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Testbericht

Sebastian Viehmann, 14. Juli 2011
Ein Mini mit neun Gängen? Das gibt es bislang nur bei ZF: Der Automobilzulieferer testet das erste Neungang-Automatikgetriebe. 2013 soll es serienreif sein. Im Prototypen knirscht es manchmal noch im Gebälk.

„Wahrscheinlich ist bei neun jetzt Schluss“, sagt Peter Ottenbruch, Technik-Vorstand des Automobilzulieferers ZF. Ähnliches hatte man schon beim Achtgang-Automatikgetriebe gehört, aber dann ging doch noch einer. Das Unternehmen, das pro Jahr weltweit rund 1,2 Millionen Automatikgetriebe und 13 Millionen Kupplungen produziert, testet das erste Automatgetriebe mit neun Gängen. Vorteil der höheren Gangzahl: Die einzelnen Fahrstufen liegen im Vergleich zu anderen Automatikgetrieben noch enger beieinander, damit sind auch die Drehzahlsprünge zwischen den Gängen kleiner. So steht für jede Fahrsituation die passende Übersetzung zur Verfügung. Das reduziert den Verbrauch und damit den Schadstoffausstoß des Fahrzeugs.

Mit dem bekannten Achtgang-Automaten, der unter anderem bei BMW zum Einsatz kommt, hat der neue Neungang-Automat allerdings wenig zu tun. Er ist nämlich nicht für Hinterradantriebs-Plattformen entwickelt worden, sondern für die viel häufigeren Autos mit quer eingebautem Motor und Frontantrieb. Der Automat wiegt knapp 80 Kilogramm und ist mit 36 Zentimetern Baulänge so kompakt, dass er selbst bei Kleinwagen problemlos unter die Haube passt. Er ist für Motoren mit maximal 185 kW (252 PS) Leistung und 480 Newtonmetern Drehmoment ausgelegt. Das Getriebe kann mit einem Start-Stopp-System kombiniert werden, außerdem soll es für Allrad- und Hybridfahrzeuge geeignet sein.

Die ruhige Gangart des Getriebes registriert man auch am Steuer des Mini, den ZF als Versuchsträger mit dem Neungang-Automaten bestückt hat. Im Testfahrzeug ist die Schwelle für den neunten Gang bei knapp 100 Km/h eingestellt. Beim Kickdown schaltet das System bis in den fünften Gang herunter. Meistens versucht die Getriebesteuerung jedoch, so höhe Gänge wie möglich einzulegen. Während der Mini Cooper S mit seinem 1,6 Liter großen Turbomotor über die Autobahn gleitet, macht sich das niedrige Drehzahlniveau angenehm bemerkbar.

Perfekt arbeitet das System im Versuchsfahrzeug freilich noch nicht. Beim Herunterschalten vom zweiten in den ersten Gang ruckelt es manchmal, einmal springt das Getriebe auf der Landstraße während der Fahrt sogar in Neutralstellung. Aber es sind ja noch zwei Jahre Zeit, in denen die Ingenieure reichlich Feintuning betreiben werden. „Manche Details in unseren Testträgern sind eben noch QD – quick and dirty“, sagt ZF-Entwickler Christoph Hess auf dem Beifahrersitz.

Man kann aber davon ausgehen, dass in Zusammenarbeit mit künftigen Kunden in anderen Fahrzeugen bereits eifrig an der Serienreife gefeilt wird. „Wir hören ständig: Downspeeding, Drehzahl runter“, berichtet Christoph Hess von diesen Abstimmungsfahrten. Die große Getriebespreizung von 9,84 macht die gemütlichen Drehzahlen möglich und verteidigt jeden Tropfen im Tank. Zum Tragen kommt der Vorteil vor allem im Teillastbereich und damit zwischen 80 und 120 Km/h, dem klassischen Geschwindigkeitsbereich auf US-Autobahnen. Bei 120 Km/h muss der Motor kaum mehr als 2000 Touren liefern. Im Vergleich zu einem Sechsgang-Automatgetriebe sei bei konstanter Fahrt mit diesem Tempo eine Verbrauchsersparnis von 16 Prozent drin, sagt ZF.

Mit der Marke Mini hat das Automatgetriebe übrigens nichts zu tun. Die Ingenieure haben den Kleinwagen lediglich aus technischen Gründen als Versuchsobjekt für ihr neues Getriebe ausgewählt. In welchen Modellen der Automat tatsächlich in Serie geht, verrät ZF nicht, denn Verschwiegenheit gehört bei Zulieferern nun einmal zum Geschäft. Chrysler allerdings hat bereits selbst verraten, dass man das Getriebe nutzen werde. Land Rover und Jaguar sollen ebenfalls großes Interesse daran haben, wird in der Branche gemunkelt, und auch Honda mit seiner in Nordamerika erfolgreichen Nobelmarke Acura wird als möglicher Abnehmer ins Gespräch gebracht.

Die ersten Neungang-Autos dürfte man in jedem Fall in den USA sehen, denn dort wird das Getriebe ab 2013 auch gebaut. ZF errichtet zurzeit ein neues Werk in der Nähe von Greenville im Bundesstaat South Carolina. In der Fabrik sollen sowohl die Achtgangautomatik als auch der Neungangautomat vom Band laufen. Passend zum neuen Getriebe will ZF noch ein abkoppelbares Allradsystem für Autos mit vorn quer eingebauten Motoren anbieten. Der Hinterachsantrieb wird je nach Bedarf automatisch zugeschaltet oder komplett abgekoppelt, um Sprit zu sparen.
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Quelle: Autoplenum, 2011-07-14

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