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Testbericht

Mario Hommen/SP-X, 24. November 2017

Die seit vielen Jahren grassierende SUV-Manie wird unter anderem vom Versprechen genährt, mit den kernigen Hochbeinern in die Freiheit fahren zu können, in Gegenden, in denen keine Tempolimits nerven und stattdessen das Abenteuer lockt. Doch den heute üblichen Pseudo-Offroadern darf man eigentlich nur den Schotterweg zur Berghütte zumuten. Felsen, Furten, Fegefeuer? Dafür sind die Asphalt-Cowboys modernen Zuschnitts meist eine Fehlbesetzung. Doch halt, es gibt sie noch, die Allradler nach altem Schrot und Korn, die auch harte Touren locker wegstecken und ob ihrer Leiterrahmenkonstruktion zudem mit hoher Zuladung und Anhängelast punkten. Zwar sind diese Arbeitstiere beinahe ausgestorben, doch die fünf verbliebenen Vertreter dieser aus der Zeit gefallenen Spezies laufen zum Modelljahr 2018 zu neuer Form auf, ohne ihrer Kernkompetenz beraubt zu werden.
 
Kauzigster und mit Abstand günstigster Vertreter in diesem Quintett ist der Klein-Kraxler Suzuki Jimny. So wie wir ihn kennen, gibt es den Bonsai-Bergfex seit fast 20 Jahren. Zwar hat er in dieser Zeit ein paar Neuerungen erfahren, doch im Kern ist er seiner robusten Art und der Einfach-Technik treu geblieben. Entsprechend trägt der Jimny noch immer viel DNA der Kultvorgänger LJ, SL und Samurai in sich. Wie diese ist auch der Jimny ein kleiner, leichter und wendiger Steilhang-Souverän, der sich dank Allradantrieb und einem robusten Naturell für Freizeit und Offroad-Sport empfiehlt. Aufgrund seines kleinen 1,3-Liter-Benzinmotors mit 62 kW/84 PS ist der Jimny trotz Leiterrahmen kein Schwergewicht: Lediglich 1,3 Tonnen vermag der Allradfloh ziehen. Beim Preis ist der Jimny dafür leicht zu stemmen: Rund 16.000 Euro kostet die Basisversion, die bereits serienmäßig Allradantrieb hat. Kleiner Preis, großer Spaß – diesem Rezept dürfte auch der Nachfolger folgen, der bereits mit den Füßen scharrt. Bilder von Erlkönigen deuten eine kastige Miniatur-Ausgabe der G-Klasse an, die sehr wahrscheinlich dem Wertekanon einer sehr langen Tradition besonders kompakter Suzuki-Offroader treu bleiben dürfte. Vielleicht schon 2018 könnte der Nachfolger in den Markt kommen.
 
Ebenfalls seiner langen Tradition verpflichtet bleibt der Land Cruiser, den Toyota zum Modelljahr 2018 umfangreich auffrischt. Man kann sich streiten, ob es sich dabei um eine Neuauflage oder eher ein Facelift handelt. Den Fans wird das gleich sein, denn der neue Land Cruiser setzt unvermindert aufs Leiterrahmen-Prinzip. Auch Technikschmankerl wie Getriebeuntersetzung und Hinterachssperre gehören weiterhin zum Abenteuer-Arsenal. Zugleich dürfte sich der neue Land Cruiser auch auf asphaltierten Fernwegen wacker schlagen, zumal er mehr Technik und Komfortausstattung denn je bieten wird. Das renovierte Raubein kommt zum Beispiel vorne wie hinten mit LED-Leuchten daher, während innen Neuerungen wie ein topmodernes Navi-Infotainmentsystem, klimatisierte Vordersitze, Sitzheizungen für die Rückbank und eine beheizbare Windschutzscheibe Einzug halten. Darüber hinaus ist künftig das Safety-Sense-System an Bord, das dank Radar und 360-Grad-Kamerasystem nützliche Helfer wie Kollisionsverhinderer mit Fußgängererkennung, Abstandstempomat und Spurverlassens-Warner bietet. Unverändert wird es den Land Cruiser ausschließlich mit einem 130 kW/177 PS starken 2,8-Liter-Vierzylinderdiesel geben, der den 2,4-Tonner in knapp über zwölf Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 beschleunigt und eine Höchstgeschwindigkeit von 175 km/h erlaubt. Angesichts der unveränderten Antriebstechnik wird ihm auch seine Anhängelast von drei Tonnen bleiben. Der Basispreis von bislang knapp über 40.000 Euro dürfte hingegen steigen.
 
