lader so auf Touren und der Ladedruck erhalten, nur die Benzinzufuhr wird weggeregelt. 710 Nm bei 2.100 Umdrehungen stemmt der Boxer im Heck des 911, der V8 im Panamera kommt auf 770 Nm. Der Wunsch nach mehr Drehmoment kommt bei beiden Fahrzeugen im normalen Fahrbetrieb eher selten auf. Das dürfen wir ruhig schon verraten, während wir uns in den so unterschiedlichen Porsche-Baumustern zurechtfinden.Nun könnte der Vergleichstest eigentlich fast vorbei sein, so unterschiedlich sind die beiden Turbos. In den Panamera sinkst du fast wie in ein tief gelegtes Wohnzimmer, ein breiter Tunnel trennt den Fahrerarbeitsplatz vom Beifahrersitz. Der adaptive Komfortsitz passt eng, doch nicht klammernd. Blank polierte Flächen, wenig Knöpfe, alles wirkt etwas kühl und distanziert.Ganz anders das enge, fast höhlenartige 911-Interieur mit seinem Oldschool-Touch. Das fühlt sich alles etwas heimeliger an, vor allem wenn man zu zweit darin sitzt. Denn der Copilot ist nur wenige Millimeter entfernt, somit stärker ins Geschehen an Bord eingebunden.Wenn man das nun nach Punkten bewertet, dann sammelt der Panamera hier bereits so viele, die der 911 Turbo mit besseren Fahrleistungen und mehr Dynamik nie einholen wird. Weil sich das Leben aber oft wenig um Punkte und Messtabellen schert, machen wir trotzdem weiter. Mit den Motoren etwa, auch wenn sich da bei den Fahrleistungen keine echten Unterschiede ergeben. Gleichwohl mag es an den Stammtischen wichtig sein, ob ein 180.000-Euro-Auto in 3 oder in 3,4 Sekunden auf 100 km/h beschleunigt oder statt 320 nur 306 km/h schnell ist.

Panamera mit Klappensound
Nicht jedoch die Art und Weise, wie die Turbomotoren ihre Leistung entfalten. Ein scheinbarer Nachteil der Abgasturbolader ist ja, dass die Abgase nur einen Teil ihrer Energie in Lärm, auch Sound genannt, umsetzen können. Sie sind leiser, als es Sportwagenbauer und -fahrer wünschen, weshalb sowohl 911 als auch Panamera mit klappenbewehrten Abgasanlagen vorfahren. Auspuffklappen-Sound ist natürlich Geschmackssache, daher nur so viel: Den organischeren, feineren Klang entfaltet der Boxermotor, obwohl er objektiv gemessen lauter ist. Der V8 brüllt mit offenen Klappen etwas bemüht, wirkt gewollter und unharmonischer als der Sechszylinder.Feinere Unterschiede ergeben sich im direkten Vergleich bei der Leistungsentfaltung. Der Boxer benötigt etwas mehr Drehzahl, hängt aber tatsächlich einen Hauch enger am Gas, reagiert sehr feinnervig auf millimeterkleine Änderungen am Gaspedal. Der V8 tritt wuchtiger an, dreht jedoch mit seiner größeren Schwungmasse verhaltener hoch.Weil dies ein Vergleichstest ist, müssen wir hier nun für ein paar Zeilen über den Treibstoffverbrauch reden. Etwas mehr als zwölf Liter verbrauchen beide im Testmittel, der 911 etwas weniger, nicht zuletzt, weil er zehn Zentner leichter ist.Das kann sich schon mal sehen lassen. Beeindruckender ist jedoch, dass man es im alltäglichen Straßenverkehr kaum schafft, im Schnitt mehr als 15 Liter durchzujagen. Das klappt eigentlich nur bei großflächig leerer Autobahn und sehr schwerem Gasfuß. Spätestens dann fällt der zu kleine Tank auf, sodass bereits nach 300 Kilometern ein Stopp ansteht. Das war bereits beim Vorgänger 997 Turbo so – und zu wenig.Der wahre Unterschied zwischen den beiden Turbos offenbart sich jedoch dort, wo es wirklich darauf ankommt. Beim Handling fährt der kleinere Sportwagen dem Viertürer gehörig um die Ohren. Nicht nur nach den Zeiten auf der Stoppuhr, sondern noch mehr in der Art, wie sich die Autos dabei anfühlen.Auf der Landstraße steht sich der unübersichtliche Panamera oft ein wenig selbst im Weg. Er reagiert zudem weniger messerscharf auf Lenkbefehle, braucht etwas länger für Richtungswechsel, fühlt sich so auf schnellen Überlandstrecken wohler. Fast unnötig, hier zu erwähnen, dass er in allen Lebenslagen den besseren Federungskomfort bietet.Den 911 Turbo nimmst du am liebsten dahin mit, wo du auch sonst gern unterwegs bist: auf die Testrunde über die Alb nach Süden oder über Kaltenbrunn Richtung Nordschleife. Da beißt er sich präzise in die Kurven, lässt sich mit knappen Lenkbewegungen dirigieren, bremst punktgenau. Das geht spielerisch und macht Spaß, denn du merkst die vielen Helfer gar nicht, die den 911 auf Kurs halten. Er lässt dich den Chef spielen und koordiniert im Hintergrund so sorgfältig wie unauffällig ESP, Traktionskontrolle, Hinterachslenkung, Torque Vectoring und E-Gas.Da ist der Panamera weniger diskret, der lässt nie einen Zweifel daran, dass du ohne seine Hilfe verloren wärst. Dass er diesen Vergleich gewinnt, ist ohnehin klar. Obwohl du ja manchmal doch eher Birnen als Äpfel magst.
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Quelle: auto-motor-und-sport, 2018-03-20

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