Mit 3,5 Tonnen noch mehr Zugkraft zu einem deutlich kleineren Preis bietet die frisch gestartete Neuauflage des Ssangyong Rexton. Schlappe 31.000 Euro kostet die bereits ordentlich ausgestattete Basisversion des auf 4,85 Meter Länge gewachsenen Nobel-Koreaners, der vor allem in Sachen Komfort und Ausstattung mächtig aufpoliert wurde. Auch innen ist der neue Rexton ein Riese, denn hier passen bis zu sieben Personen und fast 2.000 Liter Gepäck rein. Ebenfalls üppig ist das Leistungspotenzial des 2,2-Liter-Diesels, der 133 kW/181 PS und bis zu 420 Newtonmeter entweder allein an die Hinterachse oder per zuschaltbaren Allradantrieb an alle vier Räder schickt. Wird es kniffelig am Berg, aktiviert man die Getriebeuntersetzung oder holt sich Unterstützung von der Berganfahrhilfe und dem Bergabfahrassistenten. Sogar einen Kollisionsverhinderer bietet das umfangreich erweiterte Arsenal elektronischer Helfer. Oben auf der Bergspitze angekommen, kann man dann auf klimatisier- und beheizbaren Ledersitzen den Ausblick und den „Freischütz“ genießen, der aus den vielen Lautsprechern einer klanggewaltigen Audioanlage schmettert.
 
Anders als Land Rover, die ihren Defender mittlerweile endgültig in den wohlverdienten Ruhestand geschickt haben, bleibt US-Konkurrent Jeep seinen Ur-Werten treu. Der Wrangler, direkter Nachfolger des Ur-Jeeps Willys, wird auch 2018 als unverwüstlicher Dauergast im Modellprogramm der Amerikaner zu finden sein. Mehr noch: Im neuen Jahr erhält der kauzige Allradler eine umfangreiche Auffrischung, ohne dabei weichgespült oder verwässert zu werden. Sprich: Auch hier bleibt es beim Leiterrahmen. Ansonsten geht’s mit der Leistung rauf und dem Gewicht runter. Ein paar zeitgemäße Technikdetails wie eine Achtgangautomatik, ein Start-Stopp-System und sogar eine Hybridversion kommen hinzu. Offroad-Fans dürfen sich weiterhin auf den besonders geländekompetenten Rubicon freuen, der neben einer extrakurzen Geländeuntersetzung außerdem noch Achssperren bietet. Und weiterhin dürfte sein Innenraum abwaschbar sein. Die in der Summe zahlreichen Verbesserungen werden in jedem Fall für höhere Preise sorgen. Noch liegt der Einstieg für die bereits mit Allradantrieb gerüstete Basisversion Sport bei rund 37.000 Euro. Wenn dann Mitte 2018 die neuen Wrangler kommen, dürfte der Einstiegspreis auf über der 40.000 Euro steigen.
 
Im Gelände muss der Jeep Wrangler nur wenige Gegner fürchten. Einer dieser Unverwüstlichen und Unaufhaltbaren ist die Mercedes G-Klasse, die sich nunmehr auf der Zielgeraden ihrer extralangen Karriere befindet. Fast vier Jahrzehnte waren es die Abzweigungen ins Irgendwo, die G-Klasse-Piloten ohne mit der Wimper zu zucken einzuschlagen wagten. Denn dort, wo es eigentlich nicht weitergeht, geht der Kraxel-Kasten einfach weiter. Auch hier sind die entscheidenden Zutaten Leiterrahmen, Allradantrieb, Getriebeuntersetzung und bis zu drei mechanische Sperren. Klar, die G-Klasse ist technisch betrachtet in vielerlei Hinsicht ein Dinosaurier, doch genau dank dieser Eigenschaft lässt sie keinem der allgegenwärtigen SUVs auch nur den Hauch einer Chance, wenn es auf harte Tour geht. Hart im Nehmen ist der Sternträger auch als Zugpferd, denn die G-Klasse kann bis zu 3,5 Tonnen an den Haken nehmen. Wer den alten Haudegen als Neuwagen kaufen will, muss sich beeilen, denn frei konfigurierbar ist der Allradler nicht mehr. Vorläufig bietet Mercedes unter anderem eine Limited Edition an, die in der Version G 350d Professional als besonders kerniger Bergbezwinger daherkommt. Das rund 104.000 Euro teure Sondermodell zeichnet sich unter anderem durch eine Lackierung in Chinablau, Stahlstoßstangen, Dachgepäckträger, Steinschlagschutzgitter für Blinker und dem Professional-Offroad-Paket aus. Es gibt aber keinen Grund zur Torschlusspanik, denn die für das nächste Jahr vorgesehene Neuauflage wird im Kern wieder eine echte G-Klasse sein. SUVs hat Mercedes ohnehin mehr als genug zu bieten, weshalb die einzige Offroad-Ikone der Stuttgarter dem Leiterrahmen-Prinzip treu bleiben dürfte. 

Der SUV-Boom hat klassische Geländewagen zu Randfiguren der Allradszene degradiert. Doch die übriggebliebenen Leiterrahmen-Klassiker erweisen sich als zähe Dauerläufer, die 2018 zu neuer Topform auflaufen.

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Fazit
Der SUV-Boom hat klassische Geländewagen zu Randfiguren der Allradszene degradiert. Doch die übriggebliebenen Leiterrahmen-Klassiker erweisen sich als zähe Dauerläufer, die 2018 zu neuer Topform auflaufen.

Quelle: Autoplenum, 2017-11-24

